An Bord des Schulschiffes Gorch Fock herrscht offenbar ein Klima der Einschüchterung. Nach dem Todesfall einer jungen Frau wurden Kadetten massiv unter Druck gesetzt. Daraufhin kam es zu einer Meuterei. Das enthüllt ein Bericht des Wehrbeauftragten Hellmut Königshaus.
Es war einer der schlimmsten Unfälle auf dem Segelschulschiff Gorch Fock. Vor drei Monaten war eine 25-jährige Offiziersanwärterin aus der Takelage gestürzt und tödlich verunglückt. Die Soldaten waren danach verstört, traumatisiert, standen unter Schock.
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Nach dem tödlichen Unglück weigerten sich junge Soldaten, wieder hoch in die Takelage zu klettern. Viele wollten auch nicht weitersegeln und nach Deutschland zurückkehren. Ein Bericht des Wehrbeauftragten enthüllt, wie sie unter Druck gesetzt wurden. (© ddp)
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Aber ein Bericht enthüllt jetzt, dass die Führung der Gorch Fock die Sorgen der Kadetten nicht ernstnahm und ein Klima des Drucks und der Einschüchterung erzeugte.
Offenbar ist es auf dem Segelschulschiff Gorch Fock nach dem tödlichen Sturz der jungen Frau aus der Takelage zu einer Meuterei gekommen. Ein Sprecher des Wehrbeauftragten Hellmut Königshaus (FDP) bestätigte einen entsprechenden Bericht der Mitteldeutschen Zeitung aus Halle, die aus einem Brief von Königshaus an Verteidigungsausschuss und Bundesverteidigungsministerium zitiert.
Demnach "wollten unmittelbar nach dem schmerzhaften Verlust der Kameradin viele nicht mehr aufentern" - also in die Takelage klettern -, "andere wollten nicht mit der Gorch Fock weiterfahren". Dem Brief zufolge entbrannte eine Diskussion mit den Vorgesetzten, inwieweit der Unfalltod auf dem Ausbildungsschiff mit dem Tod eines im Einsatz gefallenen Soldaten vergleichbar sei. Den aufbegehrenden Offiziersanwärtern sei daraufhin "mangelnde Zusammenarbeit mit der Schiffsführung" unterstellt worden, sie sollten "wegen Meuterei zurück nach Deutschland geflogen werden".
Die Offiziersanwärterin war am 7. November während eines Aufenthalts in dem brasilianischen Hafen Salvador de Bahia bei einer Übung aus der Takelage gestürzt und auf das hölzerne Deck geprallt. Sie starb wenig später in einem Krankenhaus. Die Ausbildung auf der Gorch Fock war danach vorübergehend ausgesetzt worden.
In dem Brief des Wehrbeauftragten ist demnach auch von massivem Druck der Ausbilder hinsichtlich des Aufenterns die Rede. Den Kadetten sei gedroht worden, andernfalls nicht mehr Offizier werden zu können. Es seien Sätze gefallen wie "wenn Sie nicht hochgehen, fliegen Sie morgen nach Hause" oder "geben Sie Gas, stellen Sie sich nicht so an", zitiert die Zeitung weiter aus dem Schreiben.
In einem Fall sei ein Offiziersanwärter mit ausgeprägter Höhenangst dazu gebracht worden, auf den höchsten Mast aufzuentern, obwohl er dies nicht wollte. Das Büro des Wehrbeauftragten habe nach dem tödlichen Unfall an Bord des Schiffes zum einen von Amts wegen Nachforschungen angestellt und habe zum anderen Eingaben von Mitgliedern der betroffenen Crew erhalten, sagte der Sprecher in Berlin. Königshaus bittet der Zeitung zufolge den Inspekteur der Marine auch in einem Fall sexueller Belästigung an Bord der Gorch Fock um Überprüfung.
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(AFP/olkl/bön)
FKK-Slackliner Alexander Schulz
war die verunglückte nicht zu klein um überhaupt aufentern zu dürfen? sowas hab ich heute irgendwo im vorbeihören mitbekommen.
befehl ist befehl. bei rauer see oder gar im hier geprobten kriegsgeschehen hält man mit diskussionen vermutlich keine einziges schiff über wasser, mit den entsprechenden folgen für die gesamte besatzung.
was ich hier nicht verstehe: gibts hier sicherheitsvorkehrungen, die den umständen gerecht werden und die hier eingehalten wurden? dann war das hier ein tragischer unfall, wie er leider immer wieder mal in allen bereichen des lebens vorkommt. dann verstehe ich nicht, wieso der ausbildungsbetrieb nicht, nach angemessener behandlung des unfalles, fortgestzt werden und die kadetten dies auch einsehen sollten.
oder aber werden hier fortgesetzt junge menschen mit unnötig hohen risiken belastet, um ihnen zu zeigen "wo es langgeht"? stichwort mutprobe.
dann wehrbeauftregter und staatsanwalt: marsch.
Menschenverachtung, Integritätsverletzungen, Despektierlichkeit und eine immer extremistischere Inszenierung von herrenrassischer Überheblichkeit - nicht nur in den sogen. Comedy-Sendungen der div. TV-Medien.
Nein, auch wieder in den Kreisen jener militärischen Kader, die in der Öffentlichkeit lautstark die „Grundsätze der Inneren Führung“ lobpreisen, während in der Praxis der Organisation "Armee" die altbekannten herrenmenschlichen Allüren des zackigen, markigen und alle Schwächen übermannenden teutschen Soldaten immer drastischer zum Wiederausbruch kommen. Die geistig-moralische Beulenpest des wilhelminischen Militärfeudalismus und der rassisitisch-herrenmenschlichen Übermenschenpsychose greift wieder um sich.
Davon zeugen nicht nur die Exzesse des Rohleberfressens und des Quartalssaufens wie bei der Exzellenzelitetruppe der Gebirgsjaeger von der Edelweiss-Kaserne in Mittenwald.
So gesehen ist es doch extrem verständlich, dass heute wieder die drakonischen Mittel des unter Druck setzens und der Einschüchterung als Instrumente der Inneren Führung in der Praxis eingesetzt werden.
Auch die soldatische Hybridelite, mit der wir es heute zu tun haben, unterliegt der allgemeinen Entwicklung hin zu jenen Pseudoführereliten, die aus "geistig-moralische Wende" gewachsen ist, deren Slogan ja lautet: "Können" Können muss nicht sein. Kennen! Kennen muss sein!".
Und das definiert auch die Netzwerkerkompetenz dieser Neuen Elite, die fachlich, sachlich und menschlich eben genau jenes Niveau vorweisen kann wie die des wilhelminischen Militärfeudalismus und des rassisitisch-herrenmenschlichen Nazitotalitarismus.
Man muss diesen Anfängen wehren, weil, wie uns die Geschichte lehrt, wir sonst allesamt wieder einer Hybris von Größenwahn und Grossmannssucht zum Opfer fallen werden.
Zuerst möchte ich Herrn Hamann einmal zu seinem so "treffenden" Vergleich der Vorkommnisse mit etwaigen Zuständen in der Kriegsmarine 1945 gratulieren. Thema verfehlt, und dann auch noch ein politisch unkorrekter Vergleich der nur von jemandem kommen kann der keine Ahnung hat. Dankeschön! #fail
Auch die "eloquente" Äußerung von Polit-Kritiker will ich natürlich nicht unkommentiert lassen. Es hat weniger etwas mit Nostalgie als etwas mit Nautik zu tun, wenn Offizieranwärter auf der "Gorch Fock" ihren Dienst tun. Auch soll die Zeit auf dem Schiff die späteren Herren Offiziere prägen und fordern. Im übrigen ist die heutige Panzertruppe nicht aus irgendwelchen Pferdekutschern entstanden. Entgegen der weitgehenden Annahme, die Panzertruppe wäre aus der Kavalerie hervorgegangen, ist dem nicht so. In anderen Ländern mag das den Tatsachen entsprechen, in Deutschland haben sich die meisten Kavalerie-Einheiten aber gegen eine Umwandlung in Kampfpanzer-Einheiten gewehrt. Aus ihnen wurden meist die Panzeraufklärer-Einheiten. Und auch die Zeppelin-Fahrer haben mit den Kampfpiloten nicht viel zu tun. Auch hier ein klares #fail für den mülligen Beitrag. Dankeschön.
Aber zum eigentlichen Thema: Egal ob kurz zuvor eine Kameradin umgekommen ist oder nicht. Befehl bleibt Befehl. Und auf einem Schiff mitten auf dem Meer sind die Umstände anders als auf einem Kasernenhof im heimischen Hinterhuglhapfing, wo weitere Vorgesetzte direkt erreichbar sind und Entscheidungen treffen können. Insofern ist der Einsatz auf der "Gorch Fock" kein typischer Friedenseinsatz. Zudem handelt es sich bei der Besatzung zum größten Teil um kommende Offiziere der Marine. Personen also, die von vornherein für 12 Jahre unterschreiben, meist sogar noch kostenlos studieren und eigentlich wissen sollten, welche Risiken und Gefahren ihr Beruf mit sich bringt. Nicht verkennen sollte man daher, dass ein "Befehl" im militärischen Bereich eventuell auch über Tod und Leben entscheiden kann. Und dies macht den wesentlichen Unterschied des Soldatenberufes zu jedem anderen zivilen Beruf aus.
In der Bundeswehr gelten klare Richtlinien für Befehl und Gehorsam. Ein Befehl muss nicht ausgeführt werden, sofern er keinen dienstlichen Zweck erfüllt, gegen die Menschenwürde verstößt oder seine Befolgung für den Soldaten unzumutbar ist. Der Soldat kann also entscheiden, ob er einem solchen Befehl nachkommt oder nicht. An das Kriterium der Unzumutbarkeit sind jedoch hohe Anforderunge
Ich weiß nicht - irgendwie ist das Ganze ein zweischneidiges Schwert. Bin selbst Segler und weiß, daß man auf See oft nicht die Zeit und die Möglichkeit hat, jemanden etwas mit Kuschelpädagogik zu erklären. Da gibt es normalerweise eine klare Ansage vom Skipper (Kapitän) und die wird ausgeführt. Wo kämen wir da hin, wenn jede Anweisung von jedem zigmal hinterfragt wird vor Ausführung. Wenn die Jungs nicht mehr aufentern - soll die Gorch Fock unter Segeln im Hafen anlegen oder was?
Andererseits verlangt eine derartige Extremsituation natürlich schon ein enormes Fingerspitzengefühl der Führung an Bord. Daran hat es wohl offensichtlich gemangelt. Auf jeden Fall ist es für künftige Ausbildungsfahrten wichtig, den Führungsstil und die Führungsqualitäten der Stammbesatzung ehrlich zu überprüfen.
Und was die Notwendigkeit einer Ausbildung auf einem Segelschiff betrifft: Sicherlich muß man in der heutigen Zeit normalerweise nicht mehr unter Segeln die Weltmeere überqueren. Aber wenn man diese Ausbildung durchlaufen hat, kann man es auf den anderen Schiffen eben auch besser als andere. Weil Segeln die wahre Kunst ist und nicht einfach den Gashebel nach vorn schieben. Alle wirklich guten Seeleute sind auch gute Segler.
Das war einmal und zum Glück sind die Zeiten von Marinerichtern wie Filbinger vorbei. Aus Wikipedia: "Mit einer „Gefahr für die Manneszucht“ hatten Wehrmachtsrichter, besonders oft die der Marine, in der letzten Kriegsphase tausende Todesstrafen für meist geringfügige Dienst- oder Disziplinvergehen begründet."
Wenn die nassforsche Variante im Umgang mit der Gesundheit von Untergebenen wieder einmal Einzug hält bei der Bundeswehr, ist das Einschalten des Wehrbeauftragten eine wegen der Direktheit empfehlenswerte Vorgehensweise.
Und wenn Auswüchse nicht frühzeitig unterbunden werden, sondern ab einer bestimmten Größenordnung in den Medien thematisiert werden, schüttele ich auch den Kopf -- allerdings darüber, dass Führungsqualität und Eignung von BW-Vorgesetzten nicht dem Auftrag und der Verantwortung entsprechend überwacht werden, sodass Grenzüberschreitungen möglich sind.
Kai Hamann
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