Autobahn 19 bei Rostock Massenkarambolage im Sandsturm - acht Tote

Eine Sandwolke hat auf der A 19 südlich von Rostock eine tödliche Kettenreaktion ausgelöst. Die erste Bilanz des schweren Unfalls: Mehrere Tote, viele Verletzte, 40 Autos, die sich kaum gebremst ineinander verkeilt haben.

Die schwerste Massenkarambolage der vergangenen 20 Jahre in Deutschland hat auf der Autobahn Berlin-Rostock mindestens acht Menschen das Leben gekostet. Nach dem Unfall in einem Sandsturm lag ein ausgebrannter Lastwagen am Abend noch auf einem Auto, so dass sich die Zahl der Toten nach Angaben eines Polizeisprechers noch erhöhen könnte.

Etwa 110 Menschen waren direkt an dem Unfall beteiligt. Viele von ihnen wurden verletzt, die genaue Zahl ist unbekannt. Rund 20 Autos fingen Feuer, darunter ein Gefahrguttransporter. Die Feuerwehr brauchte mehrere Stunden, um die Flammen zu löschen. Rettungswagen und Hubschrauber brachten die Verletzten in umliegende Kliniken.

Nach Angaben der Krankenhausleitungen erlitten die Opfer vor allem Knochenbrüche, Prellungen, Stauchungen und Schädel-Hirn- Verletzungen. Der Unfall ereignete sich gegen 12.50 Uhr auf der A19 zwischen den Anschlussstellen Kavelstorf und Laage, südlich von Rostock. Rund 80 Autos rasten in beiden Fahrtrichtungen ineinander, wie die Polizei mitteilte. Ein dpa-Reporter am Unfallort berichtete , die Autos seien regelrecht zusammengequetscht, sie müssten mit hoher Geschwindigkeit aufeinandergerast sein.

Die kriminaltechnische Untersuchung des Unfalls hat begonnen. "Das ist der schlimmste Verkehrsunfall, den Mecklenburg-Vorpommern je erlebt hat", sagte Polizeisprecherin Yvonne Burand. "Als ich die ausgebrannten Fahrzeuge gesehen habe, war mir klar, dass es viele Tote gegeben haben muss", sagte dpa-Reporter Bernd Wüstneck. "Die Autos waren alle zusammengeschoben. Da ist keiner mehr rausgekommen."

Die im beginnenden Wochenendverkehr stark befahrene Autobahn wurde in beiden Richtungen voll gesperrt. Ausweichende Autofahrer sorgten für volle Nebenstrecken. Das habe auch Bergung und Transport der Verletzten erschwert, hieß es. Die Autobahn Richtung Rostock wird voraussichtlich noch bis tief in die Nacht, eventuell noch bis zum Morgen gesperrt sein. Mit der Öffnung der Fahrbahn Richtung Berlin sei eher zu rechnen.

Am Abend wurden Lastwagen mit riesigen Leuchtern herangefahren, damit die Bergung der Wracks fortgesetzt werden kann. Die Autobahn sei taghell beleuchtet, hieß es. Die Verletzten wurden in Krankenhäuser in Rostock, Güstrow und Bad Doberan gebracht. "Wir haben Ärzte und Schwestern zurückgeholt, zusätzliche Betten vorbereitet", sagte der Ärztliche Direktor der Uniklinik Rostock, Professor Peter Schuff-Werner. Der Landkreis Bad Doberan richtete ein Bürgertelefon für Angehörige der Unfallopfer ein.

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) zeigte sich schockiert über die Massenkarambolage. Der Politiker sprach den Opfern und ihren Angehörigen sein Beileid und tiefes Mitgefühl aus und erklärte mit Blick auf die Unglücksursache: "Das zeigt, selbst höchsten Anstrengungen bei der Verkehrssicherheit werden durch solche extremen Naturgewalten Grenzen gesetzt."

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) sagte: "Das ist ein schreckliches Unglück, mit so vielen Toten und Verletzten. Ich hoffe sehr, dass es gelingt, schnell zu helfen. Mein Dank gilt allen Feuerwehrleuten, den Rettungskräften und all den anderen Helfern", erklärte der Schweriner Regierungschef. Der Grund für den Unfall soll extrem schlechte Sicht gewesen sein. Ein seit dem Morgen herrschender Sturm hatte Sand von umliegenden Feldern aufgewirbelt und über die Fahrbahn getrieben.

Der Sturm richtete auch an anderen Orten im Land Schäden an. In Ostvorpommern wurden zwei Menschen bei einem Unfall zwischen Stresow und Bandelin leicht verletzt. Der Sturm hatte das Auto mit Anhänger von der Straße gedrückt. Etliche Bäume wurden umgeworfen und behinderten den Verkehr. Auf der Insel Usedom bei Benz stürzte ein Baum in eine Hochspannungsleitung, die daraufhin riss.

Sand statt Sicht

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