Audienz beim Papst Bischof Tebartz fühlt sich ermutigt

Das Treffen ist kurz: Etwa 20 Minuten wird Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst von Papst Franziskus empfangen. Doch das Bistum Limburg teilt mit, Tebartz sei "dankbar für die sehr ermutigende Begegnung".

Acht Tage lang musste Franz-Peter Tebartz-van Elst in Rom warten. Am Montag hat Papst Franziskus den umstrittenen Limburger Bischof empfangen, der mit einem Billig-Flieger in die Ewige Stadt geflogen war. 20 Minuten soll das Treffen nach Informationen von Domradio.de gedauert haben. Offen blieb vorerst eine Entscheidung über die Zukunft des Bischofs: Das Vatikan-Bulletin führte am Montag keine Fälle von Amtsverzicht oder Ernennungen auf.

Der Vatikan bestätigte in einer Mitteilung nur das Treffen, veröffentlichte aber keine Details zum Inhalt des Gesprächs. Das sei bei Privataudienzen so üblich, hieß es. Auch das Bistum Limburg hielt sich bedeckt über die Inhalte. Der Bischof sei jedoch "dankbar für die sehr ermutigende Begegnung", teilte die Diözese knapp mit. Über Details sei mit dem Papst Vertraulichkeit vereinbart worden.

Unmittelbar vor Tebartz-van Elsts Termin hatte sich der Kölner Kardinal Joachim Meisner zur Papstaudienz eingefunden. Die Begegnung Meisners mit dem Pontifex war allerdings schon länger geplant. Meisner hatte sich lange Zeit hinter Tebartz-van Elst gestellt und ihn vor Kritik in Schutz genommen. Der 79-Jährige ist außerdem Chef der Rheinischen Kirchenprovinz, zu der das Bistum Limburg gehört. Trotz dieser Position hat der Kardinal allerdings formal keinen Einfluss auf Entscheidungen über die Zukunft des Bischofs.

Eine Vertrauenskrise "bis in den Grund"

Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode befindet sich aktuell auf einer Pilgerreise in Rom. "Eine Rückkehr in das Bistum Limburg wird sicher ganz schwierig", sagte dieser gegenüber Journalisten. Es gebe "bis in den Grund" wieder eine Vertrauenskrise vergleichbar mit der zur Zeit der Missbrauchsskandale 2010, so Bode. "Die ganze Situation ist inzwischen so verfahren, dass etwas geschehen muss."

Bei einer Messe am selben Tag im vatikanischen Gästehaus "Santa Marta" hatte Papst Franziskus zum wiederholten Mal Habsucht und Geldgier angeprangert. Eine solche Haltung zerstöre Menschen und Familien: "Wenn eine Person zu stark dem Geld anhängt, zerstört sie sich selber und die Familie! Wohlgemerkt, Geld kann viel Gutes bewirken, kann viel Arbeit für das Allgemeinwohl fördern, doch wenn das Geld dein Herz angreift, wirst du zerstört." Jesus habe deutlich gemacht, dass der Mensch nicht gleichzeitig zwei Herren, Gott und dem Mammon, dienen könne.

"Wie bitte?", soll der Papst am vergangenen Donnerstag im Gespräch mit Robert Zollitsch, dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, gefragt haben, als er von den mindestens 31 Millionen Euro erfuhr, die nun der neue Dienstsitz des Limburger Bischofs Tebartz-van Elst kosten soll. So will es die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung erfahren haben. Für Papst Franziskus, der bescheiden im Gästehaus des Vatikans statt im Apostolischen Palast wohnt, müssen die Unterlagen über die Amts- und Lebensführung von Tebartz-van Elst verstörend gewesen sein.

Die Hintergründe dieser hohen Kosten und mögliche Verfehlungen des Bischofs sollen jetzt eine Untersuchungskommission klären, die von Zollitsch eingesetzt worden ist. Sie hat am Freitag ihre Arbeit aufgenommen. Tebartz-van Elst hoffe, so heißt es, dass die Prüfung der Bischofskonferenz ergeben wird, dass der neue Bischofssitz nicht übermäßig protzig geplant wurde und dass vor allem seine Mitarbeiter für die Kostensteigerung verantwortlich waren.

"Papst wird kein Schnellrichter sein"

Albert Schmid, Chef des Landeskomitees der Katholiken in Bayern, hält eine Rückkehr des Bischofs nach Limburg für "eher unwahrscheinlich". Schmid, ein Vertrauter von Tebartz-van Elst, nahm den Kirchenmann gegen den Vorwurf der Verschwendung beim Neubau seiner Bischofsresidenz in Schutz. Der Streit über den Bau werfe die Frage auf, ob der Bischof "Opfer der innerdiözesanen Auseinandersetzungen im Bistum Limburg" sei. Schmid rechnet nicht mit einer schnellen Entscheidung in Rom: "Der Papst wird kein Schnellrichter sein", sagte er.

Tebartz-van Elst steht seit Monaten in der öffentlichen Kritik. Ihm wird der enorme Anstieg der Kosten beim Bau des mindestens 31 Millionen Euro teuren Diözesanen Zentrums in Limburg zur Last gelegt. Auch soll er falsche eidesstattliche Erklärungen zu einem First-class-Upgrade bei einem Indien-Flug abgegeben haben, weswegen die Staatsanwaltschaft Hamburg einen Strafbefehl beantragt hat. Neben Verschwendungssucht wird Tebartz-van Elst von Gläubigen im Bistum ein autoritärer Führungsstil vorgehalten.

Der Stadt Limburg hat der Skandal um Tebartz-van Elst unterdessen einen plötzlichen Besucherzustrom eingebracht. "Es kommen deutlich mehr Touristen her als sonst üblich im Herbst", sagt Limburgs Erster Stadtrat Michael Stanke (CDU). Viele Menschen würden auf der nahen Autobahn A 3 das Schild Limburg sehen und spontan abfahren. Auch die Zugriffszahlen auf die Internetseite der Stadt hätten sich auf täglich 5000 verdoppelt. Ein italienisches Restaurant in der Altstadt bietet neuerdings eine Pizza "Bischof" an. "Für 24,70 Euro - gut belegt mit Gambas", sagte der Mann der Inhaberin, Giuseppe Rizzo. Das Geld werde für einen guten Zweck gespendet.