Anschlag auf BVB-Bus 2000 Euro und eine Entschuldigung

Der Angeklagte Sergej W. im Landgericht Dortmund.

(Foto: dpa)
  • Im Prozess um den Anschlag auf den BVB-Bus im April vergangenen Jahres haben ein Polizist und der Busfahrer ausgesagt.
  • Der Polizist wurde bei der Explosion verletzt, er ist seitdem dienstunfähig.
  • Der Angeklagte Sergej W. bot ihm 2000 Euro Entschädigung an und entschuldigte sich bei ihm.
Von Ulrich Hartmann, Dortmund

Sergej W. war kaum zu verstehen, als er "Entschuldigung" sagte. Drei Meter saßen der 28-jährige Angeklagte und der bei der Bombenexplosion am Mannschaftsbus von Borussia Dortmund verletzte Motorrad-Polizist im Saal 130 des Dortmunder Landgerichts auseinander. Sergej W. bat um Verzeihung und bot dem seit drei Monaten dienstunfähigen 60-Jährigen "als Wiedergutmachung" 2000 Euro an. "Die Entschuldigung nehme ich an, den Ausgleich nicht", sagte der Polizist nüchtern. Er strebt eine Zivilklage an, es heißt, er erhoffe sich dadurch eine vielleicht zehn Mal so hohe Summe wie jene, die er am Mittwoch angeboten bekommen hat.

Der Polizist ist neben dem damaligen BVB-Fußballer Marc Bartra das zweite Opfer, das eine physische Verletzung erlitten hat. Nach der Bombenexplosion am 11. April 2017, bei der er als sogenannter Lotse auf seinem Motorrad ein paar Meter vor dem Bus fuhr, blieb er stehen und versuchte über sein Funkgerät Hilfe zu rufen, doch der Polizeifunk, so berichtete er, sei ausgelastet gewesen, und so habe er mit seinem Handy die 110 gewählt und per Notruf Hilfe angefordert. Er hatte mit seinem Dienst an diesem Tag schlichtweg Pech gehabt, denn normalerweise begleitet er regelmäßig den Bus des jeweiligen BVB-Gegners, nur an jenem Abend eskortierte er ausnahmsweise den Dortmunder Bus.

Nach dem Attentat habe er Ohrenschmerzen gehabt, später wurde ein Knalltrauma diagnostiziert, er leide seither unter chronischem Tinnitus und habe sich zwischenzeitlich in psychotherapeutische Behandlung begeben. Im November, sieben Monate nach dem Vorfall, hat er erstmals wieder einen Bus eskortiert, nämlich jenen von Tottenham Hotspur, das zum Champions-League-Spiel in Dortmund gastierte. An diesem Abend habe er aber gemerkt, "dass es nicht mehr geht". Seither ist er dienstunfähig.

Glimpflicher ging die Explosion für den 47-jährigen Busfahrer aus, der vor Gericht fast launig schilderte, er habe nach dem Knall im ersten Moment gedacht: "Wo biste jetzt gegengefahren?" Er habe sich dann um die Spieler gekümmert und ihnen Fahrzeuge organisiert. Er sei gut aus der Sache rausgekommen, erst viel später sei ihm aufgefallen, dass er in Stresssituationen im Bus jetzt einen schnelleren Pulsanstieg spüre und schwitzige Hände bekomme. "Ich bin jedes Mal froh, wenn wir die ersten zehn Meter mit dem Bus hinter uns haben." Eine Entschuldigung an den Busfahrer ließ Attentäter Sergej W. bloß durch seinen Anwalt übermitteln, und auch eine Entschädigung bot er nicht an.

Den zerfahrensten Eindruck vor Gericht machte am achten Prozesstag eine 55 Jahre alte Anwohnerin, in deren Haus nahe dem Tatort durch die Explosion die Scheiben zerbarsten. Sie fand nicht nur im Vorgarten, sondern sogar in einem ihrer Zimmer Exemplare jener Metallstifte, mit denen Sergej W. die Bombe gespickt hatte, um nach Ansicht der Staatsanwaltschaft einen möglichst großen Schaden am Bus anzurichten. "Eigentlich hatte ich an dem Abend bügeln wollen", berichtete sie mit zittriger Stimme, "dann hätte ich dort gestanden, wo die Druckwelle die Fenster zerbrach." Sie habe das Bügeln aus Unlust hinausgeschoben - "zum Glück".

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