28. Januar 2013 15:08 Gruppenvergewaltigung in Indien Zweiter Angeklagter kommt vor Jugendgericht

Er soll sich besonders grausam an der jungen Inderin vergangen haben, trotzdem drohen ihm im schlechtesten Fall nur drei Jahre Gefängnis. Ein zweiter der mutmaßlichen Vergewaltiger einer 23-Jährigen war zum Tatzeitpunkt angeblich noch minderjährig - indisches Recht sieht daher eine milde Strafe für ihn vor.

Nach der tödlichen Vergewaltigung einer jungen Inderin drohen einem der Beschuldigten einer Gerichtsentscheidung zufolge maximal drei Jahre Freiheitsentzug. Ein Jugendgericht in Neu Delhi bescheinigte dem Verdächtigen auf Grundlage alter Schulunterlagen, zum Zeitpunkt der Tat 17 Jahre und sechs Monate alt gewesen zu sein.

Indisches Strafrecht sieht für Minderjährige eine maximale Strafe von drei Jahren in einer Jugendstrafanstalt vor. Den anderen fünf mutmaßlichen Peinigern der 23-Jährigen droht ein Todesurteil durch ein Schnellgericht. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen unter anderem Vergewaltigung und Mord vor.

Das Opfer war am 16. Dezember in einem fahrenden Bus in Delhi von mehreren Männern vergewaltigt und gemeinsam mit einem Freund gefoltert worden. Die Frau starb 13 Tage später an ihren Verletzungen. Der Minderjährige soll den Ermittlungen zufolge sie und ihren Begleiter in den Bus gelockt und sich besonders grausam an ihr vergangen haben.

Der Bruder der Frau kritisierte, dass dem 17-Jährigen nun nur eine milde Strafe droht. "Es ist nicht richtig, ihn davonkommen zu lassen", sagte er dem Nachrichtensender NDTV. "Wir wollen, dass alle sechs Beschuldigten hängen." Die Staatsanwaltschaft kündigte Einspruch gegen die Entscheidung des Jugendgerichts an.

Prozessbeginn weiterhin ungewiss

Das Schnellgericht in Delhi lehnte einen Antrag der Verteidigung ab, bei einem weiteren Beschuldigten zu prüfen, ob er minderjährig sei. Bei einer Anhörung im Vorverfahren äußerten sich am Montag hinter verschlossenen Türen die Anwälte der fünf volljährigen Verdächtigen zur Anklageschrift. Bereits in der vergangenen Woche hatte die Staatsanwaltschaft ihre Punkte vorgebracht.

Die nächste Anhörung ist für kommenden Dienstag geplant. Der eigentliche Prozess beginnt erst, wenn das Gericht entschieden hat, welche Anklagepunkte zugelassen werden. Ein Datum dafür steht weiterhin nicht fest.