Wolfratshauser Tourismus Floßrutsche soll Stadt beleben

CSU-Stadtrat Alfred Fraas will die Anlage am Kastenmühlwehr wieder in Betrieb nehmen, um Fahrten mitten durch Wolfratshausen zu ermöglichen. Die Flößer sind jedoch dagegen.

Von Konstantin Kaip

Teures und kurzes Vergnügen: Die Floßrutsche am Kastenmühlwehr hat 500 000 DM gekostet und wurde mehr als 20 Jahre nicht genutzt.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Als "internationale Flößerstadt" kann sich Wolfratshausen rühmen. Den offiziellen Titel hat sie den aktiven Flößern zu verdanken, die seit Generationen von Mai bis September auf der Loisach und Isar nach München schippern und viele Touristen anlocken. Die Loisach-Flößer legen aber in Weidach ab, in der Altstadt sind sie nur alle drei Jahre bei der Johannnifloßprozession zu sehen. Stadtrat Alfred Fraas (CSU) will das ändern: Er will die Floßrutsche am Kastenmühlwehr wieder aktivieren, um künftig regelmäßig Floßfahrten durch die Altstadt zu ermöglichen. Einen entsprechenden Antrag hat er im Stadtrat gestellt. "Die Flößerstadt Wolfratshausen ist einzigartig im Besitz einer Floßrutsche", heißt es in der Begründung. Bei der Erneuerung des Kastenmühlwehrs habe die Stadt damals eine halbe Million DM in die Floßgasse gesteckt. Diese Investition müsse man "erhalten und wieder nutzbar machen".

Hintergrund des Antrags sind Pläne des Kraftwerkbetreibers an der Weidachmühle, der im Zuge der dort entstehenden Welle ein Restwasserkraftwerk am Kastenmühlwehr errichten will: dort, wo noch die Floßrutsche verläuft, die 1994 eingeweiht und nur für zwei offizielle Fahrten genutzt wurde.

"Sie ist uns zu gefährlich", sagt Flößer Josef Seitner. Durch das Kraftwerk habe sich der Wasserstand der Loisach erhöht, das Gefälle sei zu steil. Das habe sich schon bei der Inbetriebnahmefahrt und einer offiziellen Stadtfloßfahrt mit dem Wolfratshauser Ehrenbürger und damaligen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber gezeigt. "Den haben wir richtig gewaschen mit der Rutsche", erinnert sich Seitner. Höchstens viermal sei die Rutsche insgesamt genutzt worden.

Nach mehr als 20 Jahren machen zudem Kiesablagerungen und zwischenzeitlich demontierte Federn die Rutsche unbenutzbar. Fraas will das ändern. "In einer Flößerstadt sollte man eigentlich etwas von den Flößen sehen", sagte er am Donnerstag bei der Sitzung des kommunalpolitischen Arbeitskreises der CSU. Die seien schließlich das "Highlight der Stadt". Die Floßrutsche könne man "relativ preisgünstig umbauen" und den Winkel verändern. Er habe sich schlau gemacht. Die Kiesablagerungen könne man auch mit einem Feuerwehrschlauch wegspülen.

Insgesamt, sagte der CSU-Stadtrat, seien die Kosten "sehr überschaubar". Der Ertrag sei jedoch groß: Aus dem Label "Flößerstadt", das "wenig emotional aufgeladen" sei, könne mit Stadtfloßfahrten der Slogan "die Flößerstadt erleben" werden, erklärte Fraas am Donnerstag. "Das wäre wesentlich attraktiver".

Seine Idee fand im Wirtshaus Flößerei viele Unterstützer - nicht nur aus den eigenen Reihen. "Die Floßrutsche muss wiederhergestellt werden", sagte der Zweite Bürgermeister Fritz Schnaller (SPD). Schließlich sei die Flößerei ein "Alleinstellungsmerkmal der Stadt". Seine Frau, Werbekreis-Chefin Ingrid Schnaller, sah das genauso. Die Flößerei sei "ein Pfund, aber wir wuchern nicht damit". Man müsse sie endlich auch in der Stadt sichtbar machen. Als Anwohnerin am Kastenmühlwehr würden sie Fahrten durch die Floßrutsche nicht stören, sagte Schnaller.

CSU-Stadtrat Peter Plößl appellierte an die Flößer, "dass sie eine gewisse Solidarität mit dem Begriff internationale Flößerstadt zeigen" und Fahrten durch die Stadt durchführen, die sich "zumindest kostendeckend" realisieren ließen. Fraas schwebt vor, dass mindestens einmal im Monat eine Stadtfloßfahrt stattfinden soll. Diese könne künftig auch von einer neuen Floßlände am Wertstoffhof starten. Die Flöße könnten dann an der Weidacher Lände abgelegt werden, wo sie am nächsten Tag zu Fahrten nach München starten könnten. Die Flößer hätten ihm signalisiert, dass Stadtfahrten "ab und zu denkbar" seien. Nach einem Gespräch mit Bürgermeister Klaus Heilinglechner und Hauptamtsleiter Franz Gehring habe sich deren Meinung "jedoch wieder um 100 Prozent gedreht"

Flößer Seitner widerspricht. "Ich habe Herrn Fraas schon gesagt, dass ich skeptisch bin", sagt er. Die Stadtfloßfahrten seien für die Flößerbetriebe "wirtschaftlich nicht tragbar". Schließlich könne man nur an einer Floßlände arbeiten. "Eine zweite brauchen wir nicht." Sein Cousin Franz Seitner, der zweite Loisachflößer, sei derselben Meinung. "Wir brauchen die Floßrutsche überhaupt nicht", stellt Seitner klar. "Sie bringt uns nichts." Dass die Fahrten durch die Stadt attraktiv sein könnten, kann er sich nicht vorstellen. Ohne Musik wären es "Trauerfahrten", und mit Kapelle würden sich spätestens nach der zehnten Fahrt die Anwohner wegen Ruhestörung beschweren, glaubt Seitner. Zudem seien die Flößer ausgelastet. "Wir sind total ausgebucht", sagt Seitner. Die Zusatzaufgabe sei nicht zu stemmen. "Wir sind froh, dass wir die Floßprozession nur alle drei Jahre machen müssen", sagt der Flößer über die Johannifahrt. Das sei schon genug zusätzliche Belastung. "Wäre sie jedes Jahr, müssten wir sagen: Wir schaffen das nicht."