Historischer Verein Der Stadtgeschichte verschrieben

Thomas Mann, Entwicklung der Feuerwehr oder Ursprung der Straßennamen: Der Historische Verein in Bad Tölz hat viele Forschungsfelder.

Von Klaus Schieder

Die alte Mauer am Tölzer Rathaus sieht ramponiert aus. Mehr noch, sagt Claus Janßen: "Ihr Zustand ist unendlich schlecht." Der Vorsitzende des Historischen Vereins für das Bayerische Oberland in Bad Tölz möchte trotzdem alles daran setzen, das bröcklige Tuff-Bauwerk zu erhalten. Immerhin wurde die Mauer zum Schlossplatz hin vermutlich um das Jahr 1577 gebaut. Sie gehörte zum großen, südlich gelegenen Garten des ehemaligen Tölzer Schlosses, das 1770 bei einem starken Unwetter einstürzte. Janßen hat einen Brief an die Stadt geschrieben mit der Bitte, die alte Mauer möglichst zu erhalten. "Es ist wichtig, dass man beurteilt, ob sie zu retten ist oder nicht, und ob das zu einem vertretbaren Aufwand geschehen kann", sagte der Vorsitzende in der Hauptversammlung des Historischen Vereins.

Janßen ist klar, dass der Erhalt "ein schwieriges Thema" ist. Zum einen handelt es sich um ein Stück Stadtgeschichte, zum anderen dürfte die Rettung teuer kommen. Dabei werde es sich wohl um einen sechsstelligen Betrag handeln, bei dem keine Eins vorne steht, sagte er. "Aber wenn man etwas abreißt, ist es weg, und was weg ist, das kommt nicht wieder." Janßen plädiert dafür, in diesem Fall zumindest etwas zu schaffen, das "einen historischen Bezug zum Schloss" habe. Es sei schade, "dass man nichts hört, was man machen kann, so Visionen eben".

104 Mitglieder zählt der Verein im Moment, das sind neun mehr als Anfang 2017. Ein wenig dürfte dieser Zuwachs auch am Thomas-Mann-Jahr liegen, das Christof Botzenhart organisiert hatte. Anlass war, dass der berühmte Schriftsteller seine Villa an der Heißstraße im Jahr 1917 wieder verkauft hatte. Mit dem Gedenkjahr sei der Verein "in die Germanistik fremd gegangen", sagte der zweite Vorsitzende mit Blick auf die literaturwissenschaftlichen Vorträge. Ausdrücklich dankte er dem Historischen Verein deshalb "für seine Langmut", der Stadt und insbesondere dem Stadtmuseum mit Leiterin Elisabeth Hinterstocker für die Unterstützung. Am Thema Thomas Mann in Bad Tölz werde man "dranbleiben", avisierte Botzenhart. "Aber in einem Bereich, wo ich den Verein nicht weiter belasten möchte."

Die Mauer vor dem Rathaus, die einst zum Tölzer Schloss gehörte, würde der Historische Verein gerne erhalten. Das würde jedoch einen sechsstelligen Betrag kosten, schätzt der Vorsitzende.

(Foto: Manfred Neubauer)

In der Vortragsreihe kommt der Schöpfer der "Buddenbrooks" heuer nur noch einmal vor: Katrin Max vom Institut für Germanistik der Universität Leipzig befasst sich am Dienstag, 15. Mai, 19.30 Uhr, mit der Frage, inwiefern Mann in seinem Roman "Der Zauberberg" das unterschiedliche Wissen seiner Zeit zur Tuberkulose aufgreift. Ihr Vortrag mit dem Titel "Literarische Heilkunst. Ansichten und Einsichten der Krankheit im ,Zauberberg'" findet im Tölzer Stadtmuseum statt.

Lokalgeschichte pur steht am Dienstag, 17. Juli, 19.30 Uhr, auf dem Programm: Dann referiert Janßen im Stadtmuseum über "Historische Brände und die Entwicklung des Feuerlöschwesens in Tölz". Der Grund dafür sind die Feiern zum 150-jährigen Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr Bad Tölz. Zur bayerischen Landesausstellung mit dem Thema "Wald, Gebirg und Königstraum - Mythos Bayern" gibt es einen Vortrag von Margot Hamm vom Haus der Bayerischen Geschichte in Augsburg am Dienstag, 19. Juni, 19.30 Uhr, im Stadtmuseum und eine Fahrt zur Ausstellung im Kloster Ettal in der zweiten Julihälfte.

Unterdessen laufen schon die Planungen für die Vortragsreihe im Herbst, die sich ganz um die Revolution von 1918/1919 drehen. Vorgesehen ist ein Referat von Professor Dieter Weiß von der Ludwig-Maximilians-Universität München über die Rolle des Hauses Wittelsbach in den Revolutionswirren nach dem Ersten Weltkrieg. Außerdem will Martin Hake, der vor allem als Tölzer Thomas-Mann-Forscher bekannt ist, einen Vortrag über Max Herr halten. Dieser war Soldat im Königlich-bayerischen Leibregiment, kämpfte im Ersten Weltkrieg an allen Fronten, diente als Kompanieführer unter anderem unter Franz Ritter von Epp und wurde 1919 vom Tölzer Stadtmagistrat zum Vorsitzenden der Bürgerwehr gewählt.

Claus Janßen wurde im Amt bestätigt.

(Foto: Manfred Neubauer)

Ein weiteres Projekt des Historischen Vereins sind neue Info-Tafeln mit maximal 200 Zeichen oder etwa drei Sätzen, die an vielen der rund 240 Straßen in Bad Tölz die Straßennamen erklären sollen. Als Basis dient ein Buch von Bernhard Kreis über Tölzer Straßen, Wege und Plätze, das von 1958 stammt und im Stadtarchiv liegt. Noch befinde man sich damit ganz am Anfang, sagte Botzenhart. In der ersten Projektsitzung mit neun Teilnehmern seien 25 Straßennamen im Altstadtteil Gries verteilt worden. Es gelte noch manche Fragen zu klären: Welche Daten sollen überhaupt auf die Tafeln? Reichen 200 Zeichen überhaupt aus? Worauf kann man verzichten? Das nächste Treffen ist für den 3. Juli anberaumt, alle Interessenten aus Tölz sind willkommen.

Die Neuwahl des Vorstands brachte dann keinerlei Überraschungen. Vorsitzender Janßen wurde ebenso einstimmig wiedergewählt wie sein Stellvertreter Christof Botzenhart, Schriftführer Sebastian Lindmeyr und Kassier Ulla Schneiders.