"eMotion-Base" in Tölz eröffnet Übungen für die Seele

In der Halle an der Jugendherberge sollen Sportler auch ihren Teamgeist trainieren können. Für die Verantwortlichen ist der Rundbau schon jetzt ein leuchtendes Wahrzeichen für Kurstadt.

Von Klaus Schieder

Drei Jugendliche des EC Bad Tölz hängen ihre Oberarme in lange Schlaufen und lassen sich langsam nach vorne fallen, drei andere legen ihre Füße in die Bänder und beginnen mit Liegestützen. Die Mädchen der Ballettschule Brandhuber aus Lenggries zeigen Figuren, während Lichtkegel in Grün und Blau über den Boden kreisen. Nachwuchskicker des TuS Geretsried trainieren am Senseball, der über ihre Köpfe fliegt, die Pässe mit dem Außenrist. Mit einem kleinen Showprogramm und Reden ist am Freitagabend die rund eine Million Euro teure "eMotion-Base" auf der Anhöhe neben der Tölzer Sportjugendherberge eröffnet worden. Der Rundbau sei ein "neues Highlight, das durch seine Leuchtkraft weit hinausstrahlt", sagte Gerhard Koller, Präsident des Landesverbands Bayern im Deutschen Jugendherbergswerk.

Die "eMotion-Base" ist jedoch keine Turnhalle in einem kreisförmigen Kleinformat. Geschaffen wurde ein multifunktionaler Bewegungsraum, der mit 1500 LED-Lampen und 16 Millionen Farbkombinationen innen und außen beleuchtet werden kann und eine Akustik-Anlage für Musik und für Tagungen hat. Denn darin sollen künftig außer dem Training für Sportgruppen auch Seminare stattfinden. Eine Herausforderung für den Architekten Axel Klein. Ein Rundbau sei immer anstrengend zu planen, sagte er. Auf der Flinthöhe kam hinzu, dass er für sportliche Übungen geeignet, aber keine Turnhalle sein sollte, der Boden zwar elastisch, aber auch hart genug sein musste, "damit bei Seminaren die Stuhlbeine nicht einen bleibenden Eindruck hinterlassen". Das Bauwerk wurde in nur acht Monaten fertiggestellt, die Kosten wurden eingehalten, die sich das Jugendherbergswerk und die Stadt teilen. Der Architekt dankte vor allem den Handwerkerfirmen: "Das Gebäude ist genau so geworden, wie wir es uns am Computer und in den Köpfen ausgedacht haben."

Die Idee dazu hatten der Tölzer Orthopäde Dr. Werner Klingelhoeffer und Holger Strobel, Leiter der Tölzer Sportjugendherberge. Beide hatten schon den 2012 eröffneten Aktiv-Parcours mit 13 Stationen initiiert, der allerdings im Freien liegt und deshalb winters eher nicht genutzt wird. Mit der "eMotion-Base" gibt es nun ein Ganzjahresangebot. Die Jugendmannschaften, Familien oder Schulklassen können dort nach den sportkinesiologischen Methoden von Dr. Klingelhoeffer trainieren, die nicht bloß körperliche Übungen umfassen, sondern auch die mentale Balance und soziale Kompetenzen fördern sollen, zum Beispiel den Teamgeist. Die Inszenierung mit Farben und Musik soll dabei Gefühle wecken. Darauf weist auch der ungewöhnliche Name des Neubaus hin: "eMotion" bedeutet zugleich Emotion und Motion, also Bewegung. Klingelhoeffer brachte den Sinn der Gebäudeform auf einen einfachen Nenner: "Rund bedeutet, wir nehmen von allen Seiten auf und geben nach allen Seiten ab - rund eckt nicht an."

Eine Arena für Bad Tölz

Neben der Sportjugendherberge entsteht mit der "eMotion Base" eine Halle, die zahlreiche Möglichkeiten für Bewegung und Spaß bieten wird. Und sie kann in vielen Farben beleuchtet werden Von Klaus Schieder mehr ...

Als echten Blickfang bezeichnete der stellvertretende Landrat Thomas Holz (CSU) die holzverschalte Rotunde mit ihrem umlaufenden Balkon, die nachts in verschiedenen Farben erstrahlt und von der Bundesstraße 472 aus zu sehen ist. Sie sei ein Markenzeichen für die Sportjugendherberge und für Bad Tölz, aber auch "ein tolles Gebäude" für den Landkreis, der vor allem für Gäste aus dem Bundesgebiet, Österreich und der Schweiz ein beliebtes Reiseziel sei. Gerade die Tölzer Jugendherberge zeige, "dass traditionelle Werte mit innovativen Angeboten bestens vereinbar" seien, meinte Holz. Bürgermeister Josef Janker (CSU) bemühte all die Vergleiche, die im Vorfeld zu dem Neubau gezogen wurden: Tölzer Allianz-Arena, Flinthöhe leuchtet, eine runde Sache. "All das stimmt." Für ihn ist die "eMotion-Base" eine wichtige Infrastruktur-Maßnahme und ein Teil der Neuen Tölzer Hotelkultur mit ihren Standbeinen Gesundheit und Seminare. Weniger an das Fußballstadion des FC Bayern als an die kreisförmig errichtete Kirche Santo Stefano Rotondo in Rom erinnert der Neubau den katholischen Stadtpfarrer Peter Demmelmaier, der den Raum zusammen mit dem evangelischen Dekan Martin Steinbach segnete.

Für Holger Strobel hat Bad Tölz mit der "eMotion-Base" ein "neues Wahrzeichen" bekommen. Wichtig sei gewesen, dass kein reiner Zweckbau entstehe, sagte der Leiter der Sportjugendherberge. "Es ist nötig fürs Trainingsprogramm, dass man Emotion im Raum spüren kann." Strobel zeigte sich überzeugt, dass das Übernachtungshaus mit seinen 47 Zimmern und 186 Betten damit neue Gäste an die Kurstadt binden werde. Mit mehr als 32 000 Übernachtungen im Vorjahr und rund 48 Prozent Auslastung stehe sie ohnehin gut da, wie Koller erklärte. "Tölz ist eine der erfolgreichsten Jugendherbergen in Bayern", sagte der Präsident des Landesverbandes.