Bilanz der Kreisklinik Mehr Patienten, mehr Miese

Krankenhaus in Wolfratshausen stockt Personal vor allem in der Akut-Geriatrie auf

Von Klaus Schieder, Wolfratshausen

Die Kreisklinik Wolfratshausen steckt heuer wieder in den roten Zahlen. Unterm Strich steht ein Defizit von 958 000 Euro, was nach den Worten von Geschäftsführer Hubertus Hollmann jedoch einen einfachen Grund hat: Das Krankenhaus stockte sein Personal dieses Jahr um mehr als 20 auf 256 Stellen auf. Alleine 14 neue Pflegekräfte wurden für die Akut-Geriatrie angestellt. Mit den Ausgaben für das zusätzliche Personal sei man "in Vorleistung gegangen", erklärte Hollmann das Minus in der jüngsten Sitzung des Kreistags. Die Fallzahlen stiegen hingegen um 309 auf nunmehr 7651 an. Ein Jahresergebnis, das der Geschäftsführer als "sehr positiv" bezeichnete.

Für Hollmann bewegt sich die Kreisklinik weiterhin im Spannungsfeld zwischen gesetzlichen Vorgaben wie dem Krankenhausstrukturgesetz von 2015 und ökonomischem Druck. Dazu zählte er vor allem den scharfen Wettbewerb der Krankenhäuser in der Metropolregion München, die steigenden Personalkosten und den Sparzwang. "Jedes Jahr die Kosten zu senken, da stoßen wir an unsere Grenzen", sagte er. Außerdem könne man die Arbeitsbelastung der Beschäftigten nicht ständig steigern. "Wenn wir Projekte voranbringen wollen, brauchen wir gut qualifizierte Mitarbeiter", sagte der Geschäftsführer. Die sind in den Zeiten des Fachkräftemangels jedoch vor allem im Gesundheitswesen nicht so leicht zu finden. "Pflegekräfte sind ebenso schwer zu gewinnen wie gute Ärzte", sagte Hollmann. "Wir bekommen Assistenzärzte, aber zunehmend weniger Fachärzte." Dennoch sei der Spagat zwischen einem Haus der Grundversorgung und einer Schwerpunkt-Klinik in Wolfratshausen geglückt. Man habe das "medizinische Portfolio" angepasst, formulierte der Geschäftsführer.

Dazu listete er eine ganze Reihe von Neuerungen auf: die Zertifizierung als Bauchzentrum, ein neuer Oberarzt in der Unfallchirurgie, die im Juli eröffnete Akut-Geriatrie, das um acht bis zehn Plätze erweitere Team im Schwerpunkt Intensivmedizin. Auch die Gynäkologie sieht Hollmann in Wolfratshausen im Moment gut aufgestellt. "Wir haben stabile Verhältnisse in der Geburtshilfe", sagte er. Derzeit arbeiteten acht Hebammen für die Station, außerdem mit drei Belegärzten einer mehr als bislang. Nach dem Beschluss des Klinik-Aufsichtsrats vom August wird die Geburtshilfe in Wolfratshausen künftig eine Außenstelle des Starnberger Kreiskrankenhauses sein. "Unsere Kreisklinik verliert damit fünf Betten, aber die Hauptabteilung in Starnberg bekommt zwölf Betten am Standort Wolfratshausen", berichtete Hollmann. Im Schreibtisch liegt überdies der Plan, ein medizinisches Zukunftskonzept für die Kreisklinik erstellen zu lassen. Ein externer Experte soll Stärken und Schwächen des Krankenhauses analysieren. "Aber das ist eher noch Zukunftsmusik", sagte Hollmann.

Aus den Reihen der Kreisräte gab es nur eine Nachfrage zum Report des Klinik-Geschäftsführers. Annelies Wiedebauer-Schmidt (Grüne) wollte wissen, ob die Palliativbetten in Wolfratshausen ausgelastet seien. Beide Zimmer seien belegt, erwiderte Hollmann.