Erst die Familie, dann die Party: Die Clubs der Stadt werden am Heiligen Abend zum zweiten Wohnzimmer der Gäste.
Vanillekipferln stauben besonders schön, wenn sie im Ausschnitt eines Mädchens landen. Deshalb backt Skadi Schabacker nicht mehr. Es gab schon mal Zeiten, da hat die Chefin des Clubs Palais ihren Gästen selbstgemachte Plätzchen auf die Theke gestellt. Aber das enthemmte Partyvolk hat sich die Spezereien nur gegenseitig in die Shirts und Wodka Bulls geworfen. "Dafür ist mir meine Liebesmüh' zu schade", sagt Schabacker. Auch Glühwein gibt es keinen in ihrem Laden. "Zu heiß", meint sie.
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Trotzdem kommt auch sie nicht ganz ohne die saisonal üblichen Anspielungen aus. "Unsere Räume wirken sowieso immer ein bisschen weihnachtlich", sagt sie über das plüschig rote Glitterambiente ihres Clubs am Hauptbahnhof, der einmal ein Animierlokal war. Und für ihr Dezember-Programm hat sie sowieso das passende Motto ausgegeben: "Advent, Advent, der Dancefloor brennt."
Das gilt im übrigen für alle Clubs der Stadt. Die stille Nacht ist eine wilde Nacht. Wenn die Kirchgänger ihr Gotteslob für die Christmette bereitlegen, stehen die Weggeher vor dem Spiegel und machen sich für die Piste schön. Das Party-Angebot ist am 24. Dezember so groß wie an jedem gewöhnlichen anderen Tag. Für jeden Musikgeschmack ist etwas dabei. Im Atomic Café läuft unter dem Titel "Single Bells" Soul aus den sechziger Jahren. In der Ersten Liga ist "Balkanstyleee" angesagt. Im Crown's Club gibt es Hip-Hop und R&B.
Wenig Lametta für die Ohren
Das Stammpublikum kann auf seine zweiten Wohnzimmer zählen. Etwa auch auf das Max & Moritz, wo donnerstags normalerweise nicht die Ankunft des Herrn, sondern ein "Mädels-Abend" begangen wird, bei dem Jungs erst später dazustoßen dürfen. Oder auf den Q-Club, der an diesem Tag sonst als "Porno Lounge" firmiert.
In Skadi Schabackers Palais drehen die "Holy Homies", die DJs Tobstar und Der Scheuchenpflug an den Plattentellern. Regelmäßige Besucher kennen die beiden als Türsteher und Kassenchef des Clubs. Schabacker hat ihre Leute gebeten, hin und wieder einen Weihnachtssong ins Repertoire einzustreuen. Aber das war es dann auch schon mit Lametta für die Ohren. "Die Leute wollen feiern und tanzen wie immer", sagt sie.
Das ist auch die Erfahrung von Jens Poenitsch, der die DJs für das Café am Hochhaus bucht. "Für Traditionalisten klingt es vielleicht kurios, aber es geht wunderbar zusammen: Erst sitzt man gemütlich mit seiner Familie beim Essen, dann ist es aber auch wieder gut und man will in die Stadt zum Tanzen." Im Café am Hochhaus kann man das am 24. zum dort gewohnten, elektronischen Sound tun. Es gibt nicht einmal ein spezielles Motto.
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