Wehrtechnik an der LMU Die grüne Bombe des Professors Klapötke

Mitten in München forscht der Chemie-Professor Thomas Klapötke für die US Army an einer umweltverträglichen Bombe. Sie soll zielgenau und "sauber" töten. Viele Kollegen halten das für unmoralisch.

Von Anna Fischhaber

Ein grauer Hightech-Würfel in Großhadern. Die langen Flure sind verlassen, die Labors mit Sicherheitscodes verschlossen. Die kleinen Kammern im Keller haben schwere Stahltüren, in den Wänden stecken Splitter, überall klaffen Löcher. Hier bringt Thomas Klapötke Explosionsstoffe zur Detonation. Explosionsstoffe, die in großen Mengen tödlich sind.

Mitten in München bereitet der Chemieprofessor den Krieg von morgen vor. Das Geld dafür kommt hauptsächlich von der US Army, den Rest schießen Nato und Bundeswehr dazu.

Klapötke ist klein und zierlich, sein blondes Haar ist kurz. Verwegen sieht er höchstens im Labor aus. Mit Schussweste, Helm und Schutzbrille. Im Büro, das mit Fotos von Explosionen dekoriert ist, trägt er einen Anzug und ein winziges Hörgerät. Sein Ohr ist defekt. Ein Laborunfall, im Krieg war er nie.

Thomas Klapötke ist der einzige Chemieprofessor in Deutschland, der sich mit Wehrtechnik beschäftigt. "Science for Knowledge and Peace" nennt er das auf seiner Homepage. "Viele Kollegen lehnen meine Forschung ab, sie halten sie für unmoralisch", sagt er. Ihm selbst scheinen solche Gewissenskonflikte fremd zu sein.

"Entweder man ist Pazifist und schafft die Armee ab", sagt der Chemiker, "oder man hat eine Armee. Und dann finde ich es unmoralisch, ihr nicht mit der besten Ausrüstung zu helfen." Seine Argumentation wirkt routiniert, Klapötke ist daran gewöhnt, sich zu verteidigen. Früher hat er im schottischen Glasgow geforscht. Dort war es normal, dass Wissenschaftler fürs Militär arbeiten. Doch anders als in Großbritannien ist Wehrtechnik in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg nicht gerade gut angesehen. Klapötke steht hier nur selten im Rampenlicht.

An seinem Lehrstuhl an der LMU München arbeiten 30 Chemiker an Sprengstoffen für die nächste Generation. Hunderte Substanzen werden Jahr für Jahr getestet. Erst am Computer, dann auch in Mengen bis zu 50 Gramm in der blauen Explosionskapsel im Keller. Manche Detonationen sind so laut, dass die Tests nur am Wochenende gemacht werden, um die Studenten auf dem Campusrasen nicht zu erschrecken. Nur wenige Substanzen schaffen die Anforderungen. Es geht dabei vor allem um ihre Sprengleistung und die sichere Handhabung.