Warten auf ein Spenderorgan Auf Leben und Tod

Jedes Jahr sterben in Deutschland 1300 Menschen, weil sie vergeblich auf ein Spenderorgan warten. Auch im Klinikum Großhadern stehen Patienten auf der Warteliste für eine Transplantation, die ihnen das Leben retten kann. Ein Besuch auf der Intensivstation.

Von Beate Wild

Hinter dem Bett von Thomas B. blinkt und piepst es. Unzählige elektronische Geräte und Maschinen stehen an der Wand und arbeiten eifrig vor sich hin. Sie alle sind mit Kabeln und Schläuchen mit Thomas B. verbunden. Dass sie so reibungslos funktionieren ist lebenswichtig, denn sie kontrollieren die Körperfunktionen des Patienten.

Stimmt irgendetwas nicht, ertönt ein lauter Warnton und eine Krankenschwester eilt herbei. Aufstehen kann Thomas B. wegen der ganzen Verkabelung nicht. Nicht einmal, um zur Toilette zu gehen. Der Aufenthalt auf der Intensivstation ist alles andere als angenehm, doch für den 49-Jährigen aus Kaufbeuren im Allgäu gibt es keine Alternative.

Seit 15. Januar 2012 steht Thomas B. auf der HU-Liste für Organtransplantationen. HU bedeutet "High Urgency", also sehr dringlich. Er wartet im Klinikum Großhadern auf ein neues Herz. Auf die HU-Liste kommt man nur, wenn man ohne Organspende nicht mehr lange weiterleben kann.

Thomas B. arbeitete früher als Dachdecker und Spengler. "Jeden Tag hab ich 15 bis 17 Stunden geschuftet", erzählt er. Krank war er eigentlich nie. Auch der Herzinfarkt, der ihn irgendwann ereilte, blieb zunächst unbemerkt. Erst als er 2006 keine Luft mehr bekam und ins Krankenhaus eingeliefert wurde, entdeckte man das Dilemma. Der unentdeckte Herzinfarkt hatte das Herz schon derart geschwächt, dass es kaum mehr von alleine arbeitete.

Erst bekam Thomas B. einen Defibrillator eingesetzt. Als dieser 2010 nicht mehr ausreichte zusätzlich einen Herzschrittmacher. Doch seit Sommer 2011 sind die Probleme mit dem Herzen so groß, dass der 49-Jährige nicht mehr leben kann wie bisher. "Da war dann klar, dass ich ein neues Herz brauche", sagt er. "Ich kann keine 20 Meter mehr gehen, so schlimm ist es schon." Nichts kann mehr helfen - außer ein Spenderherz.

Als die Krankheit noch nicht so weit fortgeschritten war, stand Thomas B. schon auf der sogenannten T-Liste. Das ist die Warteliste für nicht so akute Fälle. T steht für "transplantable" und bedeutet so viel wie "Transplantation möglich". Wer auf der T-Liste steht, muss - wenn er überhaupt für eine Spende in Frage kommt - viele Jahre warten. Nur fünf bis zehn Prozent der gespendeten Herzen gehen an Wartende auf der T-Liste.