TSV 1860 Acht Millionen vom Rivalen

Knallharte wirtschaftliche Gründe statt Nächstenliebe: Die reichen Bayern wollten acht Millionen Euro für die Rettung des TSV 1860 bereitstellen - über einen trickreichen Kredit. Doch der Deal platzte.

Von Andreas Burkert und Klaus Ott

Nur gut eine Woche noch, dann ist der TSV 1860 München möglicherweise pleite. Und Tag für Tag wird es schwieriger, die für das Überleben notwendigen acht Millionen Euro von Banken, Investoren, Konzernen oder anderen Geldgebern aufzutreiben. Dabei war der Traditionsklub, der in der zweiten Fußball-Bundesliga spielt, kürzlich schon so gut wie gerettet - ausgerechnet der Erzrivale, der reiche FC Bayern, wollte durch ein trickreiches Kreditgeschäft die Pleite der Löwen verhindern. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung sollte das Geld allerdings nicht direkt fließen, sondern über den Umweg Bayerische Landesbank.

"Wir hätten der Landesbank die acht Millionen Euro für zwei Prozent Zinsen zur Verfügung gestellt, und die Landesbank hätte das Geld dann für vier Prozent an die Löwen weiterverleihen können", sagte Bayern-Präsident Uli Hoeneß der SZ.

Besprochen hatte Hoeneß diese Lösung am 18. Februar, einem Freitag, bei Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) mit Sechziger-Chef Dieter Schneider. Telefonisch zugeschaltet waren Finanzminister Georg Fahrenschon (CSU) und Landesbank-Chef Gerd Häusler. "An diesem Abend war für uns die Sache durch, alles war bis ins Detail besprochen", erinnert sich Hoeneß. Gescheitert sei die Rettungsaktion seiner Einschätzung nach an Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP). Der habe erst nach dem Wochenende davon erfahren. Zeil sei "beleidigt" gewesen, sagt Hoeneß.

Wirtschaftsminister Zeil ist für die Landesanstalt für Aufbaufinanzierung (LfA) zuständig, eine Förderbank des Freistaats, die den Millionenkredit mit einer Bürgschaft stützen sollte. Doch die LfA spielte nicht mit. Im Kontrollorgan der Förderbank legte Zeil ein Veto ein, zusammen mit mehreren CSU-Politikern und Wirtschaftsvertretern. Die Förderung des Profisports sei "nicht mit der Aufgabenstellung und dem Förderauftrag der LfA vereinbar", teilte das Wirtschaftsministerium am Montag mit.

Für die Bayern wäre die Rettung des Lokalrivalen ein gutes Geschäft gewesen. Bis 2025 müssen die Sechziger in der Allianz Arena des FC Bayern spielen und dafür mehrere Millionen Euro pro Saison zahlen. Geht 1860 pleite, gilt der Mietvertrag für die Arena nicht mehr. Dann würde, so heißt es beim TSV 1860, den Bayern auf Dauer eine Menge Geld entgehen: "50 Millionen plus X". Hoeneß habe den Löwen nicht aus Nächstenliebe helfen wollen, sondern aus "knallharten wirtschaftlichen Gründen".

Nun wird es für die Sechziger schwer. Große Münchner Unternehmen wie der Autobauer BMW, der Lastwagen-Konzern MAN oder der Versicherungsriese Munich Re stehen für eine Rettungsaktion nicht bereit. Löwen-Chef Schneider kämpft dennoch weiter. Nach Angaben aus Vereinskreisen laufen noch Gespräche mit mehreren potenziellen Investoren, die den erforderlichen Millionenbetrag aufbringen sollen.

Als Gegenleistung könnte ein solcher Geldgeber die Option erhalten, später bei der Fußball-GmbH der Sechziger einzusteigen, mit bis zu 49 Prozent. Die Mehrheit muss, das sehen die Vorschriften der Bundesliga vor, beim Verein bleiben.

Derzeit sind die Anteile der Fußball GmbH wenig wert, doch das könnte sich nach einer Sanierung schnell ändern. Die Löwen hoffen außerdem weiterhin auf eine Lösung mit der Landesbank und eventuell auch der Stadtsparkasse, sofern private Kreditinstitute den größeren Teil der nötigen Darlehen gewähren. Löwen-Chef Schneider versucht es überall, sogar jenseits der Alpen in Italien.

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