Studenten-Demo Die Letzten ihrer Art

Die neue Regierung in Baden-Württemberg will die Studiengebühren abschaffen: Für das Aus im Freistaat gingen in München die Studenten auf die Straße - doch weit weniger als vom Veranstalter erwartet.

Von Sebastian Krass

Die Veranstalter hatten ihren Mund doch zu voll genommen. Statt der angekündigten "mindestens 7000" waren es etwa 1000 Demonstranten, die am Donnerstagnachmittag in München die Abschaffung von Studiengebühren in Bayern forderten. Gleichzeitig waren in Würzburg und Erlangen insgesamt etwa 1000 weitere Studenten auf der Straße.

Die Redner in München sahen zwei Wege, um ihr Ziel zu erreichen. Der eine ist ein Regierungswechsel. "Es ist unrealistisch, dass Seehofer und Heubisch ihre Meinung zur Campus-Maut ändern, aber sie haben nicht das natürliche Recht, die Regierung zu bilden", sagte Franziska Traube, hochschulpolitische Referentin des Asta an der Technischen Universität München, auf der Kundgebung am Geschwister-Scholl-Platz. "Wir müssen die Leute in den Hörsälen und auf den Straßen überzeugen. Studiengebühren sind ein Prestigeprojekt Einzelner. Sie haben die Chancen auf Bildung verschlechtert, nicht verbessert."

Ein Regierungswechsel ist naturgemäß auch das Ziel von Isabell Zacharias. "Bei der nächsten Wahl wird das schwarz-gelbe Gesocks abgewählt", rief die hochschulpolitische Sprecherin der Landtags-SPD, die aus der Prognose einen Regierungsauftrag ableitete. "Dann schaffen wir auch die Kita-Gebühren ab. Denn von früh bis spät: Bildung muss kostenlos sein."

Die zweite Argumentationslinie zielte auf einen Sinneswandel der jetzigen Regierung. "Manchmal denkt man sich: Wir schaffen das in Bayern nicht", gestand Nadine Ponsel, die für die Studierenden im Senat der Ludwig-Maximilians-Universität sitzt. Aber jeder, der bereits aktiv gegen Studiengebühren gewesen sei - ob in Bayern oder dem Rest der Republik -, habe zur Abschaffung in den anderen Ländern beigetragen, zuletzt geschehen in Baden-Württemberg.

Inzwischen halten nur noch Bayern und Niedersachsen an Studiengebühren fest. "Die CSU hat ja auch bei der Atompolitik eine Kehrtwende vollzogen." Hier knüpfte Peter Seyferth als Vertreter der wissenschaftlichen Mitarbeiter an. "Weil Herrscher lieber an der Macht bleiben, als ihren Prinzipien treu zu bleiben, lassen sie sich auf Kompromisse ein, wenn man sie nur genug bedrängt", sagte der Politologie-Dozent von der LMU.

Sichtbarstes Symbol der Demonstration waren die orangefarbenen Luftballons, auf denen das Motto der Kampagne "SoS - Studieren ohne Studiengebühren" stand. Mit Transparenten wie "Saarland, Hessen, NRW - Bayern pennt wie eh und je" machte sich ein Zug auf den Weg über die Staatskanzlei zum Marienplatz, wo die Abschlusskundgebung stattfand. Dabei wurde in weiteren Reden eifrig auf die "Betonköpfe" in der Landesregierung geschimpft. Der Protest gegen die Gebühren aber wird noch lauter und mächtiger werden müssen, um die Regierung wirklich nervös zu machen.