Ein Pro und Contra von Katja Riedel und Michael Ruhland

Gehört "Antipoden-Akrobatik" oder "meditatives Qi Gong" in eine Sauna? Vielen gefallen die neuen Thermen-Trends, andere zweifeln jedoch daran, dass dies dem wahren Wesen der Sauna entspricht.

Nie wieder Nirwana - von Katja Riedel

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Und irgendwann erzählt sicher irgendwer diesen Witz. Mit der Pointe, dass "Sauna" daher stamme, dass man sich darin so "sau nah" komme. Sagt's und schüttelt sich vor Lachen, auf dass die Spritzer seines teuer erkauften Schweißes von seinem Körper auf das Handtuch oder, noch schlimmer, die Haut des Nebenschwitzers tropfe.

Nein, dies hier ist keine Verdammung des Saunierens an sich. Denn Saunieren an sich entspannt nicht nur, sondern ist auch gesund, es stärkt die Abwehrkräfte und hebt die Laune, wenn man nach dem Wüstensturm im Holzhüttchen durch den Schnee rennt, um sich in den eiskalten See zu werfen (oder sich zumindest, wenn der See fehlt, einen Eimer eiskalten Wassers über den Kopf zu schütten).

Allein, das Saunieren an sich, es ist verschwunden, in Resten am Leben gehalten in den Reservaten der Bodenständigkeit: den Privat- und Vereinssaunen, in denen noch mit einfachsten Ingredienzien aufgegossen (Zitrusaufguss aus der Apotheke) und gewedelt wird, ganz ohne Schamanenzauber und anderen esoterischen Hokuspokus.

Dieser neumodische Kram nämlich ist ganz und gar ungesund, dieser Aufgusszirkus, der magische Dufterlebnisse verspricht: mit bei Mondschein von arabischen Kindern gezupften Rosenblüten, mit künstlichen Granatapfel-Minztee-Aromen, deren Flaschen aussehen, als bewahre sie ein Chemielehrer im Giftschrank auf, und auf denen steht, dass es sich um hochentzündliche, hochgiftige Substanzen handele.

Und mit einem Gesicht des Saunameisters, das bedeutet, er werde nun nicht einfach kaltes, mit künstlichen Aromen angereichertes Wasser auf einen heißen Stein gießen, um dann mit dem Handtuch die Luft in Zirkulation zu versetzen, sondern, nein: Er werde nun nicht weniger als ein Kunstwerk vollenden.

Für das bekommt er am Ende, unter Juchzen des Saunavolkes, das dicht gedrängt auf meist zu kleinen Handtüchern kauert, schallenden Applaus und Fußgetrappel. Beides nimmt er mit Stolz, und, ja wirklich, manchmal sogar mit einer Verbeugung entgegen, mit nichts als einem Leinen- oder Handtuch um die Lenden.

Doch lächerlich ist nicht nur der Anblick, sondern der Kult um etwas, dessen größter Vorzug einst war, lässig zu sein, nackt und ungeschminkt. Die weltgrößte Saunalandschaft steht bekanntlich in Erding, und dort erwartet die Besucher im Januar nicht weniger als eine Reise ins Land des Lächelns, "Antipoden-Akrobatik mit Wang Fei, chinesischer Löwentanz, Obstschnitzkunst und Showtänze aus Thailand sowie Kalligraphie oder meditatives Qi Gong" bei der Mitternachtssauna inklusive, heißt es auf der Internetseite der Therme. Zu haben für stattliche, aber wenig familienkompatible 37 Euro am Tag.

In Finnland, an das die deutschen Aufgusssaunen nur mehr dem Namen nach erinnern, schüttelt man über derlei Tamtam nur ungläubig die Köpfe. Diese verrückten Deutschen!

Wie die Finnen so saunieren? Ganz einfach, in ihrem Häuschen, mit duftlosem Wasser, in das höchstens ein wenig Birkenaroma oder Teer hineingeträufelt wird. Es gilt die Regel: "Sillä puheet kenellä kuuppa", frei übersetzt: "Wer die Kelle hat, hat das Wort", und die Kelle hat der, der am nächsten am Ofen sitzt. Saunameister und Handtuchwedeln gibt es nicht.

Ins Nirwana möchte auf diese Weise kein Finne gelangen, die Finnen wollen sich einfach auf angenehm warme Art reinigen. Wie in einer großen, heißen Gemeinschaftsbadewanne, mit Familie und Freunden. Und manchmal sogar mit Bier und Würstchen, die sie auf dem Ofen grillen.

In die Eventsaunen-Wellnesssprache ließe sich das übrigens problemlos übersetzen: in einen ursprünglichen Barbecue-Würz-Guss aus den tiefen Wäldern des Nordens. Eine Weißbiersauna gibt es ja schon im Erdinger Thermenparadies.

Lesen Sie auf der nächsten Seite die Gegenthese von Michael Ruhland.

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