Wir öffnen Türen Zimmer ohne Frühstück für 60 Euro

Der Leiter der Starnberger Polizeiinspektion, Bernd Matuschek, gewährt Einblicke in die Arrestzelle seiner Dienststelle.

(Foto: Georgine Treybal)

Wer in der Ausnüchterungszelle der Starnberger Polizei landet, muss den Aufenthalt unter Umständen selbst bezahlen

Von Peter Haacke, Starnberg

"Ausnüchterungszelle" heißt der spartanisch ausgestattete Raum im Volksmund, amtlich nennt sich die knapp zehn Quadratmeter große Arrestzelle der Polizeiinspektion Starnberg "Haftraum": gemauertes Bett, abwischbare Unterlage, reißfeste, schwer entflammbare Decke, Edelstahlklo ohne Deckel, eine gemauerte Sitzgelegenheit, Glasbausteine statt Fenster - alles nahezu unzerstörbar. Zwei Knöpfe an der kahlen Wand ermöglichen eine Kontaktaufnahme mit den Beamten. Im Vorraum - abgetrennt durch ein Metallgitter mit Tür - gibt es eine Waschgelegenheit. Das war's. Und damit es keine Engpässe gibt, haben Bayerns Inspektionen gleich zwei dieser Hafträume. "Standard", sagt Polizeichef Bernd Matuschek.

Im Keller der Inspektion an der Rheinlandstraße landen sie also: Gestrandete, Gesuchte, Verdächtigte, Verwirrte, Hilflose und potenzielle Straftäter. Meist aber sind es Betrunkene, die in Gewahrsam genommen werden, sagt Matuschek, und blättert im Haftbuch: Frauen sind eher seltene Gäste in der kargen Unterkunft. Länger als 24 Stunden bleibt kaum einer.

"Der Spaß hier drin ist begrenzt", scherzt Matuschek. Es herrscht Rauchverbot in der Zelle, kein Radio, kein Fernsehen, keine Zeitung. "Normalerweise kriegen die hier einsitzenden Personen nichts", sagt der Chef von derzeit 48 Beamten. Alle 20 bis 30 Minuten schaut ein Polizist durch den Spion in der Tür. "Den meisten Personen wird erklärt, was passiert", sagt Matuschek, "und sie bleiben ruhig". Aber es gibt auch andere, die durchdrehen, randalieren und schreien, am Gitter rütteln, mit dem Kopf gegen die Wand schlagen. Einer hat sogar vergeblich versucht, die dicken Glasbausteine zu zerstören.

Dramen haben sich in den Starnberger Hafträumen seit Amtsantritt von Matuschek als Inspektionsleiter im Jahr 2013 bislang nicht abgespielt. Alle Jahre wieder mal hat eine Faschingsgesellschaft die Idee, die Inspektion zu stürmen und landet dann folgerichtig im Haftraum, allerdings nur für ein Foto. "Am längsten bleiben die Betrunkenen in der Zelle", sagt Matuschek. Je nach festgestelltem Promillewert legt ein Richter die Dauer des Aufenthalts für die gestrandeten Zecher fest, in Extremfällen übernimmt gleich der Arzt. Im Gegensatz zu allen übrigen Fällen müssen selbst verursachte Abstürze durch Alkohol aber bezahlt werden: 60 Euro kostet der Aufenthalt in der Ausnüchterungszelle der Polizei. Dafür gibt es im Zweifel nicht mal ein Hotelzimmer. Allerdings, räumt Matuschek ein, gibt es bei der Polizei auch kein Frühstück.