Verkehr Gemeinde darf Autofahrer nicht schikanieren: Weßling muss Hindernisse abbauen

Die Regierung von Oberbayern zwingt den Ort dazu. Doch im Rathaus denkt man sich neue Mittel aus, um den Verkehr auf die neue Umfahrung zu lenken.

Von Patrizia Steipe

Für die Weßlinger sind es "Beruhigungsinseln" oder sie nennen die Pfosten auf der Hauptstraße liebevoll "Nasen", für einige Autofahrer sind diese Maßnahmen, die zum Slalomfahren durch die Hauptstraße zwingen, nichts anderes als Schikane. Dieser Meinung hat sich die Regierung von Oberbayern angeschlossen. Nach einer Beschwerde eines Autofahrers hat die Behörde das Landratsamt Starnberg angewiesen, die Gemeinde Weßling aufzufordern, alle Hindernisse abzubauen - und zwar "unverzüglich".

Die Maßnahmen seien unverhältnismäßig und dienten dazu, den Verkehr zu "vergrämen". Das sei aber nicht zulässig. Mehrere Gespräche, in denen die Weßlinger für ihre besondere Art der Verkehrsberuhigung geworben hatten, sind gescheitert. Die Behörden blieben bei ihrem Nein.

In der jüngsten Gemeinderatssitzung stimmten die Weßlinger mit zwölf gegen fünf Stimmen gegen den behördlich angeordneten Abbau. Als Kompromiss schlugen die Räte vor, dass sie zwar - in Abstimmung mit den Behörden - etwas an der Verkehrsführung ändern werden, aber selbst bestimmen wollen, was. Falls das nicht durchgeht, soll ein Anwalt eingeschaltet werden, um Widerspruch einzulegen. "Die Gemeinde hat aufgrund des Bürgerwillens die Umfahrung errichtet, um die Bürger von Lärm und Emissionen zu entlasten", sagte Bürgermeister Michael Muther. Ohne geschwindigkeitsreduzierende Maßnahmen würde es nie gelingen, den Durchgangsverkehr aus dem Ort zu bringen, war sich das Ratsgremium einig.

Nachdem die Umgehungsstraße vor rund einem Jahr eröffnet worden war, hatten die Weßlinger als provisorische Maßnahme mehrere Verkehrsinseln auf der Hauptstraße platziert, um die Autofahrer auf die Umgehungsstraße zu locken. Die Inseln zwingen nämlich zum Langsamfahren, bei Gegenverkehr muss häufig sogar angehalten werden. Erste Erfolge gibt es bereits, die anfangs relativ verwaiste neue Umgehung wird allmählich angenommen. Und entgegen aller Prophezeiungen seien auch die Unfallzahlen gesunken.

Trotzdem würden immer noch viel zu wenige Fahrer die Umgehung nutzen und zu viele durch Weßling fahren. Ursprünglich sollte die Zahl der Autos im Ort von mehr als 17 000 am Tag nahezu halbiert werden. Verkehrsplaner Christian Fahnberg (Ingenieurbüro Ingevost) hatte die Ergebnisse der jüngsten Verkehrzählung vom Oktober mitgebracht. Sein Fazit: "Auf der Westumfahrung fehlen noch circa 7000 Fahrzeuge am Tag und in der Ortsdurchfahrt sind es noch 4000 bis 5000 Fahrzeuge zu viel."

Wenn die Autobahn sechsspurig ausgebaut sei und es keine Baustelle mehr gebe, würden noch mehr Autos die Umgehung nutzen - allerdings nur, wenn es dadurch schneller geht. "Der Weg durch den Ort muss zeitlich länger sein als über die Umfahrung", mahnte der Verkehrsplaner.

Er hatte auch schon Ideen, wie das ohne die Verkehrsinseln funktionieren könnte. So könnten wechselseitig Parkplätze eingerichtet werden. Die Bereiche sollten markiert und mit den "Nasen" begrenzt werden. Die bestehenden Inseln würden dann nur seitlich versetzt werden müssen. "Dann hat das System eine Logik und ist auch für die Regierung nachvollziehbar", sagt Fahnberg, der die bisherigen Maßnahmen als "etwas unmotiviert" bezeichnet hatte. Zusätzlich könnten die beiden Bedarfsampeln im Ort auf Dauerrot geschaltet werden, beschloss der Gemeinderat. Wenn sich ein Fahrzeug mit der zugelassenen Geschwindigkeit nähert, dann schaltet die Ampel auf Grün. Wenn zu schnell gefahren wird, dann bleibt die Ampel rot und würde erst später grün.