Starnberg: Verwaltung in der Kritik Die Stadt und das Hochwasser

Das Starnberger Rathaus zieht ein erstes Fazit nach dem Hochwasser. Doch nicht alle sind mit der Verwaltung und ihrem Krisenmanagement zufrieden.

Von Quirin Maderspacher

Was das Rekordhochwasser am Starnberger See an Kosten für die Stadt verursacht hat, lässt sich noch nicht genau beziffern. Detaillierte Zahlen werden erst im Dezember vorliegen, dann wird es auch eine Manöverkritik geben. Aber schon jetzt muss die Verwaltung Kritik für ihr Hochwasser-Management einstecken.

Die Bahnhofsunterführung an der Starnberger Seepromenade unter Wasser. Bürgervertreter kritisieren nun, dass kein zweiter Steg gebaut wurde.

(Foto: Georgine Treybal)

Anhand der Daten des Wasserwirtschaftsamts Weilheim erläuterte Augustin Ullmann von der Stadtverwaltung, dass der bisherige Höchststand von 1999 am ersten August-Wochenende mit 585,03 Meter über Normalnull um sieben Zentimeter überschritten worden sei. Zum Einsatz kamen die Feuerwehr sowie der städtische Betriebshof. Auch das Technische Hilfswerk (THW) half, 40.000 Sandsäcke zu füllen, um die Stadt und besonders die Wassersportsiedlung zu schützen. Das THW baute dort wie auch in der S-Bahn-Unterführung Stege. Für die Zukunft stehen nun stets 1000 Sandsäcke für den Notfall zur Verfügung.

Auch intern musste die Verwaltung die Folgen der Fluten bewältigen. Verärgerte Bürger fragten beispielsweise, warum die Bahnhofsunterführung nicht ausgepumpt werde. Da der dortige Ablauf aber direkt mit dem See verbunden sei, wäre ein Abpumpen des Wassers sinnlos, so Ullmann. Sowohl Vizebürgermeister Ludwig Jägerhuber als auch Ullmann sprachen den Helfern ihren Dank aus und stellten eine gesonderte Würdigung der Hilfsdienste in Aussicht.

Trotz der Anstrengungen kam Kritik von mehreren Seiten. Jürgen Busse (UWG) kritisierte die Situation an der Bahnunterführung. Dass die Durchgangshöhe nur 1,50 Meter betragen kann, lasse er sich noch eingehen, "unzumutbar" sei allerdings, dass kein zweiter Steg gebaut worden sei - besonders für Reisende mit Koffern oder Kinderwagen sei dies problematisch. Der SZ gegenüber erklärte Ullmann, dass ein zusätzlicher Steg nur bedingt sinnvoll sei, da bei sinkendem Wasser eine Seite der Unterführung bald wieder begehbar werde.

Gerd Weger (CSU) äußerte Kritik am bisherigen Umgang mit der Wassersportsiedlung. Ein lediglich für Wochenendhäuser zugelassener Stadtteil dürfe nicht ständig bewohnt sein. Jägerhuber versprach Aufklärung, man wolle die Bewohner wegen der derzeitigen Situation aber "nicht sofort mit rechtlichen Schritten" belasten. Sowohl SPD-Stadtrat Tim Weidner als auch der Grünen-Politiker Franz Sengl verlangten Auskünfte über die zukünftige Häufung von derartigen Hochwassern. "Die Politik reagiert langsamer als die Wissenschaft", bemängelte Sengl.