Starnberg Roboter begeistern Schüler

Gemeinsam mit Simon (re.) und Johanna (li.) nimmt Sponsor Wilhelm Stemmer (Mitte) den neuen Roboterbausatz unter die Lupe. Der ist 460 Euro wert.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Viele Gymnasiasten arbeiten sogar in der Mittagspause an dem Projekt des Wahlkurses. Sie sind froh, mitmachen zu dürfen

Von Klara Weidemann, Starnberg

"Das hier ist wie eine Befreiung aus dem grauen Schulalltag", schwärmt der zwölfjährige Simon. Er besucht die Klasse 7a. Seine große Begeisterung gilt dem Wahlkurs Robotic, der seit diesem Jahr am Starnberger Gymnasium angeboten wird. Möglich gemacht hat diesen Kurs der Physik- und Geografielehrer Bertram Wegner und der Geschäftsführer der Stemmer GmbH, Wilhelm Stemmer, der 2300 Euro aus seiner Stiftung für fünf neue Roboter-Bausätze gespendet hat.

80 Schüler wollten am Anfang des Schuljahres an dem Wahlkurs Robotic teilnehmen. Auf ein so großes Interesse sei man nicht vorbereitet gewesen, gibt Schulleiter Josef Parsch zu. "Das übertrifft sogar das Interesse an unserem Chor", sagt er. 18 Schüler seien daraufhin ausgelost worden. Seit September programmieren diese jede Woche eine Stunde - und zwar freiwillig, denn es gibt keine Noten dafür. Manche opfern sogar ihre Mittagspause für den Kurs.

Das Geld der Schule habe jedoch nur für drei Roboterbausätze gereicht. "Die Schüler mussten zu sechst an einem Roboter arbeiten", erklärt Wegner. Deshalb habe er sich auf die Suche nach Sponsoren gemacht. Wilhelm Stemmer, der eine Firma für digitale Bildverarbeitung führt, zeigte sich begeistert von dem Projekt und stiftete Geld für fünf neue Roboter. Auch Stemmer ist fasziniert vom Engagement der Schüler: "Es wärmt mir das Herz, wenn ich sehe, wie sie sich für Naturwissenschaften begeistern". Durch sein finanzielles Engagement wolle er die Schüler für Ingenieursberufe begeistern. Er selbst stamme schließlich "aus einem ingenieurslastigen Haus". Er selbst bastelt nicht an den Robotern herum. Die Technik sei ihm zu fremd, erklärt er. "So ein Projekt hängt immer am Lehrer. Das müssen junge, interessierte Leute sein", sagt er. Dem stimmt auch Josef Parsch zu: "Wir sind einfach eine andere Generation. Ich bin so nicht aufgewachsen, deshalb bewundere ich die heutigen Kinder".

Auch viele Mädchen sind unter den Teilnehmern. "Ich habe mich schon immer für Technik interessiert", sagt die 13-jährige Johanna. Sie hat ihren Lehrer gerade auf einen Fehler in der Programmierung aufmerksam gemacht. Johanna ist froh, dass sie das richtige Los gezogen hat und im Kurs mitmachen darf. Die spezielle Förderung von Mädchen ist Stemmer sehr wichtig. "Ich unterstütze die Initiative Roberta vom Fraunhofer Institut", erklärt er. Dort wird versucht, das Thema Roboter für Mädchen ansprechend zu gestalten. "Buben wollen immer Fußball-Roboter bauen. Wir versuchen, aber auch mal einen Roboter-Hasen zu programmieren, der eine Höhle finden muss". Wie praktisch das Gelernte sein kann, erklärt Simon: "Wir lernen hier so viel, zum Beispiel, warum ein Auto beim Rückwärtsfahren piept. Das wird uns im Unterricht nicht beigebracht".

Lehrer Wegner schlug den Kurs aus persönlichem Interesse vor: "Ich bin ja Physiklehrer", sagt er. Von nun an will er den Kurs regelmäßig anbieten. "Das große Ziel ist es, die Schüler auf Wettbewerbe vorzubereiten." Und er scheint Erfolg damit zu haben, denn ein paar haben Interesse, am Roboterwettbewerb First Lego League teilzunehmen. "Das ist so ähnlich wie Jugend forscht", sagt er. Viele bringen großes Talent mit und sind sehr ambitioniert. Obwohl der Kurs kein Vorwissen voraussetzt, kannten sich einige Kinder schon vorher mit Robotern aus. Max aus der 7b zum Beispiel. Er hatte schon mal einen eigenen Roboter. "Der putzt heute meine Toilette", sagt er. Den neu gestifteten Lego-Robotern aus dem Kurs will er dieses Schicksal aber ersparen.