Starnberg Bedrohlich flaches Wasser

Der Schlamm muss raus. Spezialist Andreas Mailhammer baggert den Hafen des Deutschen Touring Yacht-Clubs in Tutzing aus.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

In Häfen, Werften und um Bootshäuser und Stege im Starnberger See wird schwer gebaggert

Von Christian Deussing, Starnberg

Damit Schiffe in den Häfen, Werften oder an Bootshäusern und Stegen nicht auflaufen, muss der Schlamm ausgebaggert werden. Das geschieht jetzt am Starnberger See an vielen Stellen, zum Beispiel im inneren Hafenbecken des Deutschen Touring Yacht-Clubs (DTYC) in Tutzing. "Wir müssen handeln, bevor an der vorderen Liegeplatzreihe ein Boot aufsitzt und beschädigt wird," sagt DTYC-Präsident Wolfgang Stückl. Denn es ist dort bedrohlich flach geworden, nachdem seit Jahrzehnten in dem Bereich nicht ausgebaggert wurde. Eine Spezialfirma hat nun begonnen, Schlamm auf eine Schute zu hieven und ihn auf einer 50 Meter tiefen und behördlich genehmigten Stelle zwischen Niederpöcking und Kempfenhausen im See zu verkippen. Die Kosten für den Club würden sich auf mehr als 30 000 Euro belaufen, teilte Stückl mit.

Sämtliche Sedimente sind an den insgesamt zehn Seeplätzen, wo bis Ende Oktober ausbaggert werden soll, zuvor chemisch analysiert worden. Nur eine Probe sei belastet gewesen, weshalb dieser Schlamm nur auf dem Landwege entsorgt werden dürfe, sagte auf Anfrage Markus Brandtner, Abteilungsleiter beim zuständigen Wasserwirtschaftsamt Weilheim. Er verweist darauf, dass die Methode biologisch unbedenklich und mit dem Starnberger Landratsamt und auch mit der Fischereigenossenschaft Würmsee abgestimmt sei. Denn die Umlagerung von Sedimenten habe 1999 als Pilotprojekt begonnen und sich seitdem bewährt, berichtet Brandtner. Es sei für den Starnberger See ein "geeignetes und umweltgerechtes Verfahren", das aber im Ammersee nicht angewendet werden könne. Denn einerseits sei dort die Tiefe nicht ausreichend, andererseits der Abfluss der Amper zu stark, so der Wasserschutz-Experte.

Dagegen wird der Starnberger See nur von wenigen kleineren Zuflüssen mit "geringer Schwebstoffführung gespeist", heißt es in einer Hydrologie-Analyse des Wasserwirtschaftamtes, die sich mit dem Ausbaggern und Umladung von Sedimenten befasst. Das Wasser der zwei Hauptzuflüsse im Norden des Starnberger Sees - der bei Percha einmündende Lüßbach sowie der Georgenbach - transportierten Feinteile in den See, aber auch mit der Strömung der Würm in den Seeausfluss. Diese Ablenkung nennen die Experten "hydraulischen Kurzschluss". Zudem seien die strömungsberuhigten Hafenbecken der Werften und Yachthäfen mit ihren Zufahrten und Fahrrinnen besonders betroffen, weil sich dort die Feinteile verstärkt ablagern.

Das weiß sicher auch Anton Dreher, Geschäftsführer der Rambeck-Werft in Starnberg. Vor sechs Jahren war in seinem Hafen zuletzt Schlamm ausgebaggert worden - nun wird es Zeit, wieder eine größere Tiefe herzustellen. Das Wasser müsse vor allen besser ablaufen, erläutert Dreher. Es gebe Ablagerungen auf 50 Meter Länge, es sei ein Aushub von 1500 Kubikmetern nötig. Die Rambeck-Werft muss dafür nach eigenen Angaben etwa 45 000 Euro ausgeben.

In einer konzertierten Aktion wird die Schute der Ausbaggerfirma Mailhammer noch die Sattler-Werft, den Münchner und Bayerischen Yachtclub sowie die Pioniere in Percha und einige Bootsstege anfahren. Verfrachtet wird der Schlamm auch an einer zweiten, 60 Meter tiefen Stelle südwestlich von Bernried.