Sparkurs VR-Bank schließt zehn Filialen

Die Filiale der VR-Bank in Stockdorf steht auf der Streichliste. Sie wird zum Jahreswechsel geschlossen, die Kunden sollen ins nahe Krailling ausweichen.

(Foto: Georgine Treybal)

Im Landkreis Starnberg sind die Standorte Breitbrunn, Hechendorf, Traubing und Stockdorf betroffen. Als Grund nennt der Vorstand mangelnden Publikumsverkehr

Von Otto Fritscher, Starnberg

Peter Geuß wählt drastische Worte: "Die sitzen da, und es kommt kein Kunde." Der Vorstandsvorsitzende der VR-Bank Starnberg-Herrsching-Landsberg spielt damit auf die Bankmitarbeiter in kleinen, meist dörflichen Filialen an. Zweigstellen, in denen der Kundenverkehr in den vergangenen Jahren deutlich nachgelassen hat. "Wenn zwei oder drei Kunden pro Stunde kommen, kann man es wirtschaftlich nicht vertreten, die Filiale offen zu halten", sagt Geuß. So habe sich die VR-Bank nach neunmonatiger Prüfung dazu entschlossen, ihr Filialnetz zu "konsolidieren", was im Klartext heißt: Zum Jahreswechsel werden zehn Zweigstellen der VR-Bank geschlossen.

Es handelt sich um die Standorte Breitbrunn, Traubing, Stockdorf und Hechendorf im Landkreis Starnberg, so wie die Standorte Antdorf, Habach, Dettenschwang, Stadl, Reichling und Rott in den Landkreisen Weilheim und Landsberg, die nur teilweise zum Geschäftsgebiet der Genossenschaftsbank gehören. Dann hat die VR-Bank noch 29, statt wie bisher 39 Filialen.

Als Grund für die Schließung nennt Geuß das veränderte Kundenverhalten: "Immer mehr Bankgeschäfte werden online, im Internet oder per Handy-App, von den Kunden erledigt." In manchen Filialen beträgt die Online-Quote bei Transaktionen wie Überweisungen oder Daueraufträgen mehr als 40 Prozent, Spitzenreiter ist die Filiale in Hechendorf, wo 57 Prozent aller Geschäftsvorfälle digital von den Kunden selbst erledigt werden - ohne dass jene ein Bankgebäude betreten. "Wir müssen die Bank zukunftsfähig machen, und dazu gehört auch, das Filialnetz zu überprüfen", sagt Vorstandsmitglied Josef Pölt. Dies habe man nach verschiedenen Kriterien getan, nicht nur nach der Kundenfrequenz, auch nach dem Kundenstamm - es gibt Filialen mit nur 300 Kunden - oder der Entfernung zur nächstgelegenen Filiale. Von der Stockdorfer zur Kraillinger Geschäftsstelle seien es etwa gerade mal 780 Meter, deshalb werde Stockdorf geschlossen. "Einige Filialen sind bei der Überprüfung auf der Kippe gestanden, aber die haben wir gehalten", erklärte Geuß bei einem Pressegespräch am Mittwochvormittag. Die Kunden der zu schließenden Standorte sollen sich dann an die "Kompetenzzentren", wie größere Filialen genannt werden, in Tutzing, Krailling, Seefeld und Herrsching wenden. Dort werden die Öffnungszeiten ausgeweitet und angeglichen (8.30 bis 12 Uhr und 14 bis 16 Uhr, donnerstags bis 18 Uhr), in den VR-Banken in Starnberg, Herrsching und Gauting fällt die Mittagspause weg. Die Mitarbeiter - betroffen sind rund ein Dutzend - werden in nahegelegene Kompetenzzentren versetzt, so dass der Kunde die gewohnten Ansprechpartner vorfinden soll. Geuß betont: "Es gibt keine Kündigungen."

Ausgeweitet wird im Gegenzug der telefonische Kundenservice. "Wir bauen in Weßling unser spezielles Team dafür aus, das als Ansprechpartner für alle Anliegen dient, von der einfachen Überweisung bis zum Vereinbaren eines Beratungstermins oder auch für den Geldboten, der älteren Menschen, die nicht mehr mobil sind, bei Bedarf Bargeld ins Haus bringt", sagt Geuß. Jeder Serviceteam-Mitarbeiter muss bereits jetzt 150 Anrufe am Tag bearbeiten. Geuß ist wichtig, dass in der Umstrukturierung keine Gebührenerhöhung versteckt ist. Das Geschäftsjahr 2017 verlaufe "nach Plan", so Geuß auf SZ-Anfrage.

"Jetzt sind wir durch. Alle Filialen sind nach jetzigem Stand überlebens- und zukunftsfähig. Für die nächsten Jahre wird hoffentlich wieder Ruhe einkehren", sagt Vorstandsmitglied Josef Pölt. Doch gewiss ist das nicht. Und eines ist Geuß noch wichtig: "Wenn man unser Geschäftsgebiet zugrunde legt, haben wir immer noch die meisten Filialen." Er meint: Mehr als die Kreissparkassen.