Musik Blondinen, Bananen und Gorillas

Mit Schlagern, Filmmelodien und Evergreens ins neue Jahr: Das Salonorchester Csárdásparadies beim Auftritt in Andechs.

(Foto: Georgine Treybal)

Das Salonorchester Csárdásparadies gibt ein spätes Neujahrskonzert im Klostergasthof Andechs

Von Reinhard Palmer, Andechs

Csárdás kam nur marginal zum Zuge. Klar, auch wenn sich ein Ensemble Csárdásparadies nennt, muss es nicht ausschließlich diesen ungarischen Tanz spielen. Der Name ist eher als Absichtserklärung zu verstehen, leidenschaftlich und temperamentvoll zu interpretieren. Und genau das tat dieses zwölfköpfige Salonensemble auch, das unter der Leitung des Kapellmeisters Gerald Schmidtsdorff als Primus inter pares am Klavier im ausverkauften Theatersaal des Andechser Klostergasthofs ein spätes Neujahrskonzert gab.

Die instrumentale Ausstattung zielte mit fünf Streichern - drei Violinen, Violoncello und Kontrabass -, Klavier, zwei Klarinetten beziehungsweise Saxophonen, Tuba und Schlagzeug auf eine schlanke, kammermusikalische Linie ab, die mit den zwei Bassinstrumenten auf ein solides Fundament bauen konnte. Nach Bedarf kam das Akkordeon zum Einsatz, wenn ein sentimental-nostalgisches Klangbild gefragt war. Und die charmante und gewandte Moderatorin Sandra Vengadasalam, aus anderen Ensembles als Geigerin bekannt, griff zur Harfe, um darauf über ostinaten Bassfiguren die Geschichte eines orientalischen Prinzen solistisch zu erzählen.

Wer an diesem Abend Wiener Walzer, Strauß-Polkas oder -Märsche erwartete, wurde wohl eher enttäuscht. Es ging vielmehr um Operettenschlager, alte Filmmelodien, Evergreens, Lieder und Traditionelles. Durchaus auch aus der klassischen Ecke, etwa mit dem Ungarischen Tanz Nr. 6 von Brahms, wirkungsvoll kontrastiert zwischen scharfer Rhythmik und geschmeidiger Melodik. Für den Gesang in Giuseppe Giordanis "Caro mio ben" fischte sich Vengadasalam eine Konzertbesucherin heraus, die sich, in ein schickes Kleid gesteckt, als Ensemblemitglied entpuppte. Sopranistin Andrea Buchwald blieb allerdings auch in der Rolle von Zarah Leander ("Nur nicht aus Liebe weinen") recht regungslos am Klavier stehen. Stimmlich vermochte Buchwald mit Schlagern überzeugend umzugehen. Ihre etwas gehemmte Haltung im beschwingten "Ausgerechnet Bananen!", im beherzt-heiteren "Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da" und dem schmissigen "Puszta-Fox" war wohl ihrer Rolle als zufällig aufs Podium geratener Konzertbesucherin geschuldet, sie bis zum Schluss beizubehalten hatte.

Die launige Unterhaltung kam dennoch nicht zu kurz. Gerade Schlager aus der Feder von Peter Kreuder wie "Annabell" von 1937 oder das berühmte "Musik, Musik, Musik" von 1939 ("Ich brauche keine Millionen", als Erkennungsmelodie von "The Muppet Show" weltbekannt) brachten ausgelassene Stimmung. Doch die Qualität des Programms machte auch die Abwechslung aus, will doch Csárdásparadies ein möglichst breites Spektrum an Emotionen und Sinnenreiz bieten, auch innerhalb der einzelnen Stücke. So begann "Lippen schweigen" aus "Die Lustige Witwe" von Lehár schwungvoll, um dann den Refrain in romantischer Breite fließen zu lassen. Anschließend sorgte der Tango "La Cumparsita" für rhythmisch geprägtes Temperament, aber auch schmachtende Melodik.

Die Leidenschaft des spanischen Stierkampfs im Paso Doble bog ins Humorvolle des "Mein Gorilla hat ne Villa im Zoo" um, behielt dennoch swingende Intensität. Für Schwung sorgte immer wieder der Foxtrott in diversen Varianten. Ein Klassiker darunter zweifelsohne "Das blonde Käthchen" (im Original "La Piccinina"). Zigeunerische Klänge servierte das Salonorchester in freier Ausgestaltung mit dem ungarischen "Die zwei Gitarren", während sich die Klarinettisten vor allem in einem packenden Klezmer von ihrer virtuosen Seite zeigten. Lässig und leicht erklang indes "Le petit Fleur" des großen Jazzklarinettisten Sidney Bechet mit einem fernen Echo aus New Orleans. Die Begeisterung des Publikums reichte noch für drei populäre Zugaben aus.