Kommunalpolitik Schelte für die FDP

Bürgermeisterin Elisabeth Dörrenberg und Maximilian Levasier.

(Foto: Georgine Treybal)

Nach dem Tod von Hellmut Kirchner (FDP) rückt Maximilian Levasier nach - davor hatten allerdings sieben andere Kandidaten das Mandat ausgeschlagen

Von Manuela Warkocz, Tutzing

Es sah alles nach einer harmonischen letzten Sitzung des Tutzinger Gemeinderats vor Weihnachten aus: Vor jedem Ratsmitglied stand am Dienstag ein Nikolaus aus Fairtrade-Schokolade, der Sitzungssaal adventlich geschmückt, auf der Tagesordnung eingangs eine feierliche Vereidigung. Professor Maximilian Levasier sollte für den gestorbenen FDP-Gemeinderat Hellmut Kirchner ins Gremium aufgenommen werden. Nachdem die amtierende Zweite Bürgermeisterin Elisabeth Dörrenberg (CSU) das offizielle Ergebnis der Nachrücker-Prüfung kundgetan hatte - sieben liberale Listen-Nachfolger hatten das Mandat ausgeschlagen oder sind verzogen - setzte Stefanie von Winning (CSU) zu einer geharnischten Suada an. Kernpunkt: Jede Partei solle doch bitte bei Listenaufstellungen schauen, ob ihre aufgeführten Kandidaten wirklich bereit seien, politische Verantwortung zu übernehmen. Dass wie in diesem Fall einer nach dem anderen dankend ablehne, "leiste der Politikverdrossenheit Vorschub", findet die Gemeinderätin und CSU-Kreisvorsitzende.

Juristisch sei der Vorgang sicher einwandfrei gelaufen, so Winning. Allerdings erkennt sie eine "Schieflage", dass alle in Frage Gekommenen aus "persönlichen Gründen" das Mandat ausgeschlagen hätten. Explizit nannte sie Wolfgang Weber-Guskar, den zweiten Nachrücker auf der FDP-Liste. "Merkwürdig ist, er will nicht in den Gemeinderat, stellt sich aber für den Bezirkstag auf", kritisierte Winning den langjährigen Liberalen. Tatsächlich hat die FDP-Kreisversammlung den Mediziner am 29. November nominiert. Er soll Sigrid Friedl-Lausenmeyer als Bezirksrat nachfolgen. Für das Amt empfahl der 70-Jährige sich mit einem 13-strophigen Gedicht, zu finden auf der Homepage der Kreis-FDP. Darin heißt es eher mühsam gereimt: "Den Vorteil bringt das Alter mit:/Bezirk wär´ für mich kein Transit,/es wär´ein Ziel- und Gipfelpunkt,/ein Amt in dem es noch mal funkt".

Auf SZ-Anfrage am Mittwoch begründet Weber-Guskar seine Absage an den Gemeinderat genau mit dieser Bezirkstags-Kandidatur. Er möchte keine Ämterhäufung betreiben, wie er sagt. Daher habe er sich bei der Wahl des Gemeinderats 2014 auch auf den 19. Listenplatz setzen lassen. "Damit habe ich eigentlich dokumentiert, dass ich nicht mehr rein möchte."

Für Tutzinger Wähler mag das nicht so ersichtlich gewesen sein: Sie haben den ortsbekannten Arzt auf Platz drei vorgehäufelt. Dem Gemeinderat gehörte Weber-Guskar schon einmal an, von 1990 bis 2002. Winnings Angriff findet er daher "ungerechtfertigt".

Die Arbeit in dem Gremium sei nicht nur "ehrenvoll", betonte Dörrenberg am Dienstagabend, sondern mache auch Spaß. Man müsse aber voraussetzen, dass "jeder die ernsthafte Absicht hat, sein Amt auszufüllen". Genügend solcher Leute zu finden, sei heute bei Listenaufstellungen vor Wahlen das Problem, schilderte Wolfgang Marchner (Bürger für Tutzing) seine Erfahrungen. Maximilian Levasier kam dann doch noch zu seiner Vereidigung. Dörrenberg wünschte dem 40-jährigen Inhaber einer Steuerkanzlei "erfolgreiche Arbeit und schnelles Eingewöhnen". Dazu empfahl sie die regelmäßige Nach-Sitzung in der Filmtaverne.