Gastronomie Augustiner-Wirt steht in der Kritik

Martin (links) und Max Hippius sind seit Juli 2o16 die Wirte vom "Augustiner am Wörthsee".

(Foto: Georgine Treybal)

Wörthsee-Aktiv und Grüne legen eine lange Mängelliste vor, prangern Behinderungen für Fußgänger an und vermissen einen freien Zugang zum Ufer. Bürgermeisterin Muggenthal weist die Vorwürfe zurück

Von Christine Setzwein, Wörthsee

Da haben sich die Gemeinderäte der Grünen und von Wörthsee-Aktiv (WA) wirklich Mühe gemacht. Und das bei einem Thema, das anzugehen für beide Fraktionen "sehr unerfreulich" gewesen sei, wie es in der in der Sitzung am Mittwoch hieß. Die Rede ist von einer ganzen Reihe von Problemen im Zusammenhang mit dem Gasthof Augustiner am Wörthsee.

Die Mängelliste ist lang: So sei das Grundstück am Seeufer für die Öffentlichkeit nicht immer zugänglich, obwohl das eine Bedingung im Vertrag sei. Bei Reservierungen von kleineren Gruppen werde ein Mindestumsatz gefordert, bei größeren Veranstaltungen wie Jahreshauptversammlungen würden vereinbarte Konditionen nicht eingehalten. Geparkte Autos vor der Gaststätte und der Lieferverkehr auf dem Fuß- und Radweg behinderten Anwohner, Fußgänger und Radfahrer. Es gebe keinen barrierefreien Zugang zum See, die Holzwand zu Nachbarn widerspreche dem Freiflächengestaltungsplan, der nicht mehr auffindbar sei, und es gebe deutlich mehr Sitzplätze im Außenbereich als im Bauantrag angegeben. "Mehr Biertische bedeuten mehr Gäste, und mehr Gäste schaffen noch mehr Parkprobleme, als es ohnehin schon gibt im Sommer", kritisierte Birgit Dietrich (Grüne). Dass der Augustiner zu wenig Stellplätze habe, wurde von den Grünen von Anfang an bemängelt.

Bei einem Gespräch mit Wirt Max Hippius, Norbert Brüggen von der Augustiner-Brauerei und dem Architekten vom Büro Partenfelder seien alle Punkte angesprochen worden, sagte Bürgermeisterin Christel Muggenthal (SPD) am Mittwoch. Laut Hippius wird die Nebentür zum Freigelände täglich morgens zwischen 5 und 7 geöffnet und ab 23 Uhr, spätestens um 2 Uhr abgesperrt. Damit sei das Strandbad in der Praxis länger öffentlich zugänglich als vertraglich vereinbart. Was den Saal betrifft, habe der Wirt eine Liste von Vereinen, die er berücksichtigen muss. Es habe Anlaufschwierigkeiten gegeben, aber jetzt berichteten Vereine, dass der Saal unter der Woche problemlos reserviert werden könne.

Die Lieferfahrzeuge werde Hippius anweisen, dass sie nicht mehr in der Engstelle sondern im Arkadenbereich halten, außerdem werde künftig erst nach 8 Uhr angeliefert, um die Schulwegsicherheit zu gewährleistens, berichtetet die Bürgermeisterin. Zur Bestuhlung der Freiflächen hätten Brauerei und Wirt betont, dass die Anzahl der Tische und die Holzwand vom Landratsamt genehmigt seien. Bei Hochzeiten etwa würden die vorhandenen Biertische nur anders aufgestellt, die Anzahl sei aber die selbe. Im kommenden Jahr werde ein Steg gebaut, der einen barrierefreien Zugang zum See ermögliche.

Ob dies alles so zutreffe, sollte künftig das neue Wörthseer Ordnungsamt kontrollieren, meinte Paul Grundler (WA). Das lehnt aber die Bürgermeisterin ab. "Die Gemeinde muss nicht ständig Polizei spielen", sagte sie. Die Kontrolle liege außerdem beim Starnberger Landratsamt. Sollten Gäste mit dem Service unzufrieden sein oder Vereinbarungen nicht eingehalten werden, sei dies mit dem Wirt zu klären und nicht mit der Gemeinde. Vom ständigen Maßregeln hält auch Jakob Aumiller (CSU) nichts. Der Augustiner sei immer schon eine Großgaststätte "und eine Bereicherung für unseren Ort". Max Hippius war am Donnerstag nicht zu erreichen

Dass Wörthsee-Aktiv und die wieder aufgebaute Traditionswirtschaft - das ehemalige Strandbad Fleischmann - nicht die besten Freunde werden würden, hat sich schon im Kommunalwahlkampf gezeigt. WA wetterte gegen den Erbbaurechtsvertrag über 99 Jahre, den die Gemeinde in nichtöffentlicher Sitzung mit der Brauerei geschlossen hatte, warf dem damaligen Bürgermeister und Gemeinderat Heimlichtuerei und der Brauerei Profitgier vor.