Freier Zugang zum Starnberger See Streit um Uferweg am Albers-Grundstück

Landrat Roth will der Öffentlichkeit in Garatshausen einen weiteren Zugang zum See ermöglichen, doch der Freistaat Bayern ziert sich noch.

Von Sabine Bader

Landrat Karl Roth geht in Sachen Albers-Villa auf Konfrontationskurs zum Freistaat. Während Letzterer die Villa des "blonden Hans" mitsamt Seezugang veräußern will, fordert Roth einen öffentlichen Uferweg und steht auf dem Standpunkt: "Der Freistaat Bayern sollte mit gutem Beispiel vorangehen. Was er von seinen Bürgern fordert, sollte er zu allererst selbst erfüllen."

Von diesem Steg aus sprang der "blonde Hans" in den Starnberger See. Das Bootshaus mit dem Reetdach, das er 1938 bauen ließ, ist längst baufällig.

(Foto: Franz-Xaver Fuchs)

So sieht es auch die Bayerische Verfassung vor. Dort heißt es in Artikel 141, Absatz 3: "Staat und Gemeinde sind berechtigt und verpflichtet, der Allgemeinheit die Zugänge zu Bergen, Seen, Flüssen und sonstigen landschaftlichen Schönheiten freizuhalten und allenfalls durch Einschränkungen des Eigentumsrechtes freizumachen." Dass die Wirklichkeit oft anders aussieht, lässt sich im Landkreis kaum übersehen: Am Ammersee wie am Starnberger See müssen Badegäste und Spaziergänger oft weit laufen, bis sie ihre Handtücher ans Ufer legen oder Steine ins Wasser werfen können. Dicht an Dicht stehen hier private Zäune und schirmen Grundstücke wie Villen vor neugierigen Blicken ab.

Doch wechselt ein Seegrundstück den Eigentümer, macht der Freistaat hin und wieder von seinem Vorkaufsrecht Gebrauch, um das Seeufer öffentlich zugänglich zu machen. So geschehen etwa am Ostufer des Starnberger Sees, wo die Familie Flick vor Jahren die hochherrschaftliche Villa Wittgenstein veräußerte. Mehr als die Hälfte von hundert Metern Uferlinie fiel an den Freistaat und ist heute ein öffentlicher Badestrand.

Bei der Albers-Villa in Garatshausen aber scheint alles anders zu sein. Hier will der Staat dem potenziellen Käufer gleich mit Brief und Siegel garantieren, dass sein Uferstreifen privat bleibt. Eine Haltung, die Roth nicht nachvollziehen kann. Es wäre mehr als schön, so der Landrat, wenn das Seeufer über einen Weg öffentlich zugänglich gemacht wird. Als Beispiel nannte er am Ostufer des Ammersees die Strecke zwischen Wartaweil und Herrsching. "Dort hat man es auch geschafft." Irgendwo müsse man schließlich anfangen, "sonst wird's nie was". Um dieses Ziel zu erreichen, müsste der Freistaat eben "Abstriche beim Kaufpreis hinnehmen", findet Roth. Einer Öffnung des Grundstücks stehe auch die Tatsache nicht entgegen, dass auf dem Gelände parallel zum Seeufer "ein landesweit bedeutsames Biotop" existiert.

Genau auf dieses Biotop aber beruft sich Dieter Knauer, Geschäftsführer von "Immobilien Freistaat Bayern", wenn er sagt: "Da kann man doch keinen öffentlichen Fußweg durchmachen." An anderer Stelle geht das aber schon: Ein paar Kilometer nördlich im Feldafinger Lenné-Park zum Beispiel. Durch das Gelände schlängeln sich Spazierwege, auch wenn es dort mehrere kartierte Biotope gibt. Zudem schlagen hier Golfspieler den Ball von Loch zu Loch. Freizeitnutzung und Naturschutz können also durchaus vereinbar sein, findet der Landrat.

Und Roth spricht vielen aus der Seele - darunter auch denjenigen Feldafingern, die im vergangenen Sommer mit Plakaten für die Öffnung des Areals demonstriert hatten. Mitorganisator der Demo war Frank Ulrich John, Gemeinderat in Feldafing und Vorsitzender des Garatshausener Kulturvereins. "Wir haben ein Konzept erarbeitet" sagt er. Angedacht sei neben einem kleinen Albers-Museums auch ein Café, das man für Feste anmieten könne. Eine Idee, die übrigens auch Roth unterstützt: "Ich befürworte eine kulturelle Nutzung."

Bei "Immobilien Freistaat Bayern" gibt man sich abwartend. Die Gemeinde Feldafing sei am Zug, sagt Knauer. Denn sie stellt gerade einen Bebauungsplan für das Grundstück auf. "Mal sehen, was dort möglich ist." Eines aber steht für ihn fest: "Wir sind nicht interessiert, das Grundstück zu zerschneiden."