Eine höllische Nacht für den Anzapfkönig: 20 Münchner Zeichner haben der Jubiläumswiesn einen Comicband gewidmet, der nicht nur die schönen Seiten des Oktoberfests ins Bild setzt.
Das echte Oktoberfest lockt diese zwei jungen Münchner kaum. "Ich geh' vielleicht mal am Vormittag drüber, wenn kein Trubel ist", sagt Frank Cmuchal, "aber zwei Wochen lang Halligalli und Biersaufen, das ist nichts für mich." Tatsächlich fällt es schwer, sich den Hünen samt Künstlerbart und Rastazöpfen in Tracht vorzustellen.
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G'schichten von der Wiesn gibt's jetzt auch als Comic. (© Volk Verlag)
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Jan Reiser, wie Cmuchal Vorsitzender des Münchner Strichkunst-Vereins Comicaze, kann sich ebenso wenig für den Trubel erwärmen, höchstens für gebrannte Mandeln. "Schnell rein und wieder raus", sagt er. Er wohnt gleich ums Eck in der Lindwurmstraße. "Den ganzen Sommer über ist's gemütlich bei uns, aber bei der Wiesn ist's vorbei."
Ausgerechnet diese Wiesn-Schwarzseher sind verantwortlich dafür, dass der Rummel nun in prächtigsten Farben gefeiert wird - im ersten offiziellen Comic zum Oktoberfest: "Wiesn G'schichtn", erschienen mit festem Einband im Volk-Verlag für 16,90 Euro.
Zwanzig Mitglieder und Freunde des Münchner Comicaze-Vereins haben ein gutes Jahr lang für 15 Episoden auf 87 DIN-A4-Seiten recherchiert, getextet, gezeichnet, coloriert und sich in regelmäßigen Redaktionssitzungen ausgetauscht - "das war echte Team-Arbeit", sagen die Herausgeber.
Bei aller Buntheit ist nicht alles rosig auf der Comic-Wiesn. In "Udes Alptraum" lässt Cmuchal den Oberzapfmeister eine höllische Nacht vor dem Anstich durchleiden: Er steht schwitzend vor einer Jury, bestehend aus Rudolph Moshammer, Edmund Stoiber und Dieter Bohlen, nachdem zunächst Thomas Wimmer (19 Schläge) und Arnold Schwarzenegger (ein Schlag, Fass kaputt) versagten.
Doch "Tock Tock Tock Tock Tock Tock Tock" tönt es über der Stadt mit volltrunkenem Vollmond, und nach einer Nacht des Übens im Keller kann ein "Ozapft is" in der Ude'schen Sprechblase erscheinen, und ein "Puh - geschafft!" in der Denkblase.
"Wer ko, der ko!"
Ein weiterer Herrscher taucht immer wieder auf, in sehr unterschiedlichen Stilen gezeichnet: Ludwig. 1810 ist von ihm als Kronprinz die Rede, zu dessen Hochzeit mit Prinzessin Therese ein Pferderennen auf einer Wiese zwischen München und Sendling veranstaltet wird. Bald ist er als König Ludwig I. von Bayern in seiner Kutsche im Englischen Garten zu sehen, verdutzt dem ihn überholenden Sechsergespann des Franz Xaver Krenkl nachplärrend: "Aber, Krenkl, weiß er denn nicht, dass er das nicht tun darf?", daraufhin den legendären Münchner Ausspruch hörend: "Majestät, wer ko, der ko!"
Und als Griechenland liebender Stadtplaner beauftragt Ludwig Ferdinand von Miller mit dem Guss der Bavaria. Vor deren Fertigstellung muss er abdanken, weil er sich von der obszönen, gar verbotenerweise im Freien rauchenden Tänzerin Lola Montez den Kopf verdrehen ließ.
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So ein Schmarrn. Wenn der Zeichner nicht in der Lage ist, den seit 17 Jahren "hantierenden" Christian Ude als Linkshänder darzustellen und das auch nicht einmal den restlichen Comicazern sowie der gestrengen SZ-Redaktion auffällt (vielleicht schon im Vor-Rausch?) - na dann ...