Wassersport Südwind

"Es gibt leider keine Duett-Perspektive": Das sagte Marlene Bojer 2016. Jetzt gibt es eine, auch weil Flensburg sein Vorzeige-Paar verloren hat.

(Foto: imago/Insidefoto)

Synchronschwimmerin Marlene Bojer muss sich bei German Open im Duett bewähren

Von Sebastian Winter

Marlene Bojer hat schon ein paar Kilometer hinter sich auf ihrer Reise. Vor einer Woche ist die Synchronschwimmerin der SG Stadtwerke München nach Heidelberg aufgebrochen, wo sie zusammen mit dem deutschen Nationalkader trainierte. Mittlerweile ist sie in Bonn angekommen. Dort startet die 23-Jährige am Samstag mit ihrer Vereinskameradin und neuen Duett-Partnerin Daniela Reinhardt bei den German Open zum ersten Mal auf internationaler Bühne. Auch im Solo zeigt sich Bojer dem Publikum, aber ihr Schwerpunkt liegt eindeutig auf dem Duett. Auch, weil es sich nun beweisen muss.

Bojer gilt seit Jahren als größte deutsche Hoffnung für das Synchronschwimmen. Doch mindestens ebenso lang kämpft sie gegen strukturelle Probleme in ihrem Sport. Bisher jedenfalls hatte der Deutsche Schwimm-Verband (DSV) eher die Athletinnen aus Flensburg im Blick, wo in der jüngeren Vergangenheit stets ein Bundesstützpunkt für Duette angesiedelt war. Auch wegen dieser klar nördlichen Ausrichtung konnte sich in München, wo sich zurzeit viele Talente entwickeln, keine wirkliche Konkurrenz herausbilden. Bojer gelang der Sprung ins internationale Spitzenfeld dennoch: Im Solo qualifizierte sie sich 2015 für die WM und 2016 für die EM. Es gibt da nur ein Problem: Bei Olympischen Spielen, wo auch Bojer unbedingt starten möchte, sind keine Solo-Wettbewerbe im Programm, sondern nur im Duett und im Team. Weil die Flensburger Frauen aber zu schwach waren, schickte der DSV im vergangenen Sommer letztlich gar keine Deutsche nach Rio. "Es gibt leider keine Duett-Perspektive", sagte Bojer damals frustriert.

Doch der Wind hat sich gedreht, Richtung Süden. Das Flensburger Duo Wiebke Jeske und Edith Zeppenfeld, das auf internationaler Bühne stets die deutschen Farben vertreten hatte, ist nicht mehr aktiv. Zugleich hat Marlene Bojer in Daniela Reinhardt eine adäquate Duett-Partnerin gefunden. Im vergangenen Jahr wurden die beiden bereits Zweite bei der deutschen Meisterschaft - noch hinter Zeppenfeld und Jeske, während Bojer im Solo ihren Titel damals verteidigte. "Mitglied des Olympia-Duett-Teams München - Tokyo 2020" steht mittlerweile etwas verklausuliert unter ihren Konterfeis auf der Vereins-Homepage. Das ist der Plan. Außerdem soll sich das Münchner Duo für die Weltmeisterschaft Mitte Juli in Budapest qualifizieren. Die German Open - und die French Open in Paris direkt im Anschluss - sollen erste internationale Bewährungsproben für Bojer und Reinhardt sein.

Reinhardt, die im vergangenen Jahr wegen ihres Studiums nach München zog, reiste wegen diverser Prüfungen an der TU München erst Anfang dieser Woche nach Bonn. Die neue, sehr anspruchsvolle Choreografie dürfte sie dennoch so langsam im Schlaf beherrschen. Yoko Nakahama, die 2000 in Sydney für Japan Olympia-Silber gewann, half ihr und Bojer übrigens bei der Vorbereitung. Kein ganz schlechter Anreiz für Münchens Nixen auf dem Weg nach Tokio.