Volleyball Schräger Themenabend

Ein Bild, das es in der laufenden Saison nicht mehr geben wird: Zuspieler Michal Sladecek (l.) muss auf den verletzten Angreifer Tim Peter verzichten.

(Foto: Claus Schunk)

Der TSV Herrsching bezwingt Solingen ohne etatmäßigen Außenangreifer und rückt in der Bundesliga-Tabelle auf Rang sechs vor.

Von Katrin Freiburghaus, Herrsching

Rotation ist ein probates Mittel, um Gegner zu verwirren oder Kräfte zu schonen. Wenn beim Fußball allerdings plötzlich ein Außenverteidiger im Tor steht, ist das kein gutes Zeichen. Auch beim Volleyball gibt es Positionen, deren Aufgabenbereiche wenig miteinander zu tun haben, und so überraschte es am Sonntag doch einigermaßen, dass Herrsching beim 3:1 (25:19, 24:26, 25:21, 25:22)-Erfolg in Solingen drei Mittelblocker in der Startformation aufbot. Schließlich war der vorletzte Spieltag ein immens wichtiger, wie Trainer Max Hauser betont hatte. Vor dem zweiten von drei Endspielen um eine optimale Ausgangsposition für die Playoffs hatte er eindringlich vor der ansteigenden Formkurve des Tabellenletzten gewarnt.

Doch ein Blick auf den Spielberichtsbogen verriet: Die Umstellung war keine Spielerei. Sie hatte auch nichts damit tun, dass sich die Block-Abteilung vor Wochenfrist beim 3:0 gegen Bühl in Galaform präsentiert hatte. Sie war vielmehr darauf zurückzuführen, dass Hauser nicht genügend Außen-Annahmespieler zur Verfügung standen. Lediglich einer, um genau zu sein: Nachverpflichtung Jose Gomes. Denn Tom Strohbach fehlte wegen einer Magenentzündung. Und für Tim Peter ist die Saison gar vorzeitig beendet. Er riss sich unter der Woche beim Training das Syndesmoseband und muss operiert werden, wie Teammanager Fritz Frömming sagte: "Der Kader ist einfach dünn." Zumal der Pole Slawomir Zemlik (Kreuzbandriss) schon fast die komplette Saison fehlt.

Die abenteuerliche Umstellung führte zu der statistisch skurrilen Situation, dass Herrschings stärkster Annahmespieler nach zwei Sätzen Nicolai Grabmüller hieß. Zehn Annahmen, davon 40 Prozent perfekt, standen für den Österreicher zu Buche. Das ist ein spektakulärer Wert, denn für gewöhnlich kommen Mittelblocker nur in die Verlegenheit anzunehmen, wenn sie jemand auf dem Feld vergessen hat.

Der TSV hat es nun selbst in der Hand, die Schwergewichte im Playoff-Viertelfinale zu umgehen

Im ersten Satz fiel die Veränderung jedoch kaum auf, weil Solingen große Probleme hatte, in die Partie zu finden. Herrsching zog schnell auf 10:5 davon und ließ die Hausherren nicht mehr näher als vier Punkte an sich herankommen. In dieser Phase lief für Herrsching alles zusammen. Diagonalangreifer und Topscorer Christoph Marks (26 Punkte) verwertete Zuspiele des Mittelblockers Grabmüller, der Mittelblocker André Brown glänze in der Feldabwehr mit spektakulären Hechtbaggern, der Mittelblocker Wilhelm Nilsson erledigte seinen Job. Im zweiten Durchgang hatte sich Solingen allerdings akklimatisiert, setzte Herrsching deutlich stärker unter Druck und nutzte das personell bedingte Durcheinander auf der anderen Netzseite aus. Von der Satzmitte an übernahm Solingen die Führung. Zwar lag Herrsching zum Satzende sogar noch einmal knapp vorn und wehrte beim Stand von 23:24 einen Satzball ab, doch zum 2:0 reichte es nicht.

Im dritten Satz zog Herrsching durch massiven Angriffsdruck auf 17:10 davon. Auch ein Zwischentief mit sechs Solinger Punkten in Serie brachte Hausers Team nicht aus dem Konzept, beim Stand von 24:20 hatte es vier Satzbälle. Mit zwei gewonnenen Sätzen und einem sicheren Punkt hatte die Mannschaft Hausers Minimalziel, in Solingen zu punkten, bereits erfüllt. Trotz einer Phase, in der das Team im finalen vierten Satz laut Frömming "quasi ohne Abwehr" spielte, retteten die Spieler aber sogar alle drei Punkte. Den Matchball verwandelten passend zum Themenabend Mittelblock Brown und Grabmüller.

In der Tabelle überholte Herrsching Lüneburg, das beim 3:2 in Königs Wusterhausen einen Punkt verlor, und schob sich damit auf den begehrten sechsten Platz. Die Ränge sieben und acht treffen im Viertelfinale der Playoffs auf Berlin respektive Tabellenführer Friedrichshafen. Herrsching hat es am kommenden Wochenende gegen Düren nun selbst in der Hand, beide Schwergewichte zu umgehen. Allerdings dürfte viel davon abhängen, ob Strohbach bis dahin wieder fit ist. Eine Nachverpflichtung für den Außenangriff, sagte Frömming, sei außerhalb der Transferperiode nicht möglich.