Tennis Von Zverev bis Juschni

Turnierdirektor Kühnen gibt Teilnehmer der BMW Open bekannt

Als Patrik Kühnen, 50, am Donnerstag aus dem Fenster sah, freute er sich. "Ich sah, dass die Sonne scheint", sagte er, und das war die halbe Miete für einen guten Tag. Die andere betraf einen seiner Berufe, Kühnen ist ja sehr umtriebig. "Wenn das Spielerfeld steht, weiß man, was sportlich zu erwarten ist", sprach der frühere Tennisprofi, der diesmal in seiner Funktion als Turnierdirektor der BMW Open im Klubhaus des MTTC Iphitos auftrat. Wie es Tradition ist, gab Kühnen sechs Wochen vor Beginn des ATP-Turniers (23. April - 1. Mai) die meisten Teilnehmer bekannt. Titelverteidiger Andy Murray, Nummer zwei der Welt und 2015 überraschend angetreten, wird wenig überraschend nicht noch einmal kommen, die Branchengrößen spielen nur in Ausnahmefällen bei der kleinsten Turnierkategorie, den 250ern. In diesem Jahr ist ohnehin die Planung für viele anders. "Der Turnierkalender ist wegen Olympia dicht gedrängt", sagte Kühnen. Fröhlich blieb er trotzdem. Das hat vor allem mit einem österreichischen und einem deutschen Starter zu tun.

Dominic Thiem, 22, und Alexander Zverev, 18, zählen zum Kreis jener Akteure, die gerade auf der Tennistour die Hierarchie durcheinanderwirbeln. Thiem gewann in diesem Jahr zwei Turniere, in Buenos Aires und Acapulco, als 13. der Weltrangliste führt er in München die Setzliste an. Zverev, der am Mittwoch beim Masters-Series-Event in Indian Wells erst nach Vergabe eines Matchballs gegen Rafael Nadal verlor (7:6, 0:6, 5:7), steht bereits auf dem 58. Weltranglistenplatz. "Er hat eine tolle Entwicklung genommen", urteilte Kühnen. Als Mitverantwortlicher der erstmals mit mehr als einer halben Million Euro dotierten Veranstaltung tituliert er natürlich gerne und schon zutreffend Typen wie Thiem und Zverev als "junge Wilde". Es lassen sich aber auch andere Kategorien finden, um das Spielerfeld zu charakterisieren. Da wären "renommierte Wilde" wie Marcos Baghdatis, der kernige Zyprer, Gaël Monfils, der zirkusreife Franzose, oder der heißspornige Italiener Fabio Fognini. Da wären "unauffällige Unterschätzte", wie der Spanier Roberto Bautista Agut (ATP-Nr. 17) und der Franzose Jeremy Chardy (32.). Da wäre die Spezies "frühere Sieger", zu der auch Philipp Kohlschreiber zählt; ob der immer noch angeschlagene Tommy Haas (Gewinner 2013), der seine letzte Saison bestreitet, kommt, ist ungewiss. Und dann wäre da eine Schublade, in der nur einer steckt: Michail Juschni bildet die Michail-Juschni-Kategorie. Er nimmt zum elften Mal teil. Damit hat der 33-Jährige aus Moskau exakt ein Drittel seines Lebens in München verbracht, zumindest Ende April, Anfang Mai war er meist hier. Kühnen sagte es nicht explizit, aber im Grunde gilt: Kommt Juschni, ist alles im Lot.