Pferdesport Halali mit Höhepunkt

Üblicherweise endet die Galopp-Saison eher unspektakulär. In Riem jedoch steht zum Abschluss am Samstag der Große Preis von Bayern an - das europaweit letzte Gruppe-I-Rennen des Jahres ist hochklassig besetzt

Von Fabian Kautz

Braune Blätter fallen auf den Kiesboden, die Pferde werfen beim Training große Atemwolken in die Luft. Es ist Herbst geworden auf der Galopprennbahn in Riem. Herbst, das ist traditionell die Zeit des Halalis, des Saisonabschlusses. Doch in diesem Jahr ist alles anders beim Halali. Am Samstag (Beginn 12.30 Uhr) wird die ganze deutsche Turfszene nach München schauen, denn die Saison endet mit einem Highlight: dem Gruppe-I-Rennen um den Großen Preis von Bayern. Die 2400-Meter-Prüfung der europaweit höchsten Kategorie ist mit 155 000 Euro dotiert.

"Wir finden europaweit Beachtung, in Frankreich gibt es eine Live-Übertragung", berichtet Horst Lappe, Generalsekretär des Münchener Rennvereins (MRV). "Alle deutschen Top-Jockeys kommen nach München, dazu ein paar sehr gute ausländische." Das Hauptrennen bringt Lappe ins Schwärmen: "14 Starter in einem Gruppe-I-Rennen. Ich erinnere mich nicht, dass es so etwas - außer im Derby - in den letzten 30 Jahren in Deutschland gab." Fünf der 14 Starter haben bereits auf Gruppe-I-Niveau triumphiert.

Beeindruckt mit Konstanz: Night Wish mit Alexander Pietsch zählt zu den Anwärtern auf eine Platzierung.

(Foto: imago/Frank Sorge)

Ein Grund für das erlesene Starterfeld ist der Termin. Der Große Preis von Bayern ist die letzte Gruppe-I-Prüfung der Saison in Europa. Noch im Vorjahr hatte das Rennen im August stattgefunden, zur Ferienzeit. Gerade mal sechs Pferde starteten, deren Qualität entsprach nur teilweise dem Niveau. Nur 6000 Zuschauer kamen. Für den Verein blieb: ein dickes Minus. Vor der Saison beantragte der MRV eine Verlegung in den Oktober, doch das European Pattern Committee (EPC) lehnte ab. Begründung: zu nah am Prix de l'Arc de Triomphe. Das Rennen Anfang Oktober in Paris ist die bedeutendste Prüfung der Welt.

Der Vorschlag des EPC: November.

Davon war der Verein zunächst wenig begeistert. Das klang nach Nebel, grauem Himmel, Kälte. Vielleicht Regen. Einzig MRV-Vorstandsmitglied Franz Prinz von Auersperg sah den Termin als Chance und setzte sich mit dieser Ansicht durch. Das Starterfeld gibt ihm nun recht - ebenso wie die Finanzen: Der Renntag ist komplett finanziert. Während die prestigeträchtigen Gruppe-Renntage deutschlandweit fast immer ein Verlustgeschäft sind, könnte für den MRV sogar ein Gewinn bleiben.

155 000 Euro

Es geht ums Prestige an diesem Samstag in Riem, ganz klar, um die Ehre - aber natürlich auch ums Preisgeld. Der Große Preis von Bayern ist mit 155 000 Euro dotiert.

Von dieser Summe erhält 100 000 Euro der Sieger, 30 000 Euro der Zweitplatzierte, 15 000 Euro verdient der Dritte. Von jeder Siegprämie gehören wiederum zehn Prozent dem Trainer. Der Jockey erhält einen kleinen Zuschlag auf sein Reitgeld, der große Rest bleibt dem Besitzer. Vorjahressieger war Seismos mit Jockey Andrea Atzeni.

Auersperg hatte die Idee, den Renntag als Tag der Hengste zu vermarkten. Die Prüfungen bekommen die Namen von besonderen Deckhengsten, die so europaweit bekannt gemacht werden sollen. Wie Pastorius: Auerspergs Hengst gewann in seiner Karriere drei Gruppe-I-Prüfungen und ist nun Namenspatron des Großen Preises von Bayern. Dafür zahlt sein Besitzer einen hohen fünfstelligen Betrag. Neben Auersperg engagieren sich weitere Züchter, auch MRV-Präsident Dietrich von Boetticher. "Sofern nicht überhaupt keiner auf die Bahn kommt, wird es ein sehr erfolgreicher Renntag", sagt Lappe.

Nur eines macht dem Generalsekretär Probleme: ein Tipp für das Hauptrennen. Turf-Experte Lappe schweigt. Nach einer gefühlten Ewigkeit sagt er: "Ganz ehrlich? Ich habe keine Ahnung." Leichter Favorit sei Ivanhowe. Der Hengst triumphierte in diesem Jahr beim Großen Preis von Baden, bezwang dabei den ungeschlagenen Derbysieger Sea the Moon, startete danach im Arc de Triomphe. "Als 18. ist Ivanhowe im Arc vor allem am Rennverlauf gescheitert", glaubt Lappe. Aber: "Es können fast alle gewinnen. Auch die vier Stuten sind brandgefährlich." Aus England zu Gast ist Cubanita. Im Frühjahr bezwang die Stute Noble Mission, der in Riem im Dallmayr-Preis als Favorit Zweiter wurde.

Aus Riems Trainingszentrale gehen Feuerblitz (Michael Figge) und Night Wish (Wolfgang Figge) in die Startbox. Feuerblitz gewann vergangene Saison in Rom die Premio Roma auf Gruppe-I-Niveau. Der Große Preis von Bayern ist das Saisonziel von Trainer Michael Figge und Besitzer Patrick Bertermann. Dafür verpflichteten sie den französischen Jockey Thierry Thulliez. Night Wish beeindruckte zuletzt mit Konstanz. "Der Hengst kennt keine schlechten Leistungen", sagt Lappe. Mit Jockey Alexander Pietsch sollte der Lokalmatador Kandidat für eine Platzierung sein. Es wäre ein Saisonabschluss nach Maß.