Leichtathletik Rasender Autodidakt

Schnell wie ein 17-Jähriger: Gerhard Zorn vom TSV Vaterstetten ist zweifacher deutscher Meister. Der Spaß am Sport ist ihm das Wichtigste.

(Foto: Thomas Glaubitz)

Vaterstettens Senioren-Leichtathlet Gerhard Zorn ist deutscher Meister

Von Alexander Mühlbach, Vaterstetten

Es gibt Momente, da hat Gerhard Zorn keine Lust mehr. Da kann es ihm egal sein, dass er schon in voller Trainingsmontur in seinem Auto sitzt, bis zum Stadion gefahren ist und sich eine Sprinteinheit vorgenommen hat. "Wenn der Spaß fehlt", sagt der Leichtathlet des TSV Vaterstetten, "lasse ich das Training sein." Zorn, der 60 Jahre alte Leistungssportler, klingt ganz anders als die meisten seiner Kollegen, die jede Trainingseinheit als notwendig ansehen. Bloß nichts auslassen, nichts verpassen. Immer auf der Jagd nach Bestzeiten, nach Medaillen.

Dabei ist Zorn auch ein Athlet, der immer Trophäen und Medaillen nachjagt. Am vergangenen Wochenende gewann er über 200 und 400 Meter Gold bei den deutschen Senioren-Meisterschaften. Das 400-Meter-Rennen lief er in 57,23 Sekunden gar so schnell, dass er mit vielen 16 bis 17 Jahre alten Athleten mithalten könnte. "Ich liebe diesen Kampf, jeder gegen jeden", sagt Zorn. "Genauso wie ich es liebe, monatelang auf einen Saisonhöhepunkt hinzuarbeiten." Aber Spaß muss es ihm trotzdem machen: im Fitnessstudio, beim Joggen, bei den unheimlich vielen Sprints.

Zorn wollte all das schon früher in seiner Jugend machen. Damals gab es aber keine Leichtathletik-Abteilung bei ihm im Dorf - weswegen er sich dem Schützenverein anschloss. Es ist beinahe die Ironie der Geschichte, dass er vor ein paar Jahren, nachdem die Kinder groß genug waren, nun endlich zur Leichtathletik fand, aber noch immer ohne Trainier ist. "Die Senioren sind für viele Trainer eben nicht interessant", sagt Zorn. All sein Wissen bezieht er deshalb aus seinen Erfahrungen und aus dem Internet. Seinen Trainingsplan schreibt er selbst. Was gut ist, sagt Zorn: "So kann ich mir meine Regenerationsphase selbst einteilen." Ansonsten, sagt er, würde er tatsächlich den Spaß an seinem Sport verlieren.