Judo Leichte Übung für Zwischendurch

Kein Grund, sich zu verstecken: Großhaderns Laurin Böhler (blauer Anzug) setzte sich gegen Offenbachs Georgios Malliaropoulos durch.

(Foto: Claus Schunk)

Der TSV Großhadern lässt Aufsteiger Samurai Offenbach beim 13:1-Erfolg keine Chance und erobert die Bundesliga-Tabellenführung.

Von Julian Ignatowitsch

Wenn zwei ungleiche Judo-Teams aufeinandertreffen, kann es schon mal kurios werden: So beim Schwergewichtskampf von Edward Freidenberg, als der TSV Großhadern seine Bundesliga-Partie gegen Aufsteiger Samurai Offenbach in der Siegi-Sterr-Halle quasi schon gewonnen hatte. Der 140-Kilo-Koloss Freidenberg packte seinen 120 Pfund leichteren Gegner Patrick Bitz einfach mal am Gürtel und hob ihn in die Luft. Eine kleine Kraftübung für Zwischendurch. Kurz später lag Bitz dann schon auf dem Rücken, Freidenberg hatte ihn "sanft zu Boden befördert", wie er später lächelnd erklärte. "Er hat sich hinterher bei mir bedankt, dass es nicht härter war." Schließlich ist die Verletzungsgefahr bei zwei so ungleichen Kämpfern nicht zu vernachlässigen. Weil Offenbach die schweren Jungs ausgegangen waren, musste Bitz in der zweiten Runde als Platzfüller herhalten.

Überhaupt waren die Gäste aus Offenbach, der Tabellenletzte, beim zwölfmaliger Meister Großhadern meist auf verlorenem Posten. Auch das hat die Bundesligareform zur Folge: Mehr Teams in der Liga (neun statt bislang sechs) bedeuten ein größeres Leistungsgefälle und einige sehr klare Ergebnisse. Großhadern siegte am Ende mit 13:1, verlor also nur einen seiner 14 Kämpfe an diesem Tag. Das Team steht nun mit drei Siegen und einer Niederlage an der Spitze der Judo-Bundesliga. "Wir sind heute unserer Favoritenrolle durchweg gerecht geworden", bilanzierte Teambetreuer Tobias Englmaier. "Das war einer der entspannteren Kampftage", ergänzte Schwergewicht Freidenberg.

Großhadern nahm die Favoritenstellung zum Anlass, viele junge Kämpfer ins Rennen zu schicken. Den Anfang machte der 20-jährige Daniel Messelberger (+100 kg) - er legte seinen Gegner gleich mal per Schulterwurf auf die Matte. Auch der 19-jährige Manuel Mühlegger (-60 kg), der 22-jährige Lukas Vennekold (-73 kg) und die 23-jährigen Niklas Blöchl (-81 kg) und Laurin Böhler (-100 kg) lösten ihre Aufgaben souverän. Einzig der 22-jährige Elias Frank verlor seine erste Begegnung, rehabilitierte sich aber im zweiten Duell. "Wir haben ihn extra nicht rausgenommen", so Englmaier. "Dass er es dann besser gemacht hat, hat mich sehr für ihn gefreut."

Der 17 Jahre alte Abiturient Peter Thomas holt seinen ersten Sieg in einem Erstligawettkampf

Und zwischenzeitlich hielten die Gäste aus Offenbach in einigen Kämpfen auch beachtlich lange mit. Timo Cavelius (-81 kg) gewann einen emotionalen Kampf per Schenkelwurf, Janno Brodnig (-66 kg) erzielte seine Wertung sichtlich erschöpft erst per Ausheber in der Verlängerung. Auf den Höhepunkt gelangte die Stimmung im letzten Kampf des Tages, als schon längst alles entschieden war. Dem 17-jährigen Peter Thomas (-66 kg) gelang in einem ausgeglichenen Duell, kurz bevor die Uhr abgelaufen war, die entscheidende Wertung (Waza-ari) für seinen ersten Sieg in der Bundesliga. Zuschauer und Teamkollegen bejubelten den Junior, der gerade sein Abitur macht. "Ich hatte keinen Druck und konnte einfach drauflos kämpfen. Ich bin noch jung und muss mich an das Bundesliganiveau erst noch gewöhnen." Ein Gegner wie Offenbach kommt da gerade recht.

Thomas ist der Jüngste im Bundesligakader der Münchner. 2016 wurde er deutscher U 18-Meister, vergangenes Jahr startete er bei den Olympischen Jugendspielen, jetzt also der erste Bundesliga-Sieg. Thomas trainiert täglich, will nach der Schule "vielleicht Medizin studieren". Wie weit er es sportlich bringen kann, wird sich in den nächsten Jahren zeigen. Der erfolgreiche, nahtlose Sprung vom Junioren- in den Erwachsenenbereich zeugt jedenfalls von hoher Qualität.

Mehr als eine gelungene Talentprobe war der ungleiche Wettstreit für die Großhaderner nicht. Die eigentliche Bewährungsprobe steht in zwei Wochen (9. Juni) an: Beim Rekordmeister TSV Abensberg fällt die Vorentscheidung im Rennen um die Finalrunde. "Da können die Jungen dann zeigen, wie weit sie tatsächlich schon sind", sagt Englmaier. Statt einer kleinen Übung wartet dann ein echter Kraftakt.