Fußball-Landesliga Kirchheimer Konter

Stark nach der Pause: Fabian Löns brachte Kirchheim mit 1:0 in Führung - und zielte kurz darauf zu hoch.

(Foto: Schunk)

Aimen Hassan trifft zehn Sekunden nach seiner Einwechslung zum 2:0 - KSC schlägt Türkgücü

Von Karl-Wilhelm Götte, Kirchheim

Auswechselspieler machen sich zwar warm, aber bis sie im Spiel heiß laufen, dauert es erfahrungsgemäß einige Minuten. Als der Kirchheimer Aimen Hassan nach 65 Minuten für Anthony Butge im Landesligaduell gegen den SV Türkgücü-Ataspor das Feld betrat, passierte doch umgehend Außergewöhnliches. Hassan orientierte sich nach seiner Einwechslung sofort nach vorne, nahm einen gekonnten Pass von Maximilian Leimeister auf und schoss nach nur zehn Sekunden, die er im Spiel war, trocken zum 2:0 für den Kirchheimer SC ins gegnerische Tor. Kurios: Auch Vorlagengeber Leimeister war erst fünf Minuten zuvor ins Spiel gekommen. Türkgücü war danach nicht mehr in der Lage, den Rückstand wettzumachen. Der KSC sicherte sich wichtige drei Punkte im Kampf gegen den Abstieg.

Aimen Hassan war glücklich über seinen Blitztreffer: "Ich habe den Ball kurz auf rechts gelegt und dann ins kurze Eck geschossen." Ein gutes Gefühl hatte Hassan schon kurz vor der Einwechslung gehabt. Zum Sportlichen Leiter des KSC, Robert Eckerl, hatte er gesagt, dass er ein Tor machen werde. Hinterher formulierte der 21-jährige Offensivspieler aber brav: "Der Sieg ist mir wichtiger als mein Tor." Spielertrainer Steven Toy wollte nach dem 2:0-Erfolg kein großes Aufhebens um seine Einwechselkunst machen. "Ich habe großen Respekt vor den Einwechselspielern", hatte er seinem Team nach dem Spiel im Mannschaftskreis gesagt. Dass Ersatzleute so einen frischen Wind ins Spiel bringen, sei ja nicht unbedingt zu erwarten.

Leimeister gehört normalerweise zur Stammformation, war jedoch während der Woche krank gewesen. Er hatte mit seiner präzisen Vorlage für Hassan seinen kurz zuvor passierten Lapsus wieder vergessen gemacht. Da hatte er nach einem Zuspiel von Benedikt Weinzierl freistehend aus zehn Metern nicht ins leere Tor getroffen. Ein Verteidiger von Türkgücü rettete noch auf der Torlinie.

Toy hatte ein Kampfspiel erwartet. Das wurde es dann auch. In der ersten Halbzeit verhedderten sich beide Mannschaften ständig im Mittelfeld. "Da schien es ein typisches 0:0-Spiel zu werden", so Toy. Doch drei Minuten nach der Pause hatte Fabian Löns nach einer Ecke überraschend das 1:0 markiert. Kurz darauf hatte Löns das 2:0 auf dem Fuß, aber er zielte unbedrängt über das Tor. Die Münchner Türken bemühten sich fortan um den Ausgleich, doch hatten sie keine Spielidee, wie sie aussichtsreich vor das KSC-Tor kommen sollten. Besonders dem Mittelfeld von Türkgücü fehlte es an Esprit. Die KSC-Abwehr um den fehlerlos agierenden Innenverteidiger David Schittenhelm ließ in Halbzeit zwei keine einzige Torchance zu. Aufregung gab es um ein angebliches Handspiel eines KSC-Spielers im Strafraum (82.). "Haben Sie es nicht auch gesehen?", fragte Türkgücü-Trainer Alper Kayabunar die Schiedsrichterassistentin an der Seitenlinie. Die antwortete nicht; aus etwa 60 Metern Entfernung war das auch etwas viel verlangt.

Kayabunar wusste aber auch, dass seine Mannschaft an diesem Tag nicht auf der Höhe gewesen war. Türkgücüs Coach nahm die 0:2-Niederlage dennoch gelassen hin, auch weil er mit der Rückrunde zufrieden sein konnte. Bis zum Auftritt in Kirchheim war seine Mannschaft sechs Spiele in Serie unbesiegt gewesen, nur wegen des schlechteren Torverhältnisses steht sie (noch?) auf einem Abstiegs-Relegationsplatz - einen Punkt vor Kirchheim. Zum dritten Mal in Serie will der SC nicht wieder in die aufreibende Relegation. Mit 27 Punkten hat er wieder den Anschluss ans breite Tabellenmittelfeld geschafft.

Für Steven Toy ist es der erste Trainerjob. Der 27-jährige Außenverteidiger war vom SV Heimstetten gekommen. Er hatte in der Jugend in Kirchheim gespielt und zusammen mit Fabian Löns Abitur gemacht. "Die Stimmung in der Mannschaft ist hervorragend", sagte Toy nach dem Sieg. Er hofft auf weitere Erfolge für den Klassenerhalt. Und auf sein gutes Händchen bei Einwechslungen.