Eishockey Mehr als Zachs Schatten

Folgt auf Trainer Rick Boehm: Markus Berwanger

(Foto: imago)

Markus Berwanger wird Trainer der Tölzer Löwen - auch weil sein Vorgänger Rick Boehm nicht die nötige interne Unterstützung bekam.

Von Christian Bernhard, Bad Tölz

Die Woche der großen Entscheidungen hat dem EC Bad Tölz nun auch einen neuen Trainer beschert. Einen Tag, nachdem der Eishockey-Zweitligist Torhüter Ben Meisner verpflichtet hatte, präsentierte er am Freitag nun den Mann, der die Nachfolge von Coach Rick Boehm antritt: Markus Berwanger. "Er kommt aus der Region und kennt Bad Tölz", sagt Löwen-Geschäftsführer Christian Donbeck. Berwanger sei "völlig unvoreingenommen", er kenne aber das Umfeld. Daher kommt nun also zusammen, was sich bereits in der Vergangenheit oft beschnupperte: Schon im Sommer 2016 hatte es Gespräche zwischen Berwanger und den Löwen gegeben. "Bei Markus hat einfach das Gesamtpaket gestimmt", sagt Donbeck, und: "Er wollte unbedingt zu uns."

Als Co-Trainer wird Berwanger der Ur-Tölzer Florian Funk, 48, zur Seite stehen, der die Mannschaft selbst schon trainiert und zuletzt Boehm assistiert hatte. Er übernimmt zudem die Position des Sportlichen Leiters. Funk und Berwanger hätten von Anfang an die gleichen Ansichten gehabt und "sehr gut miteinander kommuniziert", erklärt Donbeck.

Der Rosenheimer Berwanger hatte keine Probleme, Informationen über seinen neuen Arbeitsplatz einzuholen. In seinen elf Jahren als Spieler des Sportbunds Rosenheim gewann er drei deutsche Meistertitel (1982, 1985, 1989), zwei davon an der Seite eines anderen Ur-Tölzers: Berwangers erster Titel als 18-Jähriger im Jahr 1982 war Hans Zachs letzter als Spieler. Drei Jahre später triumphierte der Spieler Berwanger unter dem Co-Trainer Zach. Als Angreifer kam der heute 54-Jährige auf mehr als 700 Erstliga-Einsätze und 70 Länderspiele, bei drei Weltmeisterschaften trug er das deutsche Trikot.

Seine Verbundenheit mit dem ehemaligen Bundestrainer Zach setzte sich Jahre später fort: Erst wurde er Zachs Co-Trainer in Köln, später assistierte er dem "Alpenvulkan" bei den Mannheimer Adlern. Der Mannheimer Morgen schrieb damals über ihn, er sei "mehr als Zachs Schattenmann". Auf die Frage, ob für ihn die Disziplin - wie bei Zach - auch an erster Stelle steht, antwortete Berwanger während seiner Zeit als Trainer des Oberligisten Blue Devils Weiden, sie sei nicht das oberste Gebot, aber ein wichtiger Bestandteil. In der Gruppe brauche man Disziplin, um Erfolg zu haben: "Ich fordere das aber nicht nur, sondern lebe es auch vor." Seine Oberliga-Engagements in Rosenheim, Freiburg und Essen endeten jedoch allesamt vorzeitig. "Ich wollte unbedingt wieder eine Profimannschaft trainieren", erklärt Berwanger, "es ist für mich ein großer Ansporn, mit einer Traditionsmannschaft wie Bad Tölz in die Playoffs zu kommen."

Berwangers Vorgänger Rick Boehm ist nach nur einer Saison als Löwen-Cheftrainer in seine frühere Funktion als DNL-Coach und Nachwuchs-Koordinator zurückgekehrt. Boehm hat sich in dieser Woche bereits mit den Nachwuchstrainern getroffen und mit dem DNL-Team das Sommertraining begonnen. Er konzentriere sich einfach auf seine "neue alte" Aufgabe, sagt er. Nach dem letzten Saisonspiel gegen die Bayreuth Tigers im April, als die Tölzer den Klassenerhalt in der zweiten Playdown-Runde fixiert hatten, klang er noch optimistisch, als Cheftrainer weitermachen zu dürfen und berichtete von guten Gesprächen mit ECT-Präsident Hubert Hörmann, zu dem er - im Gegensatz zu anderen Entscheidungsträgern - ein gutes Verhältnis pflegt. In der "etwas unruhigen Zeit" seit dem letzten Spiel sei ihm aber klar geworden, dass er nicht auf die "100-prozentige interne Unterstützung" zählen könne. Hörmann klammert er dabei explizit aus. Man verfüge über ein gewisses Maß an Energie, erklärt er, aber wenn man davon einen Teil in interne Kämpfe investieren müsse, bleibe weniger für das Wesentliche übrig.

Berwanger hatte zuletzt in Bad Aibling nicht nur die erste Mannschaft trainiert, sondern auch die Nachwuchsarbeit koordiniert. Bei seinem Amtsantritt im vergangenen Jahr sagte er, er habe das "Gejammere" über fehlendes Geld und Sparmaßnahmen, das ihm in der Oberliga immer wieder begegnete, einfach satt. Ein finanzielles Eldorado wird er aber auch in Bad Tölz nicht vorfinden. Donbeck hatte zuletzt betont, der Verein müsse "brutal haushalten".