Eishockey Im Sonderzug abwärts

Trotz Chancenplus verliert der EHC München in Düsseldorf 1:4 und muss Rang drei wieder räumen. Mit dem siebten Heimsieg in Serie hatte sich das Team von Don Jackson erst am Freitag seine beste Saisonplatzierung erobert

Von Christian Bernhard

Die ersten Tage im neuen Jahr sind beim EHC München traditionell Sonderzug-Tage. Diesmal machten sich 400 Fans auf den Weg nach Düsseldorf - um ihre Mannschaft erneut verlieren zu sehen. Nach dem 0:3 vor zwei Jahren in Mannheim und dem 0:5 in Berlin 2015 gab es am Sonntagnachmittag ein 1:4 (0:2, 1:1, 0:1) bei der Düsseldorfer EG. Dadurch nahmen die Rheinländer dem EHC, der am Freitag mit dem 6:2 gegen Krefeld den dritten Sieg in Serie gefeiert hatte, am 36. Spieltag der Deutschen Eishockey Liga (DEL) Platz drei wieder ab. Damit bestätigte sich auch die Ahnung von EHC-Kapitän Michael Wolf, der trotz der erfolgreichen letzten Wochen vor diesem Wochenende erklärt hatte, er schaue "mehr darauf, was hinter uns passiert". Der Vorsprung auf den Fünften Nürnberg Ice Tigers beträgt derzeit fünf Punkte.

Am Sonntag vergab Tobias Wörle in der zweiten Spielminute die große Chance zur Führung, als er nach einem Fehlpass der Düsseldorfer an der Blauen Linie alleine auf Mathias Niederberger zulief, die Scheibe aber neben das Tor setzte. Wörle spielte abermals an der Seite von Wolf und Mads Christensen, da EHC-Topscorer Dominik Kahun die vierte Partie in Serie aufgrund eines Magen-Darm-Infekts verpasste. Mitte des Startdrittels wachte auch die DEG auf. Erst stocherte Kapitän Daniel Kreutzer die Scheibe neben das Tor (10.), dann hatte Münchens Torhüter Danny aus den Birken Glück, als Chris Minard die Latte traf (13.). Als Norman Milley in Überzahl mit Tempo ins EHC-Drittel ziehen konnte, bezwang er aus den Birken schließlich mit einem Schuss durch die Beine (13.).

Die Düsseldorfer legten noch vor der ersten Pausensirene nach - diesmal unter gütiger Mithilfe von Toni Söderholm. Der finnische Routinier hatte seine Position im Abwehrdrittel verlassen, um eine Scheibe in der neutralen Zone zu erlaufen. Doch der 37-Jährige war zu langsam, Alexei Dmitriev und Alexander Preibisch durften alleine auf aus den Birken zuliefen. Dmitrievs Versuch konnte der Münchner Goalie noch abwehren, gegen den Nachschuss von Preibisch war er allerdings machtlos (19.). Nur wenige Sekunden danach hätte Daniel Sparre auf 1:2 verkürzen können, scheiterte aber an Niederberger, der in dieser Saison zu den stärksten Torhütern der Liga zählt.

Im Mitteldrittel setzten sich die zahlreichen Strafzeiten - alleine in den ersten 20 Minuten hatte es sieben gegeben - fort. Der EHC ging nun druckvoller zur Sache und bereitete den Hausherren einige Probleme, diese konnten sich aber auf ihr Überzahlspiel verlassen: Manuel Strodel erhöhte im Powerplay auf 3:0 (30.). Die Münchner ließen sich nicht hängen, drückten weiter aufs Tempo und belohnten sich für ihr Engagement, als Wörle einen Schuss von Christensen zum 1:3 abfälschte (38.). Der Treffer war mehr als verdient, 15:3 zugunsten des EHC lautete die Schuss-Statistik im Mitteldrittel. Auch im Schlussdrittel dominierten die Münchner, doch die Scheibe wollte nicht mehr ins Tor. Als aus den Birken Platz für einen sechsten Feldspieler machte, traf Eduard Lewandowski ins leere Tor (60.).

Am Freitag hatte der EHC ein laut Trainer Don Jackson "komisches" Spiel 6:2 gegen den Tabellenletzten Krefeld Pinguine gewonnen und damit den siebten Heimsieg nacheinander eingefahren. Komisch deshalb, da die Pinguine gut gestartet waren, der EHC aber mit seinen ersten zwei Schüssen auf 2:0 davongezogen war. Statt die Partie dann zu kontrollieren, leisteten sich die Münchner daraufhin einige Unkonzentriertheiten, die Krefeld das 2:2 ermöglichten. Vier EHC-Treffer, drei davon innerhalb von 71 Sekunden, bedeuteten aber noch im Mitteldrittel die Entscheidung und verliehen dem Spiel in den letzten 20 Minuten den Charakter eines Freundschaftsspiels. Jackson gab der von Uli Maurer, der mit einem Penalty erfolgreich war, angeführten vierten Angriffslinie viel Eiszeit und probierte verschiedene Überzahl-Formationen aus. In Düsseldorf fruchtete das nicht: Alle fünf Münchner Powerplays blieben ergebnislos.