Skandal um Kongressveranstalter Wasser-Schaden

Zu teuer waren die Star-Gäste, die ein Veranstalter zu einem Kongress nach München einlud. Rund 600.000 Euro sollten auf die Stadt abgewälzt werden.

Von Michael Tibudd

Es war eine Veranstaltung, die mit einem spektakulären Gast auf sich aufmerksam machte. Gut ein Jahr später sind die Vorgänge rund um diese Tagung manchen Beteiligten aber offenbar so peinlich, dass sie auf gar keinen Fall darüber reden möchten: Im Oktober 2008 kam Al Gore als Redner nach München, Klimaschutz-Prediger, Friedensnobelpreisträger, weltbekannt - und sehr teuer.

Nun wurde bekannt: Für die rund 600.000 Euro Miesen, die der Veranstalter "Allianz der öffentlichen Wasserwirtschaft" (AöW) damals machte, hätte um ein Haar in vollem Umfang die Stadt München geradestehen müssen, auch wenn sie mit der Organisation nichts zu tun hatte. Nur durch langwieriges Verhandeln konnte die Stadt den Schaden für die Stadtkasse geringer halten.

Wie ein Mitglied des Rechnungsprüfungsausschusses im Stadtrat bestätigte, hat die Stadt diese Peinlichkeit Thomas Schwarz zu verdanken, dem damaligen Werkleiter bei der Münchner Stadtentwässerung. Der war zugleich Vizepräsident der AöW, einer jungen Organisation, die mit dem hochkarätig besetzten Kongress "Eine Welt - unser Wasser" auf sich aufmerksam machen wollte. Neben Al Gore waren auch der Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stieglitz und der damalige Bundesumweltminister Sigmar Gabriel auf der Rednerliste. Eine Besetzung, die schon 2008 die Frage aufkommen ließ, wie eine so unbekannte Organisation das finanziell stemmen kann.

Das finanzielle Risiko wurde einfach abgewälzt

Die Antwort nun: Man wälzt einfach das Risiko ab. Der damalige Stadtentwässerungschef jedenfalls entschied, dass dieses Risiko eben die Stadtentwässerung trage und nicht der Veranstalter. Zum Unglück für die Stadt trat der schlimmste annehmbare Fall ein. Der Kongress rechnete sich nicht, obwohl er Hunderte Fachbesucher hatte. Die 230.000 Euro allein für Al Gore sowie fast 360.000 Euro Kosten für die übrigen Redner, Sicherheitskräfte und Reisekosten waren jedenfalls nicht zu bezahlen.

Oberbürgermeister Christian Ude, der sich gern neben Al Gore fotografieren ließ, wusste offenbar nichts davon, dass die Stadt dafür würde aufkommen müssen. Am Montag war er für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Er soll allerdings schon kurz nach der Veranstaltung auf einen anonymen Hinweis hin das städtische Revisionsamt beauftragt haben, die Sache genauer zu prüfen. Heraus kam die Gewissheit, dass der Werkleiter der Stadtentwässerung tatsächlich einen Alleingang hingelegt hatte.

Schwarz kam letztendlich formal ungeschoren davon, gab aber seinen Münchner Job auf, er verdient sein Geld nun in Norddeutschland. Der städtische Rechnungsprüfer bestätigte indes Informationen der Abendzeitung, wonach die Stadt einen Großteil des Schadens nach harten Verhandlungen abwehren konnte. Demnach muss der ehemalige Chef der Stadtentwässerung 80.000 Euro selbst übernehmen, Versicherungen der Beteiligten zahlen 250.000 Euro. Bei der Stadt selbst bleiben gut 90.000, bei der Stadtentwässerung 45.000 Miese.

Die Allianz der öffentlichen Wasserwirtschaft, die Organisation also, die mit dem prominent besetzten Kongress ganz groß rauskommen wollte, gibt sich in dem Zusammenhang äußerst kleinlaut. "Kein Kommentar", heißt es aus der Zentrale in Berlin. Neben den finanziellen Folgen - immerhin 50.000 Euro muss sie nun doch noch selbst tragen - hat sie auch mit Personalnot kämpfen: Thomas Schwarz gab seinen Posten auf, die AöW ist nun auf der Suche nach einem neuen Vizepräsidenten.