Siedlung Ludwigsfeld Zwölf Skelette

Archäologen finden Gebeine, aber keine Nazi-Massengräber

Von Simon Schramm

Vor zweieinhalb Jahren äußerte der Stadtviertelhistoriker und Politiker Klaus Mai (SPD) einen Aufsehen erregenden Verdacht: Auf einem Gelände in der Siedlung Ludwigsfeld im Münchner Nordwesten könnten sich bisher unentdeckte Gräber von Opfern des Nazi-Regimes befinden. Mai sprach von Massengräbern. Diese Vermutung hat sich aber nicht bestätigt, wie das NS-Dokumentationszentrum nun nach Abschluss entsprechender archäologischer Untersuchungen mitgeteilt hat. Auf dem betroffenen Areal seien allerdings zwölf vollständige Skelette und wenige einzelne Gebeine gefunden worden. Das Dokuzentrum hat in Absprache mit Überlebenden-Verbänden und Institutionen wie der KZ-Gedenkstätte Dachau beschlossen, die zwölf Skelette in einem nahe gelegenen Friedhof beizusetzen.

Bevor die Siedlung Ludwigsfeld in den Fünfzigerjahren entstand, befand sich dort das 1943 errichtete Außenlager Allach des Konzentrationslagers Dachau. Dort waren vor allem Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene untergebracht, die im BMW-Flugmotoren-Werk in Allach eingesetzt wurden. Das NS-Dokuzentrum geht davon aus, dass es sich bei den entdeckten Skeletten unter anderem um Opfer einer Typhus-Epidemie handelt, die nach der Befreiung des Lagers gewütet habe. Diese Verstorbenen wurden 1950 im nordöstlichen Teil der heutigen Siedlung Ludwigsfeld bestattet, die Grabstellen kartiert. 1955 wurden diese Opfer exhumiert und auf dem KZ-Friedhof auf dem Leitenberg erneut bestattet. "Mit größter Sicherheit" sei diese Exhumierung nicht vollumfänglich ausgeführt worden, erklärt das Dokuzentrum. Die zwölf nun entdeckten Individuen seien sorgfältig begraben gewesen, die Fundstellen entsprächen in Lage und Anordnung der ehemaligen Kartierung. Laut dem Dokuzentrum gestaltet es sich schwierig, die genaue Identität der zwölf Menschen festzustellen, weshalb die Bestattung in einer multireligiösen Zeremonie vollzogen werden solle.

Gefunden wurden bei den Untersuchungen auch Gebrauchsgegenstände der Häftlinge wie Geschirr und Kleidung. Sie sollen der KZ-Gedenkstätte Dachau übergeben werden.