Siedlung Ludwigsfeld Unzumutbare Zustände

Unendliche Geschichte: Die Baracke gehörte einst zum Außenlager des KZ Dachau und ist seit langem in einem immmer schlimmer werdenden Zustand.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Die Sanierung der ehemaligen KZ-Außenlager-Baracke an der Granatstraße lässt weiter auf sich warten

Von Simon Schramm, Siedlung Ludwigsfeld

Schon seit längerem ist bekannt, dass ein geschichtlich bedeutsames Gebäude in der Siedlung Ludwigsfeld dringend saniert werden soll. Und genauso lange ist es fraglich, wann die Arbeiten an der ehemaligen KZ-Außenlager-Baracke an der Granatstraße, die heute die Spieler des TSV Ludwigsfeld als Sportkabine nutzen, nun tatsächlich in Schwung kommt. Im Frühjahr schien die Sanierung endlich fix zu sein: Obwohl die Umbaukosten gestiegen waren, kündigte das Referat für Sport und Bildung an, dass der Mietvertrag mit der Patrizia, Inhaber des Gebäudes, grundsätzlich geschlossen werden könne, auch wenn er teurer ausfalle.

Aber bis jetzt, fast ein Dreivierteljahr später, ist die Einigung noch immer nicht zustande gekommen. Für den Verein wird der ausstehende Umbau immer bedrohlicher. "Die Sanierung ist überlebensnotwendig", sagt Vereinsvorstand Reinhold Knerr, "der Verein könnte innerhalb der nächsten zwei, drei Jahre sterben, weil wir dann keine Nachwuchsmannschaften mehr haben".

Das eingeschossige Gebäude ist eine der wenigen historischen Spuren in der Siedlung Ludwigsfeld. Es ist auf der Fläche eines Außenlagers des KZ Dachau entstanden und steht darum unter Denkmalschutz. Längst ist die Baracke heruntergekommen: Der Putz blättert ab, die Wand ist mit Graffiti beschmiert. Drinnen gibt es keine Lüftung, weshalb die Räume regelmäßig von Schimmel befallen sind. "Uns laufen die Eltern der Nachwuchsspieler weg, wenn sie das sehen", sagt Vereinsvorstand Kerr. Es gestalte sich schwierig, junge Spieler anzuwerben, wenn es keinen zumutbaren Ort gebe. Derzeit ziehen sich die Spieler im Gebäude um und duschen auch dort: "Dazu sind wir gezwungen, aber ein Ort der Geselligkeit ist es nicht", sagt Knerr. Für größere Feste oder ein Beisammensein nach den Spielen könne das Gebäude nicht genutzt werden. Der Verein verliert auch deshalb immer mehr Mitglieder, sagt Knerr.

Die Sanierung ist seit 2011 geplant, im April 2014 wurde die Baugenehmigung erteilt. Auch ein Sanierungskonzept gibt es bereits; laut der Patrizia ist die Baumaßnahme schon mit Handwerkerfirmen vorverhandelt worden. Im Zuge der Ausschreibung stellte sich aber heraus, dass sich die Kosten für die Sanierung auf etwa 768 000 Euro belaufen - ursprünglich war man von rund 660 000 Euro ausgegangen. Im Januar drängte die CSU-Fraktion des Bezirksausschusses auf einen umgehenden Abschluss des Mietvertrags, im Februar schien die Kostensteigerung dem Vernehmen des Sportamtes nach kein Hindernis zu sein.

Dennoch ging seitdem nichts voran. Die Patrizia teilt auf Nachfrage mit, dass der noch zu schließende Mietvertrag über die Räumlichkeiten derzeit von der Stadt geprüft werde. Das Sportamt wiederum sagt, die Stadt verhandle mit der Patrizia über den Mietvertrag für das Gebäude; die Stadt wolle den TSV Ludwigsfeld natürlich langfristig adäquat unterbringen und setze sich deshalb für eine zeitnahe und passgenaue Lösung ein.

Stadtteilhistoriker Klaus Mai ist verwundert, dass sich der Vertragsabschluss nun schon so lange hinzieht: "Das ist eine Zumutung, es ist unerträglich und eine Verhöhnung der furchtbaren Geschichte, die dort geschehen ist." Klaus Mai hat sich intensiv mit der Geschichte der Siedlung Ludwigsfeld beschäftigt und ist auch als SPD-Bezirksausschussmitglied mit der Sache befasst. Laut Mai hat ihm das Kulturreferat zugesichert, dass nach der Sanierung ein an die ehemalige Baracke anschließendes Gebäude als Gedenkort ausgebaut werden würde.

Derzeit erinnern nur zwei Gedenktafeln an der Außenwand der Kabine an die Vergangenheit des Ortes; womöglich wird ein Teil des Gebäudes, in dem sich früher ein Kino befand, zu einen größeren Informationsort ausgebaut. Obendrein könnte ein Teil des Gebäudes auch als Kulturzentrum und örtlicher Treffpunkt für die Ludwigsfelder dienen - eine solchen gibt es in der Siedlung bisher nämlich nicht.