Sicherheitsbedenken Zwei Schulen bleiben wegen lockerer Deckenplatten geschlossen

Auch das Wilhelmsgymnasium schloss deswegen, auch wenn Direktpr Michael Hotz sich im Datum vertat.

(Foto: Robert Haas)
  • Zwei Münchner Gymnasien bleiben wegen lockerer Deckenplatten geschlossen.
  • Zur Vorsicht werden nun in beiden Containern etwa 9000 Platten entfernt.
  • Bis Montag sollen diese Arbeiten andauern. Danach will sich das Baureferat Gedanken um eine stabilere Aufhängekonstruktion machen.
Von Melanie Staudinger

Viele Schüler dürften von einer solchen Situation schon geträumt haben: Man schleift sich frühmorgens zur Schule, fürchtet sich vor der Lateinstunde, weil man das Vokabellernen mal wieder verdrängt hat, und müde ist man auch. Doch am Schultor angekommen, dann die Überraschung: "Wegen Bauarbeiten geschlossen." Eine Szene, die ältere Semester gerne an den Film "Die Feuerzangenbowle" erinnert.

Und eine Szene, die sich in etwa so am Mittwochmorgen vor dem Ausweichquartier des Wilhelmsgymnasiums in der Oettingenstraße zugetragen hat. An die Glastüren hat Schulleiter Michael Hotz höchstpersönlich weiße Zettel gehängt: Die Schule bleibe heute geschlossen, wegen einer Bauprüfung.

Eigentlich ist in den blauen und grünen Containern auf dem früheren Gelände der Tivoli-Tennisanlage rein gar nichts passiert. Ganz im Gegenteil, das Gymnasium ist erst im September eingezogen, weil das marode Gebäude an der Thierschstraße in den kommenden drei Jahren generalsaniert wird. Und bisher haben sich Schüler und Lehrer gut eingelebt in den Räumen, in denen sie die kommenden drei Jahre verbringen werden. Gut elf Kilometer weiter nordöstlich aber, in Moosach, steht zufälligerweise eine baugleiche Anlage. Und in dieser haben sich am Dienstag in der Mittagspause in einem Klassenzimmer Deckenplatten gelöst. Sicherheitshalber sperrte das städtische Baureferat beide Gebäude.

Warum der Zwischenfall für das Rathaus ungelegen kommt

Das Rathaus schickte gleich eigene Experten sowie einen externen Sachverständigen los. Belastungstests in mehreren Klassenräumen hätten ergeben, dass die Verschraubung der Aufhängekonstruktion, in der die Deckenplatten eingehängt seien, zu schwach sei, heißt es in einer Pressemitteilung. Zur Vorsicht würden nun in beiden Containern etwa 9000 Deckenplatten entfernt, so dass die Räume sukzessive wieder benutzt werden könnten. Bis Montag sollen diese Arbeiten andauern. Danach will sich das Baureferat Gedanken um eine stabilere Aufhängekonstruktion machen und diese installieren lassen.

In diesen Containern an der Gerastraße (oben) fielen die Platten von der Decke.

(Foto: Hess)

Der Zwischenfall in Moosach kommt für die Münchner Stadtverwaltung nicht gelegen. Mitte September erst waren im Pavillon der Ludwig-Thoma-Realschule in Berg am Laim Deckenteile heruntergekracht und hatten Schüler verletzt. Zu kurze Schrauben waren damals der Grund für den Unfall. Und nun gibt es erneut einen Zwischenfall ausgerechnet in einer der Pavillonanlagen, die von den Eltern ohnehin schon eher gering geschätzt werden und von denen die Stadt in diesem Jahr erst 14 Stück an verschiedenen Standorten aufgestellt hat. 2016 sollen 28 weitere folgen. Sie sollen an überfüllten Schulen Platz schaffen oder eine Heimat auf Zeit für die maroden Einrichtungen sein, die dringend saniert werden müssen.

Das Wilhelmsgymnasium treffen die Moosacher Ereignisse vollkommen unvorbereitet: Der Schule steht kein eigenes Ausweichquartier zur Verfügung, weil sie ja ohnehin schon in einem solchen untergekommen ist. Und Direktor Hotz erfährt ziemlich spät, dass er am Dienstagabend noch einiges organisieren muss. Um dreiviertel sechs am Abend, um genau zu sein. "Zum Glück waren alle meine Lehrer auf einem Ausflug", sagt Hotz.

Wie es am Wilhelmsgymnasium nun weitergeht

Das gesamte Kollegium sei noch auf der Rückfahrt in einem Bus gesessen, so dass alle gleich zur Schule gekommen seien. "Dann haben wir überlegt, wie wir alle informieren können", erklärt der Direktor. Er schreibt einen Eintrag auf der schuleigenen Homepage, der Rest läuft über Mail, Smartphone und soziale Netzwerke. Ob das funktionieren würde, weiß keiner so wirklich.

Deshalb beordert Hotz auch einen Großteil der Lehrer am Mittwoch um acht vor die Schule - schließlich muss jedes Kind, das betreut werden will, auch beaufsichtigt werden. Mit Butterbrezen warten gut zwei Dutzend Pädagogen am Pausenhof, die Schule darf ja nicht betreten werden. "Ein Glück, dass es nicht so kalt ist wie gestern", sagt einer von ihnen. Die Lehrer haben durchaus Pläne, was sie mit den Schülern machen wollen: in ein Museum gehen oder in die Bücherei. Auf die Fünftklässler wartet eine besondere Überraschung. Sie haben im Unterricht gerade den Triumphzug durchgenommen. Eine Lehrerin will mit ihnen daher zum Siegestor fahren.

Da die Schule keine eigene Turnhalle hat, hat Hotz alle Busse abbestellt, die die Kinder üblicherweise zum Sportunterricht bringen. Noch in der Nacht hat er weitere Schilder angefertigt und sogar laminiert: 5 a, b und c steht drauf, die anderen Klassen sind zu Jahrgangsstufen zusammengefasst - damit alle Schüler sich geordnet sammeln können. "Wenn dann kommen wohl eher die Jüngeren, die älteren Schüler können ja alleine daheim bleiben", sagt Hotz.

Alternativprogramm auch in Moosach

Doch ganz offensichtlich hat er sein eigenes Organisationstalent unterschätzt. Es wird acht Uhr, dann fünf nach acht. Plötzlich taucht tatsächlich ein Schüler auf. Ein Achtklässler, der von der Sperrung der Schule tatsächlich nichts weiß. Der Fall ist schnell gelöst: ein Anruf bei den Eltern und schon ist der Junge wieder auf dem Heimweg. Die Lehrer warten weiter, essen ihre Brezen. Gut eine halbe Stunde werden sie noch vor der Schule stehen. Fünf Fünfklässler, deren Eltern so kurzfristig keine Betreuung organisieren konnten, tauchen schließlich noch auf. Für die Lehrer bedeutet dies: Alle bis auf drei haben den Vormittag außerplanmäßig frei.

In Moosach können die Schulleiter zumindest besser planen. Den Pavillon im Schulzentrum teilen sich die städtische Artur-Kutscher-Realschule und die Oberstufe des Gymnasiums München-Moosach. Beide Schulen haben Glück. Nicht nur, dass keiner verletzt wird, sie kriegen am Dienstag noch relativ früh am Nachmittag mit, dass ihre Klassenzimmer gesperrt würden.

Auch sie organisieren ein Alternativprogramm für die kommenden Tage: Die Realschüler gehen auf Exkursion. Die ausgelagerten Elft- und Zwölftklässler müssen in den Altbau des Gymnasiums Moosach zurückziehen - aus Platzmangel kann nicht jede Stunde stattfinden. Das Wilhelmsgymnasium greift auf ein Angebot des Bildungsreferats zurück und bezieht im Schichtbetrieb ehemalige Schulräume am Sendlinger Tor.

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