Sendling Unter Zugzwang

Der Auszugstermin naht: Eltern, Schüler und Förderer der Montessori-Schule kämpfen darum, dass die integrative Schule in Sendling bleibt.

(Foto: florian peljak)

Die Montessori-Schule muss am Ende der Sommerferien das Gelände an der Reutberger Straße räumen. Für die Suche nach einem neuen Standort bleibt wenig Zeit. Bezirksausschuss Sendling vermisst Unterstützung der Stadt

Von Birgit Lotze, Sendling

Im Sendlinger Bezirksausschuss macht sich Unmut breit über die unzureichende Unterstützung der Montessori-Schule durch die städtischen Behörden. Die ehemalige Stadträtin Anja Berger (Grüne), die zum Jahreswechsel für Erwin Winter in den Bezirksausschuss (BA) nachgerückt ist, sprach davon, die Schule werde offensichtlich boykottiert. Die Stadt zeige keinerlei Bereitschaft, die Abspaltung des Sendlinger Zweigs der Schule zu unterstützen. "Wo der Wille fehlt, da ist auch kein Weg." Auch SPD-Fraktionssprecher Ernst Dill teilt Bergers Auffassung: "Die Stadt lässt die Montessori-Schule am ausgestreckten Arm verhungern."

Hintergrund ist ein Schreiben des Baureferats an eine Sprecherin des Vereins Montessori für Sendling, Ina Lober. Der Verein hatte bei der Bürgerversammlung im Oktober erfolgreich beantragt, dass bei der Neuplanung und Vergabe von Grundstücken um das Großmarktgelände auch der Bau einer Montessori-Schule berücksichtigt werden solle. Auch der BA hatte sich einstimmig hinter die Empfehlung der Bürgerversammlung gestellt. In der Antwort bittet das Baureferat "noch um etwas Geduld". Eine Bearbeitung sei "aufgrund des erheblichen Arbeits- und Abstimmungsaufwandes in der satzungsgemäßen Frist nicht möglich". Dafür brauche die Verwaltung voraussichtlich bis Mai.

Die Sendlinger Montessori-Anhänger stehen nach zweieinhalbjähriger Suche genauso da wie vor den Sommerferien 2013, als bekannt wurde, dass der Schulträger, der Verein Sonnenschein, den Pachtvertrag für das Gelände an der Reutberger Straße nicht über die Sommerferien 2016 hinaus verlängert - doch jetzt ohne die drei Jahre Spielraum für die Suche nach einer neuen Bleibe. Die Zukunft der derzeitigen Schüler ist zwar gesichert, sie sollen vom nächsten Schuljahr an in der Montessori-Schule an der Heigelhofstraße in Hadern beim gleichen Träger Aktion Sonnenschein weitermachen.

Allerdings will ein Großteil der Eltern, Schüler und Förderer der Schule, dass die integrative Schule in Sendling erhalten bleibt. Sie haben sich zum Verein zusammengeschlossen und unter anderem der Stadt auch angeboten, mit einer im Vergleich zur derzeitigen Situation vergrößerten Schule mehr Kapazitäten anzubieten und die Stadt auch bei der Kinderbetreuung stärker zu entlasten. Die Stadt sieht sich allerdings außerstande, ein Areal zur Verfügung zu stellen. Nun wird die Zeit knapp: Ende März müssten die Unterlagen für die Genehmigung der Schule bei der Regierung von Oberbayern eingereicht werden - nicht nur zum Schulkonzept, sondern auch mit einem genehmigten Plan für Baumaßnahmen.

Der Bezirksausschuss hat nun noch einmal einen Brief an die Stadt verfasst. Darin bekräftigen die Stadtteilpolitiker den Wunsch, die Schule, die älteste Montessori-Schule Bayerns, in Sendling zu halten. Sie fordern erneut, die Schule auf dem Parkplatz vor der Icefactory am Gotzinger Platz zu errichten - sei es als Interimslösung im Container oder langfristig. Als Alternative schlagen sie die Sendlinger Brache, Sendlings einzige Baulücke, die bald durch die städtische Wohngesellschaft GWG bebaut werden soll, vor. Es solle geprüft werden, inwiefern die Schule in das GWG-Konzept integriert werden könne. Darüber hinaus fordert der BA, dass das städtische Areal am Herzog-Ernst-Platz nicht verkauft, sondern grundsätzlich in Erbpacht vergeben wird.

Einige Möglichkeiten für einen Montessori-Schulbau, der um einen Kindergarten, einen Hort und eine Krippe erweitert werden soll, wurden in den vergangenen Jahren abgeklopft - feste Gebäude und auch Übergangslösungen im Container. Die Brache am Herzog-Ernst-Platz missfiel dem Referat für Stadtplanung und Bauordnung. Der Lärm an der verkehrsreichen Kreuzung könne problematisch werden. Die Flächen des Großmarktgeländes hielt das Kommunalreferat für ungeeignet, da sie frühestens im Jahr 2020, eher noch später, frei werden. Die Flächen an der Königsdorfer Straße und am Gotzinger Platz, wo der Verein Montessori für Sendling auf eine Zwischenlösung in den Jahren 2016 bis zum Bau einer Schule auf dem Großmarktareal hofft, würden während der Bauphase für die Großmarkthallen benötigt. Das Kommunalreferat sagte auch eine Lösung auf dem Viehhof ab. Das sei kein Standort für eine Schule aufgrund der "betriebsbedingten gutachterlich festgestellten Immissionen" mit starkem Lkw-Verkehr und Gewerbelärm. Die Flächen der Großmarkthalle seien derzeit aus Sicherheitsgründen gar nicht öffentlich zugänglich. Ob frei werdende Bereiche nach dem Umbau auf dem Großmarktareal für die Montessori-Schule infrage kommen, wollte Kommunalreferent Axel Markwardt bei der Überplanung der Flächen auf dem Gelände prüfen. Er hatte dafür eine Terminverlängerung bis Ende Dezember 2015 beantragt.