Sendling "Uferlos, was da passiert ist"

Nur noch eine Frage der Zeit: Die Stadt wird die Gebäude der Montessori-Schule an der Reutberger Straße abreißen lassen.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Bezirksausschuss kritisiert Haltung der Stadt in Sachen Montessori-Schule und hofft auf eine Chance im Großmarkt-Areal

Von Birgit Lotze, Sendling

Die Sendlinger Montessori-Schule soll in den nächsten Wochen abgerissen werden. Die Stadtteilpolitiker kritisierten im Bezirksausschuss nochmals einen unzureichenden Einsatz der Stadt für Schule, Kinder und Verein. Einigen Mitgliedern war die Enttäuschung über die Schließung des "pädagogischen Kleinods", wie es in der Sitzung hieß, deutlich anzusehen. Diesmal bot eine Antwort des Referats für Bildung und Sport auf eine Serie von Anträgen der Bürgerversammlung im vergangenen November Anlass zu neuer Kritik.

Denn Stadtschulrätin Beatrix Zurek stellt darin offenbar klar, dass die Stadt nicht mehr für die Wünsche des Vereins "Montessori für Sendling", der mehr als drei Jahre für den Erhalt der ältesten Montessori-Schule Bayerns gekämpft hat, zuständig sei. Dies sei nun Sache des Freistaats. Deshalb setze sie sich nicht dafür ein, dass der Verein sein Konzept für eine neue Schule mit Hort, Kindergarten und Krippe im Stadtrat vorstellen könne.

"Die Stadt hat eine wunderbare Sache vor die Hunde gehen lassen", kommentierte SPD-Fraktionssprecher Ernst Dill. Er forderte seine Kollegen im Plenum auf, dem Schreiben die Zustimmung zu verweigern und sich "zähneknirschend zu enthalten", was sie auch machten - nur ein Zeichen, denn am Sachverhalt kann der Bezirksausschuss in diesem Fall überhaupt nichts ändern.

Das Schulreferat weist in dem Schreiben darauf hin, dass kein Schülerplatz an der Montessori-Schule verlorengehe: Der bisherige Schulträger habe sämtliche Schüler, die bislang die Sendlinger Schule an der Reutberger Straße besuchten, an seinem größeren Standort in Hadern untergebracht. Bei dem Verein "Montessori für Sendling" handele es sich um einen neuen Schulträger. Die Genehmigung einer Ersatzschule liege in der Zuständigkeit des Freistaats. Da dieser für Privatschulen zuständig sei, sei es nicht ersichtlich, weshalb ein privater Träger der aktiven Unterstützung der Stadt München bedürfe.

Anja Berger (Grüne) sagte im Bezirksausschuss, es sei "uferlos, was da passiert ist". Auf einstimmige Unterstützung stieß ihre Forderung, dass weiterhin aktiv auf eine Sendlinger Montessori-Schule hingearbeitet werde. Der Vorsitzende des Sendlinger Bezirksausschusses Markus Lutz (SPD) hofft auf einen Platz für die Schule auf dem Großmarkt-Gelände. In diesem Winter sollen Workshops für die Bürger stattfinden, in denen die Leitlinien für eine Gestaltung des Areals diesseits der Alten Thalkirchner Straße erarbeitet werden. Das Gelände wird frei, wenn die neue Großmarkthalle auf der Isarseite der Alten Thalkirchner Straße gebaut ist. Bei den Workshops soll ein Neubau der Montessori-Schule zur Sprache kommen. "Ich hoffe, der Verein Montessori für Sendling hat so einen langen Atem", sagte Lutz.

Der Verein besteht größtenteils aus Eltern der derzeitigen Schüler. Diese haben angekündigt, dass sie den Verein auch nach der herben Enttäuschung - bis zum Schluss hatte man gehofft, dass die Stadt doch noch eine Übergangslösung für den Schulunterricht findet - nicht aufgeben wollen. Doch bis eine neue Schule auf dem Großmarkt-Gelände überhaupt entstehen kann, werden noch mehrere Jahre vergehen. Außerdem steht der Großmarkt auf städtischem Gebiet: Ob die Stadt für dieses Areal überhaupt Zugeständnisse für eine Montessori-Schule macht, ist ebenso fraglich. Schließlich sieht sie sich inzwischen nicht als zuständig an.

Das Schulreferat hat immer wieder darauf verwiesen, dass es selbst dringend für die städtischen Schulen Freiflächen braucht. Auf dem Gelände der jetzt geschlossenen Montessori-Schule an der Reutberger Straße und auf dem angrenzenden Grundstück sollen vor allem Betreuungseinrichtungen für die Gotzinger Schule gebaut werden.

Durch eine Sprengeländerung bei der Grundschule an der Implerstraße zugunsten der Grundschule am Gotzinger Platz soll auch die Impler-Schule entlastet werden. An der Reutberger Straße sind zwei Lernhäuser, drei Kindergartengruppen und zwei Krippengruppen geplant. Mit den Bauten hofft das RBS den Raummangel der Grundschule, der Mittelschule, der Maria-Probst-Realschule und von Kindergarten und Hort am Gotzinger Platz zu lindern. Die Baumaßnahmen sollen im Zuge der Schulbauoffensive möglichst schon im Jahr 2018 starten.