Schienenersatzverkehr in München 14 Wochen ohne U-Bahn

Auf der Linie U6 werden im Münchner Norden 14 Wochen lang keine Züge fahren.

(Foto: Robert Haas)

Es wird eine der größten Baustellen, die die Münchner Verkehrsgesellschaft je abgewickelt hat: Im Münchner Norden können auf der Linie U 6 fast 14 Wochen lang keine Züge mehr fahren. Die Fahrgäste erwartet eine harte Nervenprobe.

Von Marco Völklein

Es wird eine der größten U-Bahn-Baustellen, die die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) je abgewickelt hat. Auf die Fahrgäste der U 6 wartet eine harte Nervenprobe, wenn die MVG-Ingenieure in knapp zwei Monaten damit beginnen, die Gleisbrücke über der Heidemannstraße im Münchner Norden zu sanieren.

Dann werden fast 14 Wochen lang zwischen Studentenstadt und Kieferngarten keine Züge mehr fahren. Der Ersatzverkehr mit Bussen wird eine Herausforderung für den städtischen Verkehrsbetrieb. Vor allem vielen Pendlern aus Garching sowie den Studenten und Lehrkräften der Technischen Universität, die den Campus in der 16 500-Einwohner-Stadt erreichen wollen, graut jetzt bereits davor.

Doch laut MVG-Chef Herbert König führt kein Weg an dieser "wichtigen Operation an der Hauptschlagader des U-Bahn-Betriebs" vorbei. Die Gleisbrücke ist seit dem Start der U-Bahn vor mehr als 40 Jahren in Betrieb. Über sie rücken morgens die Züge aus den Werkstätten und Abstellflächen der MVG in Fröttmaning aus; am späten Abend rollen die Waggons wieder zurück in die Werkstatt.

Mittlerweile sei die Brücke stark sanierungsbedürftig, sagt König. Nicht nur die Gleise, sondern auch den Betonbau selbst wollen die Ingenieure erneuern. In diesem Jahr ist die westliche Brückenhälfte dran, 2014 soll die östliche folgen. Zudem werden nördlich und südlich der Brücke Gleise erneuert und der U-Bahnhof Kieferngarten modernisiert.

Das Problem ist nur: Während der Bauzeit können tagsüber keine Züge über die Brücke rollen. Die MVG benötigt nach eigener Darstellung den Platz, um das Baumaterial anzuliefern; zudem müsse man den Strom abschalten, um die Arbeiter nicht zu gefährden. Lediglich in den Nachtstunden zwischen 22 und 6 Uhr besteht die Möglichkeit, U-Bahnen in die Werkstatt ein- und später wieder ausfahren zu lassen. Schließlich müssen die Züge unter anderem regelmäßig gewartet und gereinigt werden.

Expressbusse über die A9 ohne Zwischenstopp

Die Fahrgäste werden vom 21. Mai bis 25. August auf Ersatzbusse umsteigen müssen. Sie können dabei zwischen zwei Linien wählen: Zum einen werden Busse zwischen Studentenstadt und Kieferngarten pendeln und dabei auch die Station Freimann ansteuern. Zum zweiten werden Express-Busse zwischen dem Bahnhof Alte Heide und Fröttmaning über die A 9 rauschen - und das ohne Zwischenstopp.

Die Express-Busse sollen vor allem den Fahrgästen, die nach Garching wollen oder von dort kommen, das Leben mit der Großbaustelle ein wenig erleichtern - sofern sie denn nicht im Pendlerstau auf der A 9 stehen. Aber auch für solche Fälle habe man vorgesorgt, versichert König: Bei einem Unfall auf der A 9 zum Beispiel können die Busse über die (für den normalen Autoverkehr gesperrte) Burmesterstraße ausweichen und dann ein Stück parallel zur verstopften Autobahn fahren.

26 Busse und bis zu 60 Mitarbeiter will die MVG einsetzen. Zudem könne man "flexibel reagieren", verspricht König, und etwa zusätzliche Reservebusse anfordern, um Spitzenbelastungen abzufedern. Unterm Strich allerdings werden die Passagiere laut MVG, je nach Verkehrslage, zehn bis 20 Minuten länger unterwegs sein als normal.

Die Stadt Garching hatte gefordert, dass die MVG trotz der Baustelle die Strecke durchgängig befährt und mit der U 6 eingleisig an der Baustelle vorbeifährt. Das sei aber "aus Sicherheitsgründen" nicht möglich. In einem Notfall könne man auf der Brücke und im Bereich der Unterquerung des Frankfurter Rings die Züge nicht evakuieren - während die Baustelle läuft, sei dazu der Platz nicht vorhanden. König: "Schon unsere Aufsichtsbehörde würde das nie genehmigen."