Flughafen Kleine Brücke, großes Problem für S-Bahn und Autos

Fast 300 Meter lang, etwa 3,50 Meter breit - Stück für Stück werden Arbeiter die Fußgängerbrücke am S-Bahnhof Besucherpark abtragen.

(Foto: Imago)
  • Die Fußgängerbrücke am S-Bahnhof Besucherpark wird abgetragen und zu einer Spezialfirma nach Regensburg zur weiteren Behandlung gefahren. Anschließend wird der Steg wieder aufgebaut.
  • Die Demontage des Fußgängerstegs am Flughafen behindert in den nächsten Monaten vor allem den S-Bahn-Verkehr zum Airport.
Von Marco Völklein

Es ist nur ein knapp 300 Meter langer, relativ unscheinbarer Fußgängersteg, der da am Münchner Flughafen die zentrale Zufahrtsachse von der Autobahn A 92 zum Terminal sowie die S-Bahn-Trasse überspannt. Doch wenn von Mitte März an Arbeiter anrücken und das Bauwerk Stück für Stück auseinandernehmen, werden vor allem viele Fahrgäste der S-Bahn bemerken, dass so ein unscheinbarer Steg für ziemlich viel Durcheinander sorgen kann. Der Flughafen muss das Bauwerk komplett abtragen - und dazu nicht nur die S-Bahn-Strecke immer wieder sperren. Auch auf den Autoverkehr wird sich die Baustelle auswirken.

Das Brückenbauwerk hat mehr als 25 Jahre auf dem Buckel. Damit der Rost ihm nicht noch weiter zusetzen kann, müssen Projektleiter Björn Tanzmann und seine Leute die Brücke in ihre Einzelteile zerlegen, sie in ein Spezialwerk nach Regensburg verfrachten, dort mit einem neuen Rostschutz versehen lassen - und anschließend wieder am Flughafen neu aufbauen.

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Außerdem sollen die Glasscheiben durch moderneres Sicherheitsglas ersetzt werden. Weil es insbesondere im Sommer in der Glasröhre oft ziemlich heiß wird, sollen Arbeiter eine spezielle, transparente Sonnenschutzfolie auftragen.

Und wenn die Ingenieure schon mal dabei sind, wird zusätzlich zu den bestehenden drei Aufzügen ein vierter Lift eingebaut, sodass man künftig barrierefrei auch zur Haltestelle des 635er-Busses Richtung Terminal entlang der zentralen Zufahrtsallee gelangen kann. Insgesamt sechs Millionen Euro lässt sich der Flughafen das Ganze kosten.

"Die Arbeiten werden wir vor allem in den Nachtstunden vornehmen"

Seit einigen Wochen bereits sind Arbeiter dabei, im Grünstreifen zwischen den beiden Fahrbahnen der Zentralallee eine provisorische Überfahrt zu bauen. Über diese sollen dann von Mitte März an die Autos und Lastwagen geführt werden. Denn dann beginnen die Bauarbeiter damit, mithilfe eines großen Schwerlastkrans die einzelnen Brückenteile herauszuheben.

Allerdings wird nur immer jeweils eine Fahrtrichtung über den Mittelstreifen geführt. Und: "Die Arbeiten werden wir vor allem in den Nachtstunden vornehmen", sagt Claus Schippan, der für sämtliche Verkehrsbauwerke am Flughafen verantwortlich ist. Jeweils von 21 Uhr abends bis 4 Uhr in der Früh wird es zu den Einschränkungen kommen.

Wesentlich heftiger wird es indes die Passagiere treffen, die mit der S-Bahn zum Airport oder von dort weg wollen. An insgesamt fünf Wochenenden, jeweils von Samstagabend, 22 Uhr, bis Sonntagmorgen, acht Uhr, fahren weder die S 1 noch die S 8 zum Flughafen. Los geht es damit bereits am Osterwochenende, also in der Nacht von Karsamstag auf Ostersonntag. Die S 1 wendet dann in Neufahrn, die S 8 bereits in Ismaning.

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Von beiden Stationen fahren Ersatzbusse zum Terminal, verspricht Projektleiter Tanzmann. Dennoch sollten sich Reisende rechtzeitig über die Sperrungen informieren - zumal neben der Vollsperrung der Flughafenstrecke auch noch weitere Einschränkungen anstehen: An insgesamt sechs Wochenenden fahren beide Linien nur im 40-Minuten-Takt, weil dann wegen der Steg-Baustelle nur ein eingleisiger Betrieb rund um die Haltestelle Besucherpark möglich ist.

Vom 8. März an wird es Behinderungen geben

Zu allem Überfluss aus Sicht der Fahr- und Fluggäste wird die Deutsche Bahn (DB) in diesem Jahr auf der Linie S 1 weitere Bauarbeiten angehen: Zum einen wird die Neufahrner Kurve, eine geplante Verbindungsspange zwischen der S 1-Trasse und der Bahnstrecke München-Landshut weitergebaut, zum anderen werden im Bahnhof Moosach und im Bahnhof Feldmoching Gleise und Weichen getauscht.

Die DB hat deshalb einen umfangreichen, mitunter aber auch recht komplizierten Ersatzfahrplan ausgetüftelt. Bereits vom 8. März an wird es - zunächst nur in den Nachtstunden nach 22 Uhr - Behinderungen geben. Wer also zum Flughafen will, sollte sich vorher unter www.s-bahn-muenchen.de/baustellen informieren, Hinweise gibt es auch telefonisch unter 089/20 35 50 00. In der Fahrplanauskunft im Internet und an den Fahrkartenautomaten seien die Änderungen zudem bereits hinterlegt, versichert ein DB-Sprecher. Einen kleinen Zeitpuffer einzuplanen, kann aber sicher nicht schaden.

Der Steg selbst wird an einem durchschnittlichen Samstag oder Sonntag von etwa 1100 bis 1500 Menschen benutzt. An Wochenenden mit Feiertagen oder in den Ferien ist allerdings mit mehr Betrieb zu rechnen, schätzt Tanzmann - weil dann viele extra zum Besucherpark des Flughafens anreisen, um den Flugzeugen nachzuschauen.

Deshalb werden Tanzmann und seine Leute in den nächsten Wochen zudem einen Behelfssteg östlich des eigentlichen Fußgängerüberwegs errichten. Der Behelfssteg wird wohl bis Ende November stehen - solange zieht sich die Komplettsanierung des eigentlich doch so unscheinbaren Fußgängerüberwegs hin.

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1100 Menschen

nutzen nach Angaben des Flughafens an einem Samstag den Steg am S-Bahnhof Besucherpark. Die Zahl stammt aus dem April 2013. Damals hatte der Airport die Besucher zählen lassen, um zu erfahren, wie gut der Steg genutzt wird. An einem Sonntag erfassten die Zähler sogar 1500 Menschen. Die Flughafenbetreibergesellschaft geht davon aus, dass an schönen Tagen sowie an Feiertagen noch mehr Menschen kommen - und den Weg zum Besucherpark nehmen.