Ein 21-Jähriger aus Guinea hat sich in die S-Bahn-Türe gestellt, bis auch seine Freundin am Zug war. Ein Lokführer ist darüber so erbost, dass er den Mann beleidigt - und schließlich sogar tritt.
Die Bundespolizei ermittelt gegen einen Münchner S-Bahn-Lokführer, der einen dunkelhäutigen Fahrgast erst beleidigt und danach auch noch getreten hat. Der Vorfall ereignete sich am Dienstagabend in Pasing.
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Das Opfer, ein 21-jähriger Krankenpfleger aus Guinea, war um 19.50 Uhr in eine S-Bahn der Linie 3 nach Holzkirchen gesprungen, gerade als der Lokführer die Türen schloss. Da seine Freundin etwas langsamer war als er, stellte sich der junge Mann in die Türen, bis auch sie am Zug war.
Fahrgäste machen solche Dinge zwar geschätzte hundert Mal am Tag, doch der 51-jährige Mann im Führerstand verlor die Beherrschung: Er maßregelte den Afrikaner per Lautsprecherdurchsage, sodass es jeder im Zug und auf dem Bahnsteig hören konnte - und er warf ihm dabei auch eine ausländerfeindliche Beleidigung an den Kopf.
Der Krankenpfleger war empört und ging zur Tür zwischen Waggon und Führerstand, um den Lokführer zur Rede zu stellen. Doch statt zu öffnen und sich zu entschuldigen, fuhr der 51-Jährige weiter zur Station Hirschgarten. Dort eskalierte der Zwischenfall: Als der Guineer ausstieg und durch ein Seitenfenster per Handy ein Foto von dem Lokführer schießen wollte, trat dieser dem 21-Jährigen gegen die Hand. Das Mobiltelefon fiel zu Boden und zerschellte.
Mehrere Reisende, die sich zuvor schon über die Beleidigung empört hatten, stellten sich als Zeugen zur Verfügung und begleiteten den jungen Mann zur Bundespolizei, die nun wegen Körperverletzung, Beleidigung und Sachbeschädigung ermittelt.
Der 51-Jährige hat seine Taten bereits eingeräumt. Er meldete sie freiwillig an die Leitstelle und auch der Bundespolizei. Die S-Bahn München GmbH kündigte am Mittwoch an, dass gegen den Mitarbeiter disziplinarrechtliche Schritte eingeleitet werden sollen.
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(SZ vom 25.08.2011/sonn)
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Der Verweis auf die mögliche ostdeutsche Herkunft des S-Bahnfahrers hat ja nicht lange auf sich warten lassen.
Selbst mit einem Afrikaner verheiratet, kann ich sagen, dass wir auch oft hier in Bayern das N.. Wort zu hören bekommen. Mein Mann regt sich darüber allerdings nicht mehr auf. Gemeinsame Urlaube in Ostdeutschland, meiner "alten Heimat" haben wir übrigens immer unbeschadet überstanden.
Es ist mir aufgefallen, dass die Zugführer auf das rücksichtslose Blockieren von S-Bahn-Türen zunehmend genervt reagieren und ihren Frust dann per Lautsprecher in gelegentlich scharfer Form ablassen - nicht nur gegenüber Migranten ! Das Blockieren von S-Bahn-Türen ist jedenfalls verboten und das Fotografieren des Fahrers greift möglicherweise in seine Persönlichkeitsrecht ein. Meiner Ansicht nach sollte dieser Fall mit einer wechselseitigen Entschuldigung abgeschlossen werden. Er sollte jedenfalls nicht dafür missbraucht werden, das Klischee des bösen rassistischen Deutschen zu bemühen - das wäre ungerecht. Ich habe sehr viele ausländische Freunde, die sich ganz überwiegend positiv über Deutschland äußern, häufig, trotz jahrzehntelangen Aufenthaltes hier, noch nie auch nur Anflüge von Rassismus oder Fremdenfeindlichkeit bemerkt haben. Ausnahmen bestätigen die Regel.
Haben Deutsche dieses Manko, weil wir nie so richtig Kolonien hatten und die dortige Bevölkerung deshalb schlecht behandelt? Wo Deutsche in Afrika unterdrückten ging es nicht gerade nobel zu. Am allerwenigsten brauchen wir auf Engländer und Franzosen zeigen. Es gibt aber in Deutschland ein Nord-Süd-Gefälle, bei dem Preußen nicht immer vorteilhaft abschneiden.
Wäre interessant, woher der S-Bahn-Fahrer kommt. Etwa aus dem neuen Osten?
@Bull-Dozer:
Ein Artikel über einen Lok-Führer, der ausländerfeindliche Beleidigungen über Lautsprecher an einen Fahrgast richtet, sich der Beweisaufnahme zur späteren Identifizierung entziehen will und dabei sein Opfer tätlich angreift und Sachbeschädigung begeht- und Ihnen fällt nichts dümmeres ein als zu bemäkeln,dass man eben nicht die Türen blockieren soll...
Da hat ja jemand seine Prioritäten wieder sehr offenkundig gesetzt.
Paging