S-Bahn-Lokführer greift Fahrgast an Beleidigt und getreten

Ein 21-Jähriger aus Guinea hat sich in die S-Bahn-Türe gestellt, bis auch seine Freundin am Zug war. Ein Lokführer ist darüber so erbost, dass er den Mann beleidigt - und schließlich sogar tritt.

Von Stefan Simon

Die Bundespolizei ermittelt gegen einen Münchner S-Bahn-Lokführer, der einen dunkelhäutigen Fahrgast erst beleidigt und danach auch noch getreten hat. Der Vorfall ereignete sich am Dienstagabend in Pasing.

Das Opfer, ein 21-jähriger Krankenpfleger aus Guinea, war um 19.50 Uhr in eine S-Bahn der Linie 3 nach Holzkirchen gesprungen, gerade als der Lokführer die Türen schloss. Da seine Freundin etwas langsamer war als er, stellte sich der junge Mann in die Türen, bis auch sie am Zug war.

Fahrgäste machen solche Dinge zwar geschätzte hundert Mal am Tag, doch der 51-jährige Mann im Führerstand verlor die Beherrschung: Er maßregelte den Afrikaner per Lautsprecherdurchsage, sodass es jeder im Zug und auf dem Bahnsteig hören konnte - und er warf ihm dabei auch eine ausländerfeindliche Beleidigung an den Kopf.

Der Krankenpfleger war empört und ging zur Tür zwischen Waggon und Führerstand, um den Lokführer zur Rede zu stellen. Doch statt zu öffnen und sich zu entschuldigen, fuhr der 51-Jährige weiter zur Station Hirschgarten. Dort eskalierte der Zwischenfall: Als der Guineer ausstieg und durch ein Seitenfenster per Handy ein Foto von dem Lokführer schießen wollte, trat dieser dem 21-Jährigen gegen die Hand. Das Mobiltelefon fiel zu Boden und zerschellte.

Mehrere Reisende, die sich zuvor schon über die Beleidigung empört hatten, stellten sich als Zeugen zur Verfügung und begleiteten den jungen Mann zur Bundespolizei, die nun wegen Körperverletzung, Beleidigung und Sachbeschädigung ermittelt.

Der 51-Jährige hat seine Taten bereits eingeräumt. Er meldete sie freiwillig an die Leitstelle und auch der Bundespolizei. Die S-Bahn München GmbH kündigte am Mittwoch an, dass gegen den Mitarbeiter disziplinarrechtliche Schritte eingeleitet werden sollen.