Nach der Zustimmung des bayerischen Kabinetts votiert auch der Stadtrat für die umstrittene S-Bahn-Röhre. Nur die FDP schert aus.
So schließt sich der Kreis: Nach einer strapaziösen Tour über immer neue Trassenvarianten ist der Münchner Stadtrat wieder dort angelangt, wo er vor vielen Monaten schon einmal war - beim zweiten S-Bahn-Tunnel nämlich.
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SPD, Grüne und CSU sind für die umstrittene S-Bahn-Röhre. Nur die FDP stimmt im Stadtrat dagegen. (© Foto: Catherina Hess)
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"Herzlich willkommen", lautete daher in der Plenumssitzung am Mittwoch der launige Gruß von SPD-Fraktionschef Alexander Reissl an die Kollegen. Waren die Sozialdemokraten doch die einzige Partei gewesen, die dem inzwischen arg gerupften Projekt als einzige treu die Stange gehalten hatte.
Zu treu, wie CSU-Gegenpart Josef Schmid befand - offenkundig gehe die SPD völlig unkritisch mit dem Thema um. Ein Ja gab es trotzdem von der konservativen wie von der grünen Bank, und so erhielt die vom bayerischen Kabinett bereits beschlossene Röhre eine beeindruckende Mehrheit auch im Münchner Rathaus. Reissl will Bayerns Verkehrsminister Martin Zeil (FDP) nun "alle Daumen der SPD-Fraktion drücken", dass die Finanzierungsverhandlungen in Berlin erfolgreich verlaufen.
Das war einerseits ehrlich und andererseits als Bosheit gemeint - an die Adresse der Stadtrats-Liberalen. Denn die stimmten gegen den Tunnel und damit gegen ein Projekt des FDP-geführten Verkehrsministeriums. Fraktionschef Michael Mattar äußerte gar völliges Unverständnis für die Haltung der schwarz-gelben Staatsregierung.
"Wo leben die Kollegen denn?", fragte er sich angesichts des hohen Finanzbedarfs, den man aus leeren Kassen bestreiten müsse. Mattar will stattdessen die Variantendebatte weiterführen: mit einem neuen Gutachten, in dem ein Teilausbau des Südrings genauer untersucht wird.
Diesen Weg, mit dem eine der letzten Lücken im durchaus schon beachtlichen Gutachten-Sortiment geschlossen würde, wollte die große Mehrheit nicht mitgehen. Selbst in der eigenen Partei gab es einen Abweichler: Otto Bertermann, der die FDP auch im Landtag vertritt, votierte für den Tunnel und damit für den eigenen Minister.
Mattar sieht sich dennoch nicht allein auf weiter Flur, sondern in guter Gesellschaft mit diversen Umwelt- und Verkehrsinitiativen, die allesamt vor dem Tunnel warnten.
Dies freilich will Oberbürgermeister Christian Ude nicht überbewertet wissen: "Es gibt Fahrgastorganisationen, die tatsächlich eine gewisse Ähnlichkeit mit der FDP aufweisen", höhnte er. Die nämlich, die "ihre Mitgliederversammlungen in einer Telefonzelle abhalten können".
Die SPD berief sich im Gegenzug auf Tunnel-Unterstützer wie die Handelskammern, den Einzelhandelsverband, MVV, MVG, DGB und nicht zuletzt die bayerische Staatsregierung.
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Die neueste Antwort
Sinniger als ein Transrapid dürfte der zweite Tunnel allemal sein. Jetz is es beschlossen, jetz heissts das Beste draus zu machen.
Und zu den Gutachten frei nach Polt: "Wenn ich ein Gutachten in Auftrag gebe, dass ich von meinem Geld zahle, na dann will ich natürlich ein Gutachten, wo man sagen kann... Jawoi des is a Gutachten!"
Ich bin verwirrt. Hat der Münchner Stadtrat wirklich so überwiegend für den Tunnel gestimmt. Weil die Zeit drängt? Weil er machbar ist? Weil man eine richtig überzeugende Lösung eh nicht finden wird?
Weil man sonst als Verhinderer da steht? Weil der Seehofer an diesem Beispiel zeigen will, dass in Bayern überhaupt noch was auf dei Beine getsellt werden kann?
Liebe Verantwortliche auf Bundesebene, wenn meine Kinder eine Modelleisenbahn wollen und mir nicht mal klar machen können, dass sie sie wirklich wollen, dann schauen sie leider in die Röhre. Hat der Bund dafür Geld übrig?
Wer weiss, vielleicht wäre der Südring tatsächlich die bessere Variante gewesen. Aber Gott sei Dank ist endlich überhaupt was beschlossen worden. Und der Südring hätte sich in Bezug auf die bundesweite Finanzierung nie und nimmer durchgesetzt.
Dieses Jahre/Jahrzehnte langes Tunneldrama ist leider exemplarisch, wie so manches Projekt hierzulande verläuft (siehe Transrapid): Es wird beschönigt, runtergespielt, hochgepusht, diffamiert, bestochen, belogen, lobyisiert und der Gegner immer schön ausgespielt. Objektive ordentlich geführte Studien im öffentlichen Interesse gibt es kaum. Studien sind hierzulande immer Werbeblätter irgendeiner Lobby. Und "ferdw" hat völlig recht - man kann sich aus Fakten immer seine jeweilige eigene Interpretation zusammenzimmern, so wie mans halt gerade braucht...
Es ist immer wieder erheiternd zu lesen,
dass gerade die dafür sind,
die den Spass nicht bezahlen müssen!
Der Freistaat u. die Stadt fordern Milliardenprojekte u. bezahlen soll das der Bund.
Doch hier zeigt sich:
Dessen Töpfe sind nicht gerade PRALL gefüllt u. anderen Bundesländer haben auch Begehrlichkeiten.
Man wird kürzen müssen, bei anderen Baumaßnahmen, im Umland. Und zwar bei vielen. Nach Lindau, nach Garmisch, Augsburg- Ulm u. ins Chemiedreieck.
Der Tunnelblick vieler lässt hinterher einige in die Röhre blicken...
Was heißt hier "bessers Wissen" es gibt die einen Gutachten, die sagen der Tunnel ist besser, andere Gutachten sagen der Südring ist besser. So kann man ewig weitermachen, noch eine Studie, noch einen Untersuchung, noch ein Gutachten usw.
Entscheidend ist, dass endlich mal etwas beschlossen wurde. Sonst wird noch zwanzig Jahre diskutiert, was die besser Lösung ist.
Wo gibt es schon ein eindeutiges "besser". Alles hat immer seine Vor- aber immer auch Nachteile. Es kommt immer nur darauf an, welche Aspekte man stärker gewichtet. Das ist aber eine politische und keine fachliche Frage.
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