Restaurant La Perla Romantik am Eck

An einer Straßenecke in der Maxvorstadt kamen und gingen Lokale, meist konnten sie sich nur wenige Monate halten. Nun ist hier das La Perla eingezogen. Das italienische Restaurant bietet solide Küche - und eine rührende Geschichte.

Von Lisa Sonnabend

Wer in München Wirt werden will, muss ein harter Hund sein. Das ist an der Ecke Schelling-/Luisenstraße zu beobachten - beispielhaft für die vielen anderen Ecken der Stadt. Erst war hier ein italienisches Lokal, dann ein russisches, schließlich für ein paar Monate ein indisches, dann ein Grieche, der sich auch nicht viel länger halten konnte. Und nun ist im Dezember wieder ein neues Lokal in die Räume gezogen.

Doch ausgerechnet an dieser für Wirte schicksalhaften Straßenecke zeigt sich ein anderes Bild von der Münchner Gastronomieszene: Die Ecke erzählt nicht nur eine Geschichte, die vom Geld und Überleben handelt, sondern auch eine, die rührende, ja gar romantische Züge trägt. Das neue Lokal ist nämlich das La Perla - und das gab es hier schon einmal, ehe die russischen, indischen und griechischen Lokale ihr Glück versuchten.

In den neunziger Jahren eröffnete Familie Andolina zum ersten Mal das La Perla, vor fünf Jahren verpachteten sie dann ihr Lokal: Die Eltern waren in Rente gegangen. Nun haben die Maxvorstädter ihr Lokal wieder: Giovanni Andolina, der Sohn, hat das Lokal wiederaufleben lassen.

Das Lokal sieht anders aus als damals. Das russische, das indische und das griechische Lokal haben im Laufe der Jahre renoviert und eigene Einrichtungsgegenstände mitgebracht. Die Wände sind aus einem hellen Terracotta-Ton, an den Säulen sind Statuen befestigt. Das ist weder besonders originell noch hübsch, aber unaufgeregt und durchaus gemütlich.

Im La Perla darf der Gast keine gehobene, exquisite Küche erwarten. Es ist ein Lokal für die Bewohner in der Nachbarschaft und die Studenten der umliegenden Universitäten. Es gibt Pizza, Pasta und italienische Klassiker wie Saltimboca, Calamari oder Dorade. Die Preise sind moderat. Und dafür nimmt man in Kauf, dass nicht immer alles reibungslos verläuft.

Wir entscheiden uns für eine Flasche Lugana, einen von lediglich drei angebotenen weißen Flaschenweinen. Leider nicht vorrätig, sagt der Kellner und empfiehlt stattdessen den Chardonnay (18,50 Euro). Erst sind wir verwundert, doch dann schnell wieder versöhnt, weil der Kellner mit seinem Tipp recht behält. Der Chardonnay ist zurückhaltend im Geschmack, was man ja nicht von jedem Chardonnay behaupten kann. Fast schmeckt er ein wenig nach Sommer.

Dazu bestellen wir den gemischten Vorspeisenteller (9,50 Euro), auf dem sich alte Bekannte der italienischen Antipasti-Kultur befinden: Tomaten mit Mozzarella, gebratene Zuchhini, Auberginen und Pilze, Salami oder eingelegte Zwiebeln. Unter freiem Himmel, in einer kleinen Gasse in Rom würde dies besser schmecken, doch solide bekommt es auch der Koch an der Ecke Schelling-/Luisenstraße hin.

Mit solide lässt sich auch einer unserer beiden Hauptgänge beschreiben: das Saltimbocca (16,50 Euro). Das Kalbsfleisch ist nicht ganz zart, der Abdruck des Fleischklopfers auf den dünnen Schnitzeln ist noch zu sehen, die Salbeisauce schmeckt arg penetrant. Dazu kann der Gast eine Beilage wählen: Salat oder Kartoffeln mit Gemüse. Wir wählen letzteres, an dem es gar nichts auszusetzen gibt. Rosenkohl, grüne Bohnen, Karotten - die Vielfalt im Gemüsehäufchen beeindruckt.

Das Highlight an diesem Abend ist zweifelsohne die Goldbrasse (16,60 Euro), die laut Kellner "ganz frisch eingekauft" wurde. Sie wird im Ganzen serviert, am Tisch souverän tranchiert und dann wird die üppige Portion auf den Teller gehievt. Der Fisch ist zart, gut - mit ordentlich Knoblauch - gewürzt und schmeckt in der Tat frisch. Urteil: mehr als solide.

Und so freuen sich sicherlich viele Nachbarn und Studenten, dass das La Perla zurück ist. Ein nettes Lokal, um Wein zu trinken und preiswert zu essen. Nur gehobene, außergewöhnliche Küche darf hier niemand erwarten.

La Perla, Luisenstraße 75, 80798 München, Telefon: 089/57003661, geöffnet täglich von 11.30 bis 24 Uhr.