Restaurant Kochspielhaus Burger aus der Bäckerei

Aus der ehemaligen Bankfiliale an der Rumfordstraße ist das Kochspielhaus geworden. Geschäftsführerin Adassa Thomaselli präsentiert hier den Burger "Set Germany".

(Foto: Stephan Rumpf)

Da wird selbst ein pochiertes Ei zum freudigen Ereignis: Im Kochspielhaus zwischen Viktualienmarkt und Gärtnerplatz regiert zwar kein Sternekoch, aber ganz sicher auch kein Betriebswirt. Auf der Karte stehen feine Menüs - und Burger.

Von Kurt Kuma

Ein Vorraum mit Theke, hinter dem sich der eigentliche Gastraum anschließt, das ist ja kein unbekanntes Prinzip in Wirtshäusern. Meist handelt es sich dabei um eine Bar. In diesem Fall jedoch gibt es im Vorraum keine Getränke, sondern erlesenes Backwerk. Vielleicht kein Wunder, schließlich handelt sich um eine Filiale der Edelbäckereikette "Backspielhaus", die sich, dem Namen treu, um ein Restaurant erweitert hat: das "Kochspielhaus". Wer hier essen will, passiert also zunächst Tortenstücke und pompöse Zuckergüsse, bevor es ins Restaurant geht.

Gedämpftes Licht, Fell auf Sitzbänken, grob bearbeitetes Holzmobiliar, bauchige Weinflaschen mit Siegellack, stattliche Kerzenhalter und ganze Batterien Tignanello-Wein auf Regalbrettern erzeugen dort eine wohlige Landhausatmosphäre. Dass man hier, in bester Münchner Lage zwischen Viktualienmarkt und Gärtnerplatz, hinter der Glasfassade einer ehemaligen Bank sitzt, fällt angesichts der üppigen, teils schwülstigen Innenraumgestaltung kaum auf. Die Überwachungskameras an der Decke, die holt der Vormieter sicher noch ab.

Nicht minder verspielt wirkt das Speisenangebot. Es folgt nicht dem üblichen Vorspeisen-Hauptspeisen-Dessert-Prinzip, sondern listet zunächst ausgefallene Frühstücksvariationen mit Namen wie "Drei Musketiere" und "Gickeria", dann drei Menüs und schließlich eine ganze Reihe Burger. Ja, Burger. Bemerkenswert gute Burger, wie gleich zu betonen ist.

Der Tageszeit angemessen übergingen wir das Thema Frühstück und widmeten uns direkt den dreigängigen Menüs (zu Preisen von 39 bis 55 Euro), deren Bestandteile auch einzeln bestellbar sind. Ein erfrischendes Spargelschaumsüppchen mit knackiger Einlage (einzeln zu 5,80 Euro) sowie Scheibchen, Verzeihung: "Carpaccio", vom Duroc-Schwein mit Pfifferlingen, Rucola, Pinienkernen und Pesto (13,50) sowie Tagliatelle mit Jakobsmuscheln (12,80) bildeten einen gelungenen Auftakt. Allerdings weniger aufgrund kulinarischer Winkelzüge, sondern schlicht weil alles, wirklich alles, von der Nudel über das Fleisch bis zum letzten Blatt Grün, von belebender Frische und spürbar guter Qualität zeugte. In dieser Küche, so empfanden wir es, regiert kein raffinierter Sternekoch, aber ganz sicher auch kein Betriebswirt. Profiteur ist der Gast, der sich über üppige, ansprechend dargebotene und solide Kost freuen kann. Mit dieser Philosophie wird dann auch ein völlig unspektakulär klingendes Gericht zum freudigen Ereignis: ein pochiertes Ei mit Kräutern auf Spargel und Schinken zum Beispiel. So kann Ei schmecken? Dafür ließen wir glatt den Räucherlachs sausen.

Den Eindruck bestätigten die Hauptgerichte, obgleich ein Stück Lardo-Schinken, der einen auf Risotto gebetteten, "kross gebratene Seeteufel" umhüllte, eindeutig zu viel Salz einbrachte. Mäkeln könnte man auch über ein arg fades "Coco-Bohnen-Ragout", das zwei üppige Stücke Lammkarree begleitete. Die großzügig bemessene Portion Lamm (24,50 Euro) hätte sich mit einem klassischen Rosmarinsud und kräftigem Gemüse wahrscheinlich besser verstanden. Begeistert hat uns hingegen ein zart geschmortes Stück Weiderind auf einem würzigen Kartoffel-Bärlauch-Pürree, angefeuert von einem ausgewogenen, perfekt sämigen Thymian-Jus (22,50 Euro). Schnörkellos, ehrlich, gut.

Um das Gesamtkonzept zu würdigen, probierten wir natürlich auch einen der Burger, deren Vielfalt - wie die Inneneinrichtung - fast ein bisschen übertourt ist. Das Burger-Set "Deluxe" mit Koberind, Trüffel und Gänsestopfleber für erstaunliche 45 Euro überließen wir jedenfalls getrost Gästen aus der Finanzbranche und probierten lieber die Version, die dem Standard-Burger wohl am nächsten kommt: "Set Germany" (12 Euro). Das Urteil einer in Burgerfragen bewanderten Teenagerin lässt sich an dieser Stelle kommentarlos weitergeben: "Also, der ist richtig gut!" Mit Betonung des ersten "I" in richtig.

Das Personal erlebten wir aufgeschlossen, bisweilen ein wenig verkünstelt. Man muss ja nicht jedes Überreichen eines Löffels als kleine Zeremonie gestalten. Das größere Manko schien jedoch das Weinangebot zu sein. Wer sich mit so viel Sorgfalt um Zutaten und Präsentation seiner Gerichte bemüht, sollte auch bei den offen ausgeschenkten Weinen mehr bieten als die vom Mittelklasse-Italiener bekannte, blasse Bianco di Custoza-Trebbiano-Lugana-Litanei. Immerhin, auf der separaten Weinkarte finden sich ein paar interessantere Tropfen, zum Beispiel ein Weißburgunder aus dem Friaul (Russiz) oder einen Chateauneuf du Pape (Vieux Télégraphe).

Wohlige Landhausatmosphäre: Blick in das Kochspielhaus.

(Foto: Stephan Rumpf)

Die Nachspeise bestellten wir übrigens kurz entschlossen vorne, an der Theke: ein riesiges Stück Schokotorte. Auch diese Vielfalt gehört eben zum Back- und Kochspielkonzept: Wo sonst kriegt man für 4,60 Euro einen Nachtisch, der locker für zwei, ach was, für vier reicht?