Red Bull plant neues Stadion Lauter Sieger

Der Münchner Stadtrat hat Plänen für eine neue Eishockey- und Basketball-Arena im Olympiapark zugestimmt. Red Bull will die Rechnung für das Hightech-Stadion zahlen. Von dem Millionendeal sollen auch die Stadt und der FC Bayern profitieren.

Von Johannes Schnitzler und Ralf Tögel

Wenn Uli Hoeneß sich zum Gipfeltreffen mit Dietrich Mateschitz verabredet, darf man annehmen, dass sich die beiden nicht über die Qualität der Rostbratwürste im Hangar 7 unterhalten. Was schon daran liegt, dass es in dem zu Mateschitz' Imperium gehörenden Sternerestaurant keine Rostbratwürste gibt. Der Präsident des FC Bayern, Marktführer im globalen Fußballgeschäft, und Red-Bull-Boss Mateschitz, Weltmarktführer im Segment der belebenden Getränke, haben sich kürzlich am RB-Stammsitz in Salzburg getroffen, um über eine sportliche WG zu verhandeln. Das Ergebnis des Gesprächs, an dem auch die Bayern-Vizepräsidenten Karl Hopfner und Rudolf Schels teilnahmen, wird das Münchner Stadtbild verändern. So viel ist sicher.

Am Mittwoch hat der Rat der Landeshauptstadt wie erwartet grundsätzlich den Plänen der Red Bull GmbH zugestimmt, eine neue Multifunktionshalle auf dem Gelände des Olympiaparks zu bauen und zu betreiben. Der österreichische Getränke-Multi hatte in einem "Letter of Intent" seine Absicht erklärt, eine Halle für Eishockey und Basketball für 10 000 Zuschauer sowie drei zusätzlichen Eisflächen an Stelle der jetzigen "Event-Arena" zu errichten. Red Bull will alle damit verbundenen Kosten und Risiken tragen. Ein Branchenkenner spricht von einem Volumen "im dreistelligen Millionenbereich".

Nach den Plänen von Selfmade-Milliardär Mateschitz soll der EHC in der neuen Halle künftig seine Spiele in der Deutschen Eishockey-Liga austragen, weiterer Mieter soll der FC Bayern sein. Rudolf Schels, zuständig für die prosperierende Basketball-Abteilung der Bayern, berichtet von "extrem zielorientierten und konstruktiven" Gesprächen: "Das sind Pragmatiker."

Der Beschluss des Stadtrats ist der nächste Schritt in einem Prozess, der im Frühjahr 2012 mit der in letzter Sekunde abgewendeten Insolvenz der EHC München GmbH ihren Anfang nahm. Red Bull sprang damals als Sponsor ein - vorerst für ein Jahr. Unabdingbare Voraussetzung für ein langfristiges Engagement war ein neues Stadion - das auch im Interesse der Stadt ist. Beide Seiten waren seitdem laufend in Gesprächen, auf beiden Seiten gab es Irritationen. Die Stadt vermisste ein klares Bekenntnis von Red Bull zum Standort München, Red Bull verlangte Garantien. Kurz vor Weihnachten sendeten die Stadträte dann ein starkes Signal nach Salzburg, indem sie sich fraktionsübergreifend für ein neues Eissportzentrum aussprachen. Zum 1. Mai übernahm Red Bull daraufhin alle Anteile an der EHC GmbH.

Für den Standort im Südwesten des Parks sprechen mehrere Faktoren: Es gibt die von Red Bull geforderte Verkehrsanbindung und genügend Parkplätze. Außerdem gibt es rund um das frühere Radstadion genug Platz; allein die vier Spielfelder erstrecken sich - ohne Tribünen und Wirtschaftsgebäude - auf mehr als 7200 Quadratmeter Gesamtfläche.

Beobachter dieses zum Teil zähen Annäherungsprozesses sehen nun ein gutes Geschäft für beide Seiten: Die Stadt bekommt neue Eissporthallen, zwei solvente Mieter und langfristig mehr Leben in den Olympiapark. Red Bull versichert zudem, der Olympiapark GmbH (OMG) nicht ins Kerngeschäft zu pfuschen: "Eine zusätzliche Event-Nutzung der Halle neben Eishockey und Basketball soll vertraglich ausgeschlossen werden." Dies war immer eine der Kernbedingungen der Stadt für ihre Zustimmung gewesen. Allerdings: Veranstaltungen wie X-Games und X-Fighters, wo Red Bull als Großsponsor auftritt, nähren bei manchem die Sorge einer schleichenden Übernahme von Salzburg aus. Bürgermeisterin Christine Strobl sieht indessen keine Gefahr, das Zepter aus der Hand zu geben. Sie glaube nicht, dass der Konzern "einen riesigen roten Bullen" in das Ensemble stellen werde: "Red Bull ist sich der Besonderheit des Ortes bewusst." Eines sei außerdem sicher: "Wir werden nichts verkaufen." Denkbar sei ein Erbpachtmodell. Auch der FC Bayern fürchtet sich nicht, von Red Bull kujoniert zu werden: "Wir würden uns auch gar nicht an die Wand drücken lassen", sagt Vize Schels.

Einen exakten Zeitpunkt für die Fertigstellung der Arena gibt es noch nicht, man befinde sich erst am Anfang der Verhandlungen, heißt es. Der Mietvertrag der Bayern-Basketballer für die Rudi-Sedlmayer-Halle läuft bis 2016, mit Option bis 2018. Interessant ist die neue Halle außerdem im Hinblick auf eine mögliche Bewerbung Münchens um die Olympischen Winterspiele 2022. Auch der Olympiastützpunkt mit Eiskunstlauf und Shorttrack soll dort seine Heimat finden.

Was mit dem alten Eissportzentrum geschieht, ist offen. Denkbar ist, den Komplex dem Breitensport zur Verfügung zu stellen. Denkbar ist auch der Abriss. Die OMG hat mitgeteilt, dass für die dort Beschäftigten - neun Eiswärter und zwei Kassenkräfte - "sozialverträgliche Lösungen zu finden wären". Eingeweiht worden war die Halle 1967 mit einem Spiel des FC Bayern gegen Riessersee. Zwei Jahre später lösten die Bayern ihre Eishockey-Sparte auf.