Prozess Lehrling gesteht sexuelle Übergriffe auf drei Frauen

Krimiserie als Vorbild: Ein 22-Jähriger hat versucht, drei Frauen zu vergewaltigen. Die Opfer wehrten sich, eines von ihnen nahm ihm sogar die Tatwaffe ab. Jetzt steht der Lehrling vor Gericht.

Von Christian Rost

Mit 22 Jahren ist man kein Kind mehr. Armin H. wirkt allerdings sehr unreif für sein Alter. Selbst bei den wenigen Worten, die er am Montag auf der Anklagebank im Landgericht München I im typischen Jugendjargon hervorbringt, verhaspelt er sich dauernd: "Das hab ich klar und klipp gesagt", ist so ein verdrehter Satz, der sicher auch seiner Aufregung geschuldet ist. Es geht ja um viel für den Malerlehrling. Drei Mal hat er in München mit einem Messer bewaffnet Frauen überfallen, um sie zu vergewaltigen.

Die ihm zur Last gelegten Taten, die er ohne Umschweife gesteht, passen überhaupt nicht zu seinen offenkundigen Reifeverzögerungen. Binnen vier Wochen suchte er drei Mal nach weiblichen Opfern, die er zur Befriedigung seines Sexualtriebs zwingen wollte.

Jeweils zwischen 20 und 23 Uhr verließ er am Ostbahnhof das Jugendhotel, in dem er zuletzt wohnte. In der Tasche hatte er ein Taschen- oder ein Teppichmesser und eine Sturmhaube. Damit ausgerüstet bestieg er den Bus der Linie 55 und hielt Ausschau nach Opfern. Die Frauen, die er sich aussuchte, waren 19, 20 und 22 Jahre alt. In einer Detektivserie im Fernsehen hatte Armin H. gesehen, wie ein Vergewaltiger nach diesem Muster vorgegangen war.

Im ersten Fall folgte er am 8. November 2012 gegen 23 Uhr einer Frau, die an der Weddigenstraße ausstieg. Am Eingang eines Parks angelangt, zog H. die Sturmhaube über und das Messer aus der Tasche. Wie bei den folgenden Taten am 25. November ebenfalls an der Weddigenstraße und am 26. November an der Eulenspiegelstraße umklammerte er die Frauen dann mit einer Hand von hinten und hielt ihnen das Messer vors Gesicht.

"Den Frauen überlegen sein"

Seiner Aufforderung, ihm "einen zu lutschen", kam keines der Opfer nach. Eine Frau vertrieb ihn mit einem lauten Schrei, die andere überredete ihn zu verschwinden, und das letzte Opfer nahm ihm kurzerhand die Waffe ab. Mit offener Hose bettelte er, sie möge ihm das Teppichmesser doch zurückgeben, das er dringend bei der Arbeit brauche. Wenig später wurde H. festgenommen.

Der Vorsitzende Richter Thomas Denz wunderte sich, dass ein beinahe noch Jugendlicher auf solch brutale Weise versucht, sexuelle Erfahrungen zu sammeln. Doch der Trieb war nicht sein einziges Motiv. Armin H. hatte schon etwa ein Dutzend Freundinnen, und zehn Mal war er auch im Bordell. Um was es ihm dann bei den Überfällen gegangen sei, fragt der Richter. Der Lehrling überlegt hin und her und meint dann: "Den Frauen überlegen sein."

In seiner Kindheit war der dickliche Junge gehänselt worden. Zurückgesetzt fühlte er sich auch in seiner Familie. Als sich seine Eltern scheiden ließen und andere Partner fanden, kamen Halbgeschwister dazu. Als Jugendlicher wurde H. auffällig unruhig und musste ein dämpfendes Medikament einnehmen, das er später durch Joints ersetzte. Gegen sein Minderwertigkeitsgefühl half aber auch das Kiffen nicht.

Nach den Vergewaltigungsversuchen hatte er bei der Polizei noch gesagt, dass er den Frauen nur die Handtaschen rauben wollte. Warum er nicht gleich mit der Wahrheit herausgerückt sei, will der Richter wissen. "Weil's mir peinlich war", sagt H. Der Prozess dauert an.