Prozess gegen Breno "Ich hab die Schlafmittel im Klub einfach mitgenommen"

Er habe ungehindert Zugang zum Medizinschrank des FC Bayern gehabt: Der Fußballprofi Breno hat sich vor Gericht über seinen Verteidiger erstmals zur Brandnacht geäußert - und Vorwürfe gegen seinen nunmehr ehemaligen Verein erhoben.

Von Anna Fischhaber

In der Pause lächelt er zum ersten Mal. Reglos verfolgt Breno Vinícius Rodrigues Borges ansonsten die Verhandlung an diesem Dienstag, er sieht angespannt aus, fast ängstlich. Der Prozess gegen ihn neigt sich dem Ende zu. Zu den Vorwürfen will der Profifußballer immer noch nichts sagen. Aber zu seinem Umgang mit Schlafmitteln liest sein Verteidiger Werner Leitner schließlich eine Erklärung im Namen des Angeklagten vor.

Vor dem Landgericht München I wird der Prozess gegen Breno fortgesetzt. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm schwere Brandstiftung vor. Laut Anklage soll der Brasilianer aus Frust über seine Knieverletzung im September 2011 an mehreren Stellen in der von ihm angemieteten Villa in Grünwald Feuer gelegt haben. Breno hatte erklärt, sich nicht an die Einzelheiten dieser Nacht erinnern zu können.

Er will bis sieben Uhr bereits zwei Bier, eine Flasche Portwein und Whisky getrunken haben. Das hatte er zumindest im Gespräch mit einem Psychiater erklärt - und stand damit womöglich unter dem Einfluss einer Kombination aus Alkohol und Schlaftabletten. "Ich kann mich nicht erinnern, ob ich am Abend des Brandes Stilnox genommen habe, aber es kann gut sein", lässt Breno nun durch seinen Verteidiger ausrichten. In den Nächten davor habe er oft schlecht geschlafen und Schlaftabletten genommen. Nicht immer, aber immer häufiger. "Es kann gut sein, dass ich an diesem Abend zwei genommen habe - ich war nervös." Er habe das Mittel für harmlos gehalten.

Verteidiger Leitner hatte zuvor erklärt, im Zusammenhang mit Alkohol könne es bei der Einnahme von Stilnox durchaus zu Wesensveränderungen kommen. Als Nebenwirkungen seien Halluzinationen und Angstzustände nicht ausgeschlossen. Auch die Aussage von Brenos Frau Renata in einem abgehörten Telefon passe dazu. "Er war dabei, ein anderer Mensch zu werden", hatte sie gesagt. Die Strategie der Verteidigung scheint also klar zu sein. Sie will Breno offenbar als einen Mann darstellen, der in jener Nacht nicht bei klarem Bewusstsein war.

Auch dazu, wie Breno an das Schlafmittel gekommen ist, nimmt die Verteidigung Stellung. Einzelne Tabletten habe er zunächst verschrieben bekommen. "Ich habe zuletzt immer eine Schachtel zu Hause gehabt, die habe ich mir im Klub einfach mitgenommen", heißt es weiter. Der Medizinschrank sei tagsüber unverschlossen und er wegen seiner Verletzung ständig dort gewesen. Den "Physios", wie er die behandelnden Physiotherapeuten nennt, habe er nichts gesagt. "Ich hatte ein schlechtes Gewissen, weil ich gemerkt habe, dass ich sie immer öfter nehme", lässt Breno ausrichten.

Der ehemalige Manager des 22-Jährigen hatte bereits vor gut einer Woche ausgesagt, der FC Bayern, der Breno bis zum 30. Juni unter Vertrag hatte, habe den Sportler mit Schlafmitteln versorgt - und damit für Aufsehen gesorgt. Der Rekordmeister hatte die Vorwürfe scharf zurückgewiesen. "Diese Aussagen entbehren jeglicher Grundlage. Grundsätzlich gibt es beim FC Bayern keine Schlafmittel", erklärte der damalige Sportdirektor Christian Nerlinger.

Mögliche Wahnvorstellungen

Dann wird das medizinische Gutachten vorgestellt. Die Rechtsmedizinerin Jutta Schöpfer hält es für möglich, dass Breno zumindest zeitweise nicht Herr seiner Sinne war und sogar Wahnvorstellungen gehabt habe - allerdings nur bis zum Ausbruch des Feuers. Für die Zeit danach gebe es keine Anzeichen mehr für Ausfälle. Dafür spreche etwa, dass Breno, als er den Brand bemerkte, zu seinen Nachbarn gerannt sei, um sie um Hilfe zu beten und auf sie relativ normal gewirkt habe.

Die Gutachterin kann nicht ausschließen, dass neben Alkohol auch Schlafmittel in dieser Nacht im Spiel waren. Das hat man damals nicht geprüft. Allerdings habe das sowieso keinen Einfluss auf ihre Einschätzung. Zudem ist bislang noch gar nicht entschieden, ob Breno das Feuer überhaupt gelegt hat. Zwei Brandsachverständige halten das für wahrscheinlich, ein dritter für nicht ausgeschlossen.

Falls das Gericht Breno schuldig spricht, wird sein damaliger Zustand entscheidend für das Strafmaß und seine Zukunft sein. Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt.